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Bad Lippspringe lässt Gutachten erstellen, um Leerstand zu füllen

Kurstadt könnte Outlet-City werden

Bad Lippspringe (WB)

Lässt sich das, was in Metzingen oder Bad Münstereifel funktioniert, auch auf die Stadt Bad Lippspringe übertragen? Die Verwaltung hat untersuchen lassen, ob sich in der Gartenschaustadt ein City-Outlet mit bis zu 45 Geschäften umsetzen ließe.

Ingo Schmitz

In der Fußgängerzone von Bad Lippspringe stehen etliche Geschäfte leer. Foto: Uwe Hellberg

Das Ergebnis: Grundsätzlich sei ein solch konzen­trierter Fabrikverkauf verschiedener Hersteller mit starken Rabatten auf 9000 Quadratmetern mitten in der Innenstadt möglich. Das Projekt werde aber „alles andere als ein Selbstläufer“ werden. Auch wenn es Leerstand gebe: Es mangele derzeit noch an Flächen und auch die Parkplatzsituation müsse verbessert werden, so das Fazit.

Die 93-seitige Standortanalyse mit Nutzungskonzept ist von dem darauf spezialisierten Unternehmen Ecostra aus Wiesbaden erstellt worden und wird von der Stadt noch unter Verschluss gehalten. Ecostra hatte schon für Rietberg (Kreis Gütersloh) eine entsprechende Expertise erstellt. 2018 war das dortige City-Outlet-Projekt an ei­nem Bürgerentscheid gescheitert. Zuvor hatte es in Rietberg erhebliche Differenzen zwischen Kritikern und Befürwortern gegeben. Ob es auch am Gesundheitsstandort Bad Lippspringe zum Streit kommen wird, bleibt abzuwarten. Bislang scheint nur ein kleiner Personenkreis über das Gutachten informiert zu sein. Dazu gehören wohl einige Immobilienbesitzer, die sich unlängst darüber ausgetauscht haben sollen. Wann Bürgermeister Ulrich Lange (CDU) an die Öffentlichkeit gehen will, ist unklar.

Die Untersuchung wurde im Mai 2020 vorgenommen. Dabei wurde nicht nur das Einzugsgebiet mit 2,7 Millionen Einwohnern, sondern auch die umliegende Konkurrenz betrachtet. Nach Meinung der Gutachter sind die Einzelhändler in der Paderborner Innenstadt, das Paderborner Südring-Center sowie im weiteren Sinne auch das Loom in Bielefeld die größten Wettbewerber. Zu den nächsten Einkaufstädten gehört auch Detmold.

Positiv werten die Gutachter die gute Erreichbarkeit Bad Lippspringes über die A33 sowie das Gartenschaugelände und den Arminiuspark am Anfang und am Ende der Einkaufstraße. Zudem verfüge der 16.000-Einwohner-Kurort über eine gute Aufenthaltsqualität und touristische Ziele wie zum Beispiel die Externsteine in direkter Nähe.

Seit dem Ende der Landesgartenschau im Oktober 2017 ist zwar der Leerstand gewachsen, derzeit reichen die vorhandenen Verkaufsflächen aber nicht aus, um den Bedarf von 9000 Quadratmetern decken zu können. Die Gutachter gehen von derzeit 2800 Quadratmetern aus, verteilt auf 21 Objekte. Ziel müssten aber 36 bis 45 Outlet-Shops sein, die über eine durchschnittliche Verkaufsfläche von gut 200 Quadratmetern verfügen müssten.

Zum Vergleich: Das 2014 gegründete City-Outlet Bad Münstereifel (17.400 Einwohner) hat 30 Shops mit 40 Marken in der historischen Innenstadt untergebracht. Und die Outlet-City Metzingen hatte 2019 4,2 Millionen Besucher.

Die Gutachter halten weitere Flächen für unabdingbar, um in dem Kurort den Charakter einer Outlet-Meile zu erreichen. Vor diesem Hintergrund müsse erneut geprüft werden, so Ecostra, ob das Rathaus-Areal im Herzen Bad Lippspringes nicht doch bebaut werden könne. 2019 hatte der Stadtrat Abstand von dieser Idee genommen. Damals sollte das Verwaltungsgebäude weichen, um Platz für einen Lebensmittel- und einen Drogeriemarkt zu machen. Möglicherweise könnte sich aber auch eine Lösung in Nachbarschaft zum Volksbank-Areal bieten.

Abschließend heißt es in dem Gutachten: „Die Nutzung von Potenzialen aus dem Tourismus sind unverzichtbare Voraussetzung für eine tragfähige Betriebsführung.“ Den Lippspringern wird empfohlen, gemeinsam mit Stadt, Investor/Betreiber, Immobilieneigentümern und touristischen Leistungsträgern ein abgestimmtes und kooperatives Vorgehen zu wählen, wenn man denn mit der Idee Erfolg haben will. Offenbar möchte man aus den Fehlern in Rietberg lernen. Die Genehmigungssituation wird jedenfalls als unproblematisch eingestuft.

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