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100 Tage im Amt: Bad Wünnenbergs neuer Bürgermeister Christian Carl blickt auf die ersten Monate zurück

„Ein bisschen wie nach Hause kommen“

Bad Wünnenberg

Der Leiberger Christian Carl (45) ist seit November neuer Rathauschef in Bad Wünnenberg. Im Interview mit WV-Redakteurin Marion Neesen blickt er auf 100 Amtstage in der Kurstadt zurück.

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Seit November ist Christian Carl Bürgermeister der Stadt Bad Wünnenberg. Er ist zwar nicht an seinen alten Schreibtisch, aber an die Arbeitsstätte zurückgekehrt, an der er bereits 20 Jahre tätig war. Foto: Romana Papenkordt

Natürlich waren die ersten Monate geprägt von der Pandemie und ist auch die politische Arbeit in diesen Zeiten von erheblichen Einschränkungen betroffen – trotzdem zieht er eine positive Zwischenbilanz.

Herr Carl, sind Sie schon in Ihrem neuen Amt angekommen?

Christian Carl: Auf jeden Fall bin ich schon gut angekommen. In den ersten Wochen musste ich mich erst einmal zu den einzelnen Themen auf Stand bringen. Einige Projekte liefen ja schon, da musste ich schauen, wie wir da weitermachen, andere musste ich erst anschieben. Aber ich habe ein gutes Team, das mich sehr unterstützt.

Was hat die ersten 100 Tage im Amt geprägt?

Carl: Die ersten Monate waren sehr geprägt von der Corona-Pandemie. Wir konnten insbesondere mit den politischen Diskussionen nicht starten wie gewünscht. Zudem mussten wir unsere Arbeit innerhalb der Verwaltung umstellen. So haben wir für alle Mitarbeiter Einzelbüros eingerichtet. Die Verwaltung ist für Publikum nur in dringenden Fällen und mit Terminvereinbarung zugänglich und einige arbeiten von zu Hause aus.

Wie hat der Wechsel aus der Stadtverwaltung Büren ins Rathaus nach Fürstenberg geklappt?

Carl: Der Wechsel hat sehr gut geklappt. Ich habe ja schon mehr als 20 Jahre bei der Stadt Bad Wünnenberg gearbeitet. Viele Kolleginnen und Kollegen kannte ich schon. Es war ein bisschen, wie nach Hause zu kommen. Durch meine Zeit bei den Stadtwerken Marsberg und der Stadt Büren konnte ich einige neue Impulse mitnehmen. Da soll die interkommunale Zusammenarbeit gestärkt werden.

Können Sie sich vorstellen, auch etwas Neues in der Verwaltungsarbeit einzuführen?

Carl: Die Digitalisierung wird weiter voranschreiten. Die Verwaltungsleistungen müssen digital abrufbar, einreichbar und verarbeitbar sein. Es reicht nicht, eine E-Mail zu schicken, sondern ganze Prozesse müssen digitalisiert werden. Dafür müssen wir jetzt die Grundlagen schaffen, damit wir für die Zukunft gut aufgestellt sind. Mit der Einführung des Rechnungsworkflows haben wir einen ersten Schritt getan. Daran werde ich arbeiten.

Die Startbedingungen für alle neuen Bürgermeister waren denkbar schlecht. Ist Kommunalpolitik unter Pandemiebedingungen überhaupt möglich?

Carl: Es gibt erhebliche Einschränkungen, was die politische Arbeit angeht. Einige Rats- und Ausschusssitzungen mussten abgesagt, verschoben oder personell reduziert werden. Informationsveranstaltungen haben wir teilweise digital abgehalten, um insbesondere die neuen Ratsmitglieder zu informieren. Corona hat aber auch gezeigt, dass einige Formate zukünftig weiterhin digital erfolgen, auch wenn die Pandemie vorbei ist. Wenn wir Beschlüsse herbeiführen wollen, sind Präsenzveranstaltungen aber gesetzlich vorgeschrieben. Da sorgen wir dafür, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden.

Vor der Wahl haben Sie gesagt, es gelte, die richtige Balance zwischen Sparen und Investieren zu finden. Haben Sie schon Ansatzpunkte entdeckt?

Carl: Wir müssen bei Investitionen Synergien nutzen. So werden wir etwa die Straßenbeleuchtung umrüsten auf LED-Technik. Dadurch sparen wir Stromkosten und reduzieren den CO2-Ausstoß. Außerdem ist die Errichtung von PV-Anlagen, mit der wir ebenfalls Stromkosten einsparen, in der Planung. Weiterhin stehen die energetische Sanierung des Schulzentrums und des Feuerwehrgerätehauses in Leiberg auf der Agenda.

Es gibt Kritik an der Ausweisung weiterer Gewerbeflächen in Haaren. Gibt es konkret weiteren Bedarf oder Anfragen?

Carl: Aktuell haben wir mehrere Anfragen sowohl für das Gewerbegebiet in Haaren als auch für Leiberg. Dabei müssen wir aber immer den Flächenverbrauch im Auge behalten. Flächenverbrauch und Schaffung von Arbeitsplätzen müssen in Relation stehen. Denn wir sind begrenzt in der Ausweisung von zusätzlichen Flächen. Auch können wir der Landwirtschaft nicht immer mehr Flächen wegnehmen und Flächenversiegelung durchführen.

Wie ist der derzeitige Stand beim Flächennutzungsplan?

Carl: Die Ratsmitglieder haben sich just über den aktuellen Stand informiert. Dabei wurden die Historie erläutert und einige Begrifflichkeiten erklärt. Derzeit haben wir einen ersten Arbeitsentwurf. In einer der nächsten Sitzungen werden wir den Beschluss der frühzeitigen Beteiligung herbeiführen.

Was hat sich im Privatleben und im Alltag für Sie geändert, seit Sie Bürgermeister sind? Bleibt noch genügend Freizeit und wie verbringen Sie diese?

Carl: Mein Privatleben musste ich ein bisschen umorganisieren. So bin ich morgens noch im Haus, wenn die Kinder aufstehen, und wenn abends Termine sind, versuche ich, den Mittag zu Hause zu verbringen. Da derzeit keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden, bleibt am Wochenende auch noch Zeit für die Familie. Ablenkung finde ich ein wenig beim Joggen, das funktioniert im Moment aber auch nur am Wochenende.

Welche Themen stehen in diesen Tagen auf der Agenda?

Carl: Wir stehen kurz vor der Eröffnung des KUGAs in Bad Wünnenberg. Das wird einen echten Mehrwert für unsere Kurstadt bringen. Da sollen die Arbeiten in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. In die Mittelstraße wird wieder mehr Leben einziehen. Die langersehnte Eisdiele wird im ersten Quartal kommen, ebenfalls ein Bekleidungsladen für junge Mode. Diese Projekte begleite ich natürlich gerne mit. Das Thema Corona und der Umgang damit wird uns noch in den nächsten Wochen und Monaten begleiten. Hier haben wir die Aktion „Wir helfen einander“ wieder ins Leben gerufen.

Haben Sie Freude an Ihrem neuen Job?

Carl: Natürlich, ich mag den vielfältigen Austausch mit den Menschen. Des Weiteren bestärkt es mich, die Zukunft meiner Stadt gemeinsam mit der Verwaltung, dem Rat und der Bürgerschaft aktiv mitzugestalten.

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