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Essenthoer Mühle wildert drei genesene Eulen beim Thementag der Gartenschau aus

Neugieriger Blick ins neue Zuhause

Bad Lippspringe (WB). Nach dem Erfolg der Aktion „Faszination Wald“ in den vergangenen Jahren hat erstmals der Thementag „Faszination Heilwald“ auf der Bad Lippspringer Gartenschau stattgefunden und Aktivitäten rund um den Heilwald angeboten. Viele Besucher zog es dabei zur Waldbühne Adlerwiese. Dort wilderte die Vogelpflegestation Essenthoer Mühle drei Eulen aus, die im Laufe des Jahres in der Sauerländer Auffangstation aufgepäppelt und auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet worden sind.

Kevin Müller

Diese Waldohreule beäugt neugierig den Wald auf der Gartenschau Bad Lippspringe – ihr neues Zuhause. Foto: Kevin Müller

Ein Waldkauz, eine Waldohreule und eine Schleiereule

Ein Waldkauz, eine Waldohreule und eine Schleiereule sind in Bad Lippspringe ausgewildert worden. Dabei handelt es sich um lediglich drei der etwa 250 Vögel, die in diesem Jahr in der Pflegestation behandelt wurden. Der Waldkauz, Opfer eines Verkehrsunfalls, wurde am 5. August in Beelen im Kreis Warendorf gefunden. Die Waldohreule, gefunden am 3. Juni in Hofgeismar in Nordhessen, sowie die Schleiereule, gefunden am 17. September in Bad Driburg, waren hingegen abgemagert. Wilfried Limpinsel, Gründer und Leiter der Essenthoer Auffangstation, erläutert auf der Bühne: „Wenn ich einen Vogel fangen kann, dann stimmt etwas nicht mit ihm. Dann muss man ihm helfen.“

Eine Schleiereule. Foto: Kevin Müller

Und da die Tiere nicht selbst in der Lage sind, dem Pfleger mitzuteilen, wann sie wieder fit sind, werden sie solange in großen Volieren untergebracht, in denen ihre Flugfähigkeit beobachtet wird. „Diese liefert einen Hinweis, ob der Vogel wieder freigelassen werden kann“, sagt Limpinsel.

Erste Auffangstation in der Region gegründet

Der Leiter der Essenthoer Mühle hat in 40 Jahren Berufserfahrung schon mehrere tausend Tiere gepflegt und wieder freigelassen. Schon als Kind befasste er sich mit verschiedensten Vogelarten und wurde in der Heimat so zur ersten Anlaufstelle, sobald es um die gefiederten Lebewesen ging. 1980 ging es los. Damals existierte keine Vogelpflegestation in der Region. „Das Gründen einer Auffangstation war dabei niemals geplant. Das hat sich einfach so ergeben, da ich immer gerne geholfen habe und das Interesse an den Vögeln schon immer da war“, sagte Limpinsel.

Ein Waldkauz. Foto: Kevin Müller

Bei den tausenden von Tieren gelte dabei stets eines vor allem: „Während der Dauer der Pflege darf es keine Fixierung auf den Menschen geben. Das Ziel ist stets die Reintegration der Vögel in die Freiheit“, erläutert Limpinsel. Dabei gab es schon einige beeindruckende Rückmeldungen: Da alle Vögel mit Ringen der Vogelwarte Helgoland ausgestattet sind, können die freigelassenen Tiere wiedererkannt werden. So wurde etwa ein Rotmilan nach elf Jahren in Spanien wiedergefunden. Auch an einen Turmfalken, der nach seiner Freilassung innerhalb von zwei Tagen in Paris entdeckt wurde, erinnert sich Limpinsel.

Nachfolgerin steht schon fest

Unterstützt wird der Gründer der Pflegestation unter anderem von Enkeltochter Anna Reichel, die aktuell ihr Masterstudium im Themenfeld Forst mit Schwerpunkt Naturschutz absolviert. Sie soll später einmal die Leitung der einzigen Auffangstation Süd-Ostwestfalens übernehmen.

Auf der Gartenschau sind die beiden keine Fremden. Schon bei den Aktionstagen „Faszination Wald“ präsentierten sie die Auswilderung diverser Vögel. „Der Lebensraum hier im Mischwald ist optimal für die Tiere, die wir hier freilassen“, sagte Limpinsel. Doch auch das große Interesse der Gäste, die bei der Auswilderung zuschauen und sich die Geschichten der Pflegevögel anhören, freut ihn sehr: „Gerade unter aktuellen Umständen überrascht es mich, dass doch so viele Zuschauer gekommen sind.“

Wilfried Limpinsel und Anna Reichel bei der Auswilderung auf der Waldbühne Adlerwiese in Bad Lippspringe. Foto: Kevin Müller

Neben Auftritten auf verschiedenen Landesgartenschauen arbeitet die Vogelpflegestation auch mit Schulen oder Einrichtungen wie dem Jugendwaldheim Ringelstein zusammen und bot vor der Corona-Pandemie Führungen und Naturschulungen für Interessierte an. Oft dürfen Kinder bei einer Auswilderung den Vögeln Namen geben, was sonst eher selten der Fall ist.

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