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Turmfalke, Mäusebussard und Uhu auf Gartenschaugelände ausgewildert

Vögel fliegen in die Freiheit

Bad Lippspringe (WB). »Faszination Wald« hieß der Thementag. Doch am Sonntag trübte das nasskühle Wetter die Begeisterung für Bäume und Wildtiere. Nur wenige Menschen spazierten über das Gelände der Gartenschau in Bad Lippspringe, und die meisten von ihnen zog es zur Auswilderung von Greifvögeln auf der Adlerwiese.

Dietmar Kemper

Wilfried Limpinsel zeigt den Uhu, der auf dem Gartenschaugelände ausgewildert wurde. Foto: Dietmar Kemper

Nachdem sie zuvor in Kartons mit Luft- und Sehschlitzen gehockt hatten, bekamen ein Turmfalke, ein Mäusebussard und ein Uhu ihre Freiheit zurück. Gepflegt hatte sie das Team um den Leiter der Auffangstation Essenthoer Mühle in Marsberg, Wilfried Limpinsel. »Der Turmfalke ist in Altenbeken Opfer des Verkehrs geworden und mit einem Auto zusammengeprallt«, erzählte er. Der Bussard wiederum habe im Stacheldraht festgesteckt, sei aber noch rechtzeitig befreit worden. Limpinsel: »Wenn Bussarde tagelang darin hängen und sich verheddern, ist es meist zu spät.« Der Uhu schließlich fiel vor Hunger aus einem Horst in einem Steinbruch in Nordhessen, nachdem die Altvögel umgekommen waren. »Zwei von drei Jungvögeln konnten wir das Leben retten«, berichtete Limpinsel.

Der Turmfalke, der zuerst von Limpinsels Hand abhob, hatte erst Flugtraining gebraucht, bis er wieder so weit war. Wohin die Vögel fliegen, ist offen. Allerdings bekommen sie einen Ring der Vogelwarte Helgoland verpasst, so dass Wissenschaftler entsprechende Erkenntnisse gewinnen können. Vielleicht lassen sich einer oder mehrere in der nahen Senne nieder. »Das Nahrungsangebot ist das A und O«, sagte der Experte und schob hinterher, dass 2019 ein gutes Mäusejahr ist. Deshalb müsse man sich um die Tiere keine Sorgen machen.

Risikofaktor Straßenverkehr

180 Greifvögel sind in diesem Jahr bereits in der Station abgegeben worden, 80 Prozent von ihnen konnten wieder freigelassen werden. In 40 Jahren kamen mehrere tausend zusammen. Aber so gut wie bei den Tieren vom Sonntag geht es nicht immer aus. »Vier Rotmilane und zwei Mäusebussarde mussten wegen schwerer Verletzungen eingeschläfert werden«, sagte Limpinsel. Risikofaktor Nummer eins sei der Straßenverkehr. Wer denkt, das Gesundpflegen von Greifvögeln sei idyllisch, geradezu romantisch, den muss Limpinsel enttäuschen: »Es ist nicht nur Füttern, sondern auch viel Dreckwegmachen und Schreiberei.«

Die Auffangstation für Greifvögel und Eulen dient nicht nur dem Tier- und Artenschutz, sondern auch als Indikator dafür, wie weit bestimmte Arten noch verbreitet sind. Wenn kaum noch Vögel einer Art in der Essenthoer Mühle ankommen, sieht es schlecht für sie aus. Während sich am Sonntag um Limpinsel und die Vögel eine Menschentraube bildete, sah es anderswo auf dem Gelände eher trist aus.

Faszination Wald

Dabei gab es Aktionen und Informationen genug. Wald und Holz NRW mit dem Informationszentrum Hammerhof im Kreis Höxter präsentierte sich genauso wie die Rollende Waldschule der Kreisjägerschaft Paderborn, die Bogensportgruppe Bad Lippspringe und das Grüne Klassenzimmer, wo Kinder Wurzelwesen basteln konnten. Apropos Kinder: Die konnten sich neben dem blauen Bauwagen in einem Zelt von Stefanie Schulte aus Horn-Bad Meinberg als Reh, Eule, Dachs, Bär, Eichhörnchen, Fuchs oder Wolf schminken lassen. So trugen sie die Faszination Wald direkt im Gesicht.

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