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Prozess gegen 31-Jährigen aus Bad Lippspringe

Zehn Kilo Drogen in der Wohnung

Bad Lippspringe (WB). Er sei ein netter Mensch und könne schlecht Nein sagen. Ein Charakterzug, der einen 31-Jährigen aus Bad Lippspringe vor das Landgericht, aber nicht in den Knast gebracht hat. Der Mann, der für Dealer in seiner Wohnung Drogen aufbewahrt hatte, verpfiff gleich nach seiner Festnahme die Hintermänner.

Ulrich Pfaff

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Das Betäubungsmittelgesetz sieht für die Aufklärungshilfe Strafreduzierungen vor. Eine solche verdiente sich der Bad Lippspringer gestern vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts. Er war im vergangenen September aufgeflogen, als er Drogen in seiner Wohnung für Bekannte »gebunkert« hatte – als Lohn hätte er davon etwas für seinen Eigenkonsum behalten dürfen. So weit kam es aber nicht: Die Kripo hatte im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen einen größeren Paderborner Drogendealer dessen Handy ausgewertet und war so auf den 31-Jährigen gestoßen. Bei der Hausdurchsuchung fiel den Beamten dann in die Hände, was Staatsanwalt Frank Stegen im Prozess »eine gewaltige Menge« nannte: 9,5 Kilogramm Marihuana und fast ein Kilogramm Amphetamin. Zwar war das Marihuana von ziemlich mieser Qualität – aber die zwei vollen Tüten hatten strafrechtlich beachtliches Gewicht.

Fünf Monate in Untersuchungshaft

Dieses im Sinn, berief sich Verteidiger Dr. Franz Zacharias in einer Erklärung für den Angeklagten auf das, was dieser bereits kurz nach seiner Festnahme bei der Polizei ausgesagt hatte. »Mein Mandant hat sich schon früh geständig eingelassen, und diese Angaben haben sich bestätigt.« Schließlich hätten diese Informationen der Polizei ermöglicht, die Hintermänner zu ermitteln und dingfest zu machen. Wie ein Kripobeamter bestätigte, waren in der vergangenen Woche vier Männer verhaftet worden, die dringend verdächtig seien, von Bad Lippspringe aus »seit langer Zeit und gut organisiert« einen illegalen, florierenden Drogenhandel zu betreiben.

Damit war der Pflock eingeschlagen: Der 31-Jährige hatte der Polizei Informationen geliefert, die das Gericht später mit seinem Urteil auch honorierte.

Wie der Lippspringer vor Gericht bestätigte, konsumiert er seit Jahren Marihuana. Sein Nachbar sei zusammen mit einem anderen Bekannten zu ihm gekommen und habe ihn gebeten, Drogen für ein paar Tage aufzubewahren. Da sei er nach dem Motto verfahren »Mein Haus ist dein Haus« und habe sich als »Bunkerhalter« betätigt. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass das eine so große Menge war«, sagte der Angeklagte. »Vielleicht haben die auch ausgenutzt, dass ich nichts dagegen gesagt habe.« Eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren wegen Beihilfe zum Drogenhandel und Besitz von Drogen sprach die Strafkammer aus – so wie von Staatsanwalt und Verteidiger unisono beantragt. Allerdings wurde der Haftbefehl gegen den 31-Jährigen angesichts der fünfmonatigen Untersuchungshaft sofort aufgehoben. Er muss die Gefängnisstrafe aber antreten, wenn er sich nicht schleunigst und erfolgreich um eine Drogentherapie bemüht.

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