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Verdi kündigt MZG-Hausvertrag: Verhandlungen starten am 6.Oktober

Mitarbeiter wollen Tariflohn

Bad Lippspringe (WB). Etwa 80 Mitarbeiter des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) haben sich am Donnerstagabend bei einer öffentlichen Betriebsversammlung vor dem Bad Lippspringer Rathaus für eine bessere und vor allem gerechtere Bezahlung stark gemacht. Für alle 1200 Beschäftigten solle künftig der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD) gelten, forderten sie in Sprechchören und auf Plakaten.

Maike Stahl

Mit einer Kundgebung vor dem Rathaus haben etwa 80 MZG-Mitarbeiter am Donnerstagabend ihrer Forderung nach gerechter Entlohnung Nachdruck verliehen. Sie wollen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt werden. Foto: Oliver Schwabe

Die Gewerkschaft Verdi hat nun doch den Haustarifvertrag mit dem MZG gekündigt und geht mit dieser Forderung in die Verhandlungen, die am 6. Oktober beginnen sollen. Wie mehrfach berichtet , hatte die Gewerkschaft im Frühjahr vergangenen Jahres den Vertrag erstmals nicht gekündigt und dies damit begründet, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad der MZG-Mitarbeiter zu niedrig sei, um schlagkräftig verhandeln zu können. Das sei inzwischen aber gegeben, bekräftigte Gewerkschaftssekretär Volker Hoppmann. Das MZG ist städtische Gesellschaft, aber nicht Mitglied des kommunalen Arbeitgeberverbandes.

Nachdem es in dem seit dem Frühjahr 2019 schwelenden Streit zwischen Verdi und der MZG-Geschäftsführung keine Einigung gab, hatte letztere einigen Berufsgruppen angeboten, eigene Verträge abzuschließen. „Genau das wollen wir aber nicht, weil es einen Keil in die Belegschaft treibt“, stellte Hoppmann klar. „Wir möchten, dass der TVÖD auf alle Berufsgruppen und Betriebsteile angewendet wird.“ Er rechnete am Beispiel einer Krankenschwester vor, dass diese in den vergangenen 23 Jahren rund 80.000 Euro weniger verdient habe als ihre Kollegen an Häusern, wo nach TVÖD gezahlt werde. So habe das MZG in 23 Jahren rund 80 Millionen Euro gespart. Dieses Geld habe sich zwar niemand in die Tasche gesteckt, sondern es sei in Unterhaltung und Sanierung der Immobilien geflossen, davon hätten die Mitarbeiter allerdings wenig. „Gesundheit ist kein Markt, sondern Daseinsvorsorge für die Bürger. Das sollte nach Covid19 allen klar und den Verantwortlichen auch wert sein“, sagte Hoppmann.

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Susanne Braun unterstützte die Forderung: „Ich bin 42 Jahre im Unternehmen und habe immer daran geglaubt, dass wir das mit dem TVÖD irgendwann hinkriegen. Jetzt will ich es auch erleben!“. 10 bis 15 Prozent unter dem TVÖD lägen die MZG-Löhne im Schnitt. Das sei nicht fair und auch keine Basis, um gutes Personal zu gewinnen und zu halten. Physiotherapeutin Astrid Graefe ergänzte: „Die Arbeitsdichte steigt stetig, wir sind am Limit. Wir wollen endlich faire Arbeitszeiten und gerechte Entlohnung, damit wir wieder mit einem guten Gefühl zur Arbeit gehen können und selbst gesund bleiben.“

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