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Im Einsatz für Sicherheit auf Autobahnen – ADAC dankt Straßenwärtern

Den Winter noch nicht abgeschrieben

Bad Wünnenberg (WB). Dierk Goecke findet den Winter so, wie er sich derzeit präsentiert, schön. „Ich brauche keinen Schnee“, sagt der 48-Jährige. Verständlich: Denn Goecke ist Masterleiter der Autobahnstraßenmeisterei in Haaren. Und dort bedeutet Schnee nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch erhöhte Unfallgefahr für alle Verkehrsteilnehmer.

Marion Neesen

Dierk Goecke, Andreas Krohn und Udo Stötzel (von links) an einem der 16 Winterdienst-Fahrzeuge: Sieben Tonnen Salz kann der Streuwagen laden. Im Schnitt werden zehn Gramm auf einer Breite von sechs Metern pro Kilometer gestreut. Foto:

Goecke ist 2018 an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt und Nachfolger von Friedhelm Erftemeier. Für Schlagzeilen hatte Goecke dort 2010 gesorgt, als er wegen des damaligen Mangels an Streusalz die Sicherheit auf den Autobahnen nicht mehr garantieren konnte und die A 44 tagelang sperren ließ. Einen Engpass an Salz gab es seitdem nicht mehr. Und auch jetzt lagern 400 Tonnen einsatzbereit in der großen Halle auf dem Betriebshof. Zudem ist ein Zugriff auf 50.000 Tonnen Notreserve möglich.

ADAC sagt Danke

Der gemeinsame Arbeitsplatz Autobahn war am Montag Anlass für Vertreter des ADAC Ostwestfalen-Lippe, die Meisterei in der Schnittstelle der A 33 und A 44 zu besuchen. Udo Stötzel (ADAC OWL Vorstand Verkehr), Andreas Krohn (Gelber Engel) und Ralf Collatz (Pressesprecher) dankten dem Masterleiter und seinen Mitarbeitern für deren verantwortungsvollen und oft auch gefährlichen Einsatz.

Insgesamt 26 Mitarbeiter und zwei Auszubildende betreuen von Haaren aus 82 Autobahnkilometer mit 13 Anschlussstellen zwei Kreuzen, 108 Brücken und Überführungen sowie 16 Parkplätzen. In diesem Winter mussten sie mit bisher 40 Einsätzen vergleichbar wenig ausrücken, um die Straßen sicher zu machen.

Beruf mit viel Abwechslung

Dennoch gibt es genug Arbeit. „Der Beruf des Straßenwärters ist unglaublich abwechslungsreich“, wirbt Goecke für seinen Berufsstand. Neben Streckenkontrollen, Instandsetzungsarbeiten, Baustellensicherung und Markierungsarbeiten gehören auch Baum- und Grünpflege inklusive Müllentsorgung und sogar Fledermaus-Monitoring dazu. Vom nächsten Jahr an wird sich auch die Bezahlung der Straßenwärter verbessern. Denn dann wird nicht mehr das Land, sondern „Die Autobahn GmbH“, eine hundertprozentige Tochter des Bundes, ihr Arbeitgeber sein. „15.000 Leute machen dann nichts anderes als Autobahn“, sagt Goecke. Gleichzeitig freut sich der Masterleiter, dass der Standort Haaren gesichert ist.

Der 48-Jährige berichtet aber auch von den unschönen Seiten seines Berufes. So sei es kein Einzelfall, dass seine Mitarbeiter von Autofahrern beschimpft und auch mit Gegenständen beworfen würden. „Die Straßenwärter handeln im Sinne der Verkehrssicherheit und dienen dadurch allen“, appelliert Udo Stötzel an alle Autobahnnutzer, mehr Verständnis und Toleranz zu zeigen. Die werden in den kommenden Jahren verstärkt nötig sein, denn zahlreiche Baustellen, unter anderem Brückenbauarbeiten und Fahrbahnsanierungen, werden weiterhin für Behinderungen sorgen. „Verständnis, Geduld, niedrigere Geschwindigkeiten in Baustellenbereichen sowie ein ausreichender seitlicher Sicherheitsabstand“, wünscht sich Masterleiter Goecke für das ganze Jahr von allen Fahrern.

Bei einer Panne hinter die Leitplanke

Andreas Krohn vom ADAC erinnert daran, im Falle einer Panne auch an die eigene Sicherheit zu denken. Oft würden liegengebliebene Fahrzeuge weder per Warnblinklicht noch Warndreieck sichtbar gemacht. „Auch werden die Warnwesten nicht übergezogen und oft sitzen die Fahrzeuginsassen noch im Auto, statt sich hinter der Leitplanke in Sicherheit zu bringen“, warnt Krohn vor solch lebensgefährlichem Verhalten. Aber auch hierbei ist Vorsicht geboten. So sei es schon passiert, dass Autofahrer über die Leitplanke gesprungen seien und dabei nicht gemerkt hätten, dass sie sich auf einer Brücke befanden.

Jahr für Jahr erinnert der ADAC daran, Rettungsgassen zu bilden. „Es ist ein bisschen besser geworden und kommt langsam in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer an“, glaubt Ralf Collatz.

Den Winter hat Dierk Goecke noch lange nicht abgeschrieben. Doch er und seine Kollegen sind gut vorbereitet. „Unsere Winterdienstzentrale in Hamm ist von November bis Ende März dauerhaft besetzt. An mehreren Bildschirmen werden dort die Wetterlage und die Daten aus den Glättemessanlagen verfolgt“, so Goecke. Boden-, Luft- und Bauwerktemperaturen werden stetig verfolgt, so dass die Autobahnstraßenmeistereien rechtzeitig informiert werden können.

So hat auch Dierk Goecke am Montagmorgen reagiert und sechs Mitarbeiter in den frühen Feierabend geschickt, so dass sie im Bedarfsfall in der Nacht einsatzbereit sind. Denn der Wetterdienst hat Schnee angekündigt.

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