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Premiere bei  Historischer Landtechnik  Wünnenberg

Alte Grantmühle erstmals im Einsatz

Bad Wünnenberg

Wenn der Verein „Historische Landtechnik Wünnenberg“ am kommenden Wochenende nach der Corona-Pause endlich wieder zum Sommerfest einlädt, werden auf dem Hassel nicht nur die Oldtimer-Traktoren rattern. Erstmals ist dann auch die neue-alte Grantmühle im Einsatz.

Freuen sich, die Grantmühle beim Sommerfest der Historischen Landtechnik  in Bad Wünnenberg erstmals in Betrieb zeigen zu  können: (von links) Ulrich Klinke, Berthold Hegers und Reinhard Wecker. Foto: Hanne Hagelgans

Die Aktiven um Vorsitzenden Ulrich Klinke und Stellvertreter Reinhard Wecker haben die Corona-Zwangspause gut genutzt. Denn auf dem Hassel ist nicht nur Ebbers alte Grantmühle wieder funktionsfähig gemacht worden.

Vielmehr ist über dem historischen Schätzchen gleich ein komplettes Gebäude aus heimischen Hölzern samt Aussichtsterrasse entstanden. Es bietet künftig Raum für Seminare und Bildungsangebote, Arbeit mit Schulklassen und Kindergärten und kann auch für private Feiern gemietet werden. Außerdem baut die Biologische Station Paderborn-Senne dort ein Streuobstwiesen-Kompetenzzentrum auf und bildet in einem zweijährigen Kurs Obstbaumwarte aus.

Knapp 300.000 Euro Fördermittel aus dem NRW-Programm „Heimatzeugnis“ sind in das Projekt geflossen. Doch der Wert, der geschaffen worden sei, sei sicherlich doppelt so hoch, schätzt Ulrich Klinke: Die Mitglieder der Historischen Landtechnik haben ehrenamtlich in vielen, vielen Arbeitsstunden richtig rangeklotzt.

„Wir lassen nichts verkommen“

Dabei haben sie viel Wert auf eine ökologische und nachhaltig Bauweise gelegt: Der Großteil des verwendeten Holzes stammt direkt vom benachbarten Waldstück Hassel. „Das hat keine eineinhalb Kilometer Weg hinter sich, regionaler geht es nicht“, schmunzelt Ulrich Klinke. Und auch bei der Innenrichtung gilt: „Wir lassen nichts verkommen.“ So stammen die Stühle, versehen mit neuen Polsterungen, aus dem Lesesaal des ehemaligen Kurhauses, die Bänke aus der ehemaligen Gaststätte Laufkötter in der Mittelstraße.

Und auch die Theke, die sich in der benachbarten Scheune der Landtechniker auf dem Hassel befindet, dürfte so manchem Wünnenberger sehr bekannt vorkommen: Sie stand nämlich ebenfalls viele Jahre lang in der Gaststätte Laufkötter.

Grantmühle als Herzstück

Herzstück des Gebäudes, das mit seinen zwei Stockwerken die Hanglage ausnutzt, ist die Grantmühle im Untergeschoss, die beim Sommerfest am kommenden Wochenende erstmals im Betrieb zu sehen ist und am 11. September beim „Tag des offenen Denkmals“ offiziell eingeweiht werden soll.

In früheren Zeiten, erzählt Ulrich Klinke, habe es im Raum Bad Wünnenberg zahlreiche Mühlen gegeben: Sägemühlen, Papiermühlen, Kornmühlen und Lohmühlen. Die Grantmühle verarbeitete den typischen Quarzsandstein der Region zum begehrten Rohstoff unter anderem für Maurersand und Dachpfannen, die  „Wünnenberger Platte“ genannt wurden und als besonders haltbar und sturmfest galten.

Program zum Sommerfest

Mit viel Liebe und Geduld haben die Technikfreunde die Mühle und den dazugehörigen Schwerölmotor wieder funktionsfähig gemacht. Auf der Suche nach Ersatzteilen wendeten sie sich ohne viel Hoffnung an die Herstellerfirma Deutz in Köln - und erlebten eine positive Überraschung. 

„Toller Kundenservice“

Die Kölner fragten nach der Motornummer, anhand derer sie dann problemlos feststellten, dass der Motor 1929 an Hermann Ebbers in Wünnenberg verkauft worden war. Ersatzteile, hieß es aus der Domstadt, habe man für dieses Modell  selbstverständlich noch, und zur Verfügung gestellt wurden die sogar kostenlos. „Das ist toller Kundenservice“,  freut sich Ulrich Klinke.

Anschauen können sich Besucher das Ergebnis beim Sommerfest am kommenden Wochenende. Und auch darüber hinaus gibt es viel Interessantes und Nostalgisches rund ums Landleben zu entdecken. Alte Erntegeräte, Traktoren und ein Kartoffelroder sind im Einsatz zu sehen, für Kinder gibt es unter anderem ein Strohlabyrith, und für Unterhaltung ist ebenso bestens gesorgt wir für Essen und Trinken. Dabei dürfen natürlich auch die Reibeplätzchen aus eigenen Kartoffeln nicht fehlen, für die die Landtechniker in Kennerkreisen längst berühmt sind.

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