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41-jähriger Bad Lippspringer steht wegen schwerer sexueller Übergriffe auf Kinder vor Gericht

Nur Teilgeständnis zum Auftakt

Bad Lippspringe

Ein 41-Jähriger soll in Bad Lippspringe seine eigene Tochter und die beiden Kinder einer befreundeten Familie missbraucht haben. Die Details in der zum Prozessauftakt vor der großen Jugendkammer des Landgerichts verlesenen Anklageschrift sind geradezu widerwärtig. Und der Angeklagte ist nur bereit, einen Teil der Taten zuzugeben.

Ulrich Pfaff

Symbolbild. Foto: dpa

Der Fall passt in die Statistik, die besagt, dass die Masse der Missbrauchstaten, in denen Kinder die Opfer sind, im näheren familiären Umfeld begangen werden. Der 41-Jährige soll sich im vergangenen Sommer an seiner sechs Jahre alten leiblichen Tochter vergangen haben, als diese nach der Trennung der Eltern regelmäßig bei ihm übernachtete.

Zwei weitere Kinder – den damals fünfjährigen Sohn und die siebenjährige Tochter einer Bekannten – soll er ebenfalls schwer missbraucht haben, wenn diese bei ihm über Nacht blieben. Hier soll es die ersten Übergriffe bereits 2019 gegeben haben, insgesamt sind acht Taten angeklagt. Die Vorwürfe reichen bis zur Vergewaltigung, wobei der Angeklagte auch mehrmals seine Taten mit dem Handy fotografiert haben soll.

Wenn Angeklagte in Missbrauchsprozessen den kleinen Opfern die Aussage vor Gericht ersparen, indem sie ein Geständnis ablegen, wird das zu ihren Gunsten gewertet. Ein Rechtsgespräch zu Beginn des Prozesses führte aber nur zu einem Teilgeständnis: Er habe die beiden Geschwister so wie in der Anklage dargestellt missbraucht, ließ der 41-Jährige seinen Verteidiger Maximilian Steinert erklären – seine Tochter hingegen nicht.

Vielleicht seien die Befragungen des Kindes zu suggestiv gewesen. So kommt die Jugendkammer nicht umhin, die Sechsjährige in den Zeugenstand zu rufen – was am nächsten Verhandlungstag geschehen soll.

Die Mutter spricht als Zeugin

Statt des Vaters sprach die Mutter, als Zeugin. Sie habe erfahren, dass ihr Kind bei „Doktorspielen“ aufgefallen sei und sei Ende September vergangenen Jahres zu einer polizeilichen Vernehmung geladen worden. „Da konnte ich mir das noch nicht vorstellen“, sagte die 32-Jährige. Erst als sich das Kind einer Schulsozialarbeiterin anvertraut habe – wenn auch vage – sei ihr Misstrauen gegen den Ex-Mann geweckt worden.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen gegen den Lippspringer der Sohn der Bekannten, als er zufällig eine Bemerkung über sexuelle Handlungen im Zusammenhang mit dem 41-Jährigen machte. „Das wollte ich erst nicht glauben“, sagte dessen Mutter als Zeugin, „das hörte sich so an als sei das das Normalste auf der Welt.“ Sie schaltete sofort die Polizei ein, der 41-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die 26-Jährige zog mit ihren Kindern ein paar Monate später von Lippspringe weg: Sie habe den Gedanken nicht ertragen können, dass 500 Meter weiter jemand ihre Kinder missbraucht habe, während sie nichts ahnend zuhause gewesen sei. Dem Jungen und dem Mädchen gehe es seit dem Umzug besser, beide würden in den nächsten Tagen eine Therapie beginnen.

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