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»Langtagende« bauen Wein an

Weißburgunder mit Pfälzer Wurzeln

Bad Lippspringe (WB). Ob spritziger Riesling, würziger Dornfelder oder edler Spätburgunder – Deutschland ist unbestritten ein Weinland. Die bundesweit 80.000 Winzer bekommen jetzt Verstärkung. Unbemerkt von der Öffentlichkeit wird seit drei Jahren auch in der Badestadt Wein angebaut.

Vanessa Bürenkemper, die aktuelle Schützenkönigin, ist zugleich auch die erste Weinkönigin von Bad Lippspringe. Foto:

Angefangen hat alles im Jahre 2012. Dieter Rasche feierte sein 25-jähriges Königsjubiläum und lud dazu auch elf langjährige Freunde ein. »In seinem Garten fielen uns gleich mehrere prächtige Rebstöcke ins Auge«, erinnert sich Franz Jöring. Im trauten Gespräch entstand schließlich die ungewöhnliche Idee, einen eigenen Weingarten in Bad Lippspringe anzulegen.

Die zwölf Freunde kennen sich seit ihrer Kindheit, haben später die örtliche Landjugend verstärkt und treffen sich bis heute regelmäßig in gemütlicher Runde, die den originellen Namen »Die Langtagenden« trägt.

»Zunächst hielten wir nach einem geeignet großen Grundstück Ausschau«, berichtet Dieter Rasche. »Es gab mehrere mögliche Standorte. Am Ende entschieden wir uns für eine 5.000 Quadratmeter große Parzelle am Lindenweg und pachteten sie.« Mehrere Arbeitseinsätze waren notwendig, um die Fläche für den perfekten Weinanbau herzurichten.

Große Herausforderung

Die größte Herausforderung stand den »Langtagenden« aber noch bevor: »Sicherlich genießen wir gerne auch einmal ein Gläschen Wein«, sagt Werner Bee und berichtet: »Das notwendige Wissen rund um den Weinanbau aber fehlte uns anfangs natürlich.«

Versierte fachliche Hilfe kam vom Pfälzer Weingut Münch, das regelmäßig beim Bad Lippspringer Parkfestival und später im Jahr beim Schützenfest vertreten ist.

Von Markus Münch bekamen die Weinbauern in spe viele nützliche Hinweise. »Er zeigte uns zum Beispiel, wie die Rebstöcke korrekt zu setzen und zu pflegen sind. Auch wichtige Tipps zum Schnitt der Pflanzen haben wir von ihm bekommen«, berichtet Franz Jöring anerkennend.

Aber eine wichtige Entscheidung war noch zu treffen: Welche spezielle Rebsorte sollte in Bad Lippspringe angebaut werden? Am Ende entschieden sich die »Langtagenden« für einen Weißburgunder mit Pfälzer Wurzeln.

Anfang 2015 war es dann soweit: Die ersten 80 Rebstöcke wurden in den Boden gebracht und an einem Drahtgerüst befestigt. Mit Argusaugen verfolgten die zwölf Freunde in den Monaten danach das weitere Geschehen. Regelmäßig schauten sie im Weingarten am Lindenweg vorbei. Die Rebstöcke entwickelten sich prächtig.

Der scheinbar grenzenlose Optimismus der Gruppe sollte sich auszahlen. Im folgenden Mai bereits konnte das erste Weinblütenfest an der eigens hergerichteten Weinlaube gefeiert werden. Im Herbst folgte die erste Weinlese.

Weiterverarbeitung des Rebensafts

Für die Weiterverarbeitung des Rebensafts ist Dieter Rasche verantwortlich. »Der hatte sich in das Thema umfassend eingearbeitet und kannte sich bestens mit den neu angeschafften Gerätschaften wie Weinpresse oder Gärbehälter aus«, sagt Franz Jöring.

Das Ergebnis ist ein vollmundiger Weißwein, der den wohlklingenden Namen »Tilia« trägt – die lateinische Bezeichnung für »Linde«. Der Name soll unter anderem an den Standort des Weingartens am Lindenweg erinnern. Auf dem Flaschenetikett sind neben dem Schriftzug Tilia auch die Lindenkapelle, das Hermannsdenkmal mit dem Zeichen der Landjugend und das Wappen der Arminiuskompanie abgebildet. »Damit möchten wir auch unsere Heimatverbundenheit demonstrieren«, sagt Werner Bee.

Der Bad Lippspringer Wein soll nicht in den kommerziellen Verkauf gehen, auch darin sind sich die zwölft Freunde einig. Speziell dazu findet sich ein Hinweis auf der Rückseite des Etiketts. Dort heißt es: Bei dem Bad Lippspringer Wein handele es sich um eine Eigenerzeugung der »Tilia-Weinfreunde«.

Da der Weinertrag noch überschaubar sei, werde der Bad Lippspringer Rebensaft zur Zeit noch mit einem geschmacklich ähnlichen Wein aus der Pfalz verfeinert, berichtet Franz Jörning.

Die »Langtagenden« haben auch eine charmante Botschafterin für ihre »Tilia« gefunden. Vanessa Bürenkemper, die aktuelle Schützenkönigin, ist zugleich auch die erste Weinkönigin von Bad Lippspringe. Beim Königinnentreffen auf der Landesgartenschau 2017 warb sie nicht nur royal eloquent für das örtliche Schützenwesen, sondern machte die Besucher auch mit der neuen Weinregion Bad Lippspringe bekannt.

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