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Stab für außergewöhnliche Ereignisse aufgestockt – riesige Welle der Hilfsbereitschaft

Unterkunft für bis zu 100 Flüchtlinge aus der Ukraine in Bad Lippspringer Turnhalle

Bad Lippspringe

Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine sind in Bad Lippspringe eingetroffen: Die drei Frauen und vier Kinder wurden in einer städtischen Flüchtlingsunterkunft untergebracht, teilte Ordnungsamtsleiter David Tyler am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss mit. Auch für den Fall, dass kurzfristig eine größere Zahl an Neuankömmlingen die Kur- und Badestadt erreicht, ist vorgesorgt. In der Einfach-Turnhalle wird aktuell eine Unterkunft für bis zu 100 Personen eingerichtet.

Von Klaus Karenfeld

70 Betten und zehn Kinderbetten sind in der Einfach-Turnhalle bereits aufgebaut worden. Alfred Schumann, Mitarbeiter im Bürgerservice der Stadt Bad Lippspringe, verteilt Decken und Kopfkissen auf die einzelnen Schlafplätze. Foto: Klaus Karenfeld

Der Krieg in der Ukraine zwingt zu schnellem Handeln – das weiß auch Bad Lippspringes Bürgermeister Ulrich Lange. So wurde der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SaE) nach nur drei Tagen von zehn auf aktuell 20 städtische Mitarbeiter aufgestockt. Seit dem Wochenende hat die Kommune zusätzlich eine telefonische Notfallbereitschaft eingerichtet, die unter der Rufnummer 05252/26234 zu erreichen ist. Und zwar montags bis donnerstags jeweils in der Zeit von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende durchgehend.

Die Flüchtlinge müssen sich nicht sofort bei der Kommune anmelden. Laut Stadtverwaltung haben sie in den ersten 90 Tagen ihres Aufenthalts in Deutschland rechtlich den Status eines Besuchers. „Trotzdem wäre es gut“, so Lange, „wenn die Registrierung kurzfristig erfolgt.“ Die Stadtverwaltung hätte dann einen besseren Überblick darüber, wie viele Flüchtlinge vor den Schrecken des Krieges nach Bad Lippspringe geflohen sind.

Kontakt zu hier lebenden ukrainischen Familien aufgenommen

Die Stadt hat inzwischen auch Kontakt zu den 13 hier lebenden ukrainischen Familien aufgenommen. „Von elf haben wir die Zusage bekommen, uns als Dolmetscher zu unterstützen“, ergänzt David Tyler. Der Jugendtreff im Haus Hartmann wird künftig zusätzlich zwischen 10 und 15 Uhr öffnen und in dieser Zeit als Begegnungsstätte für die Flüchtlinge dienen.

Die Überlegungen der Stadt reichen bereits weiter: Schulpflichtige Kinder und Jugendliche sollen – wenn möglich – die internationalen Klassen der evangelischen Grundschule beziehungsweise der örtlichen Gesamtschule besuchen können.

Gesichert ist auch die Verpflegung der Neuankömmlinge: Sie werden von diesem Mittwoch an vom Catering-Unternehmen des Schulzentrums in der Mensa mit Essen versorgt.

Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule haben ein Zeichen der Solidarität gesetzt: Neben der Bundesflagge und der Europa-Fahne weht auch die Flagge der Ukraine auf dem Dach des Schulgebäudes. An den Fenstern einiger Klassenräumen sind auch die blau-gelben Landesfarben der Ukraine zu sehen. Foto: Klaus Karenfeld

„Und die Welle der Hilfsbereitschaft ist riesig“, machte der Allgemeine Vertreter Bernd Gehle im Ausschuss deutlich. „Unsere Telefone stehen nicht mehr still.“ Der Bürgermeister stellte in diesem Zusammenhang klar: „Wir nehmen keine Sachspenden entgegen. Diese Aufgabe übernehmen die unterschiedlichen Hilfsorganisationen.“ Gleichzeitig erinnerte Lange daran, dass die Bad Lippspringer Feuerwehr voraussichtlich in dieser Woche mit einem Hilfstransport in Richtung Polen starten wird.

Die Stadt kann genauso auf die Fachkompetenz und Unterstützung seines Medizinischen Zentrums für Gesundheit zählen. Wie Dr. Erik Ernst im Ausschuss deutlich machte, sind nur 35 Prozent der Menschen in der Ukraine gegen Corona geimpft. Zudem habe das osteuropäische Land mit einer hohen Tuberkulose-Inzidenzrate zu kämpfen.

Flüchtlingsfamilien werden gemeinsam untergebracht

Einen wichtigen Hinweis gab Fachbereichsleiterin Tanja Berghahn-Macken. Demzufolge sollen neu ankommende Flüchtlingsfamilien gemeinsam und nicht getrennt voneinander in kleinen Wohneinheiten untergebracht werden. Das gelte auch für den Fall, dass coronabedingt eines oder mehrere Familienmitglieder in Quarantäne müssen. Die Familien sollen dann in größere Wohneinheiten verlegt werden.

Auf Hochtouren läuft auch die Einrichtung der Einfach-Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft für bis zu 100 Personen. Eine ausreichende Zahl von Feldbetten, Decken und Schlafsäcken ist Lange zufolge bereits geordert.

Die Schüler der Gesamtschule haben inzwischen ein Zeichen der Solidarität gesetzt: Neben der Bundesflagge und der Europa-Fahne weht auch die Flagge der Ukraine auf dem Dach des Schulgebäudes. 

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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