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Corona in der Aatalklinik Bad Wünnenberg – Angehörige in Sorge

Patienten in der Warteschleife

Bad Wünnenberg

Olaf Mohrmann macht sich große Sorgen um seinen Bruder Uwe. Der 59-Jährige hat Anfang November einen Schlaganfall erlitten. Zur Rehabilitation ist er seit Mitte November in der Aatalklinik in Bad Wünnenberg.

Marion Neesen

In der Aatalklinik Bad Wünnenberg ist nach Angaben ihres Geschäftsführers vor etwa 14 Tagen das Coronavirus festgestellt worden. Etwa 20 Patienten seien aktuell erkrankt. Foto: Klinik

Eigentlich hätte er am vergangenen Donnerstag entlassen werden sollen. Doch einen Tag vor der Entlassung in ein Pflegeheim nach Herford wurde Uwe Mohrmann positiv auf Corona getestet.

„Ein Pflegeheim nimmt meinen Bruder jetzt natürlich nicht auf“, sagt Olaf Mohrmann, „eine Therapie erfolgt in der Klinik auch nicht mehr. Seit einer Woche liegt mein Bruder nur noch im Bett.“ Wie es mit dem Hövelhofer nun weitergeht, ist unklar.

Die Zahl der aktuell infizierten Patienten in der Aatalklinik bezifferte Dr. Markus Küthmann, Geschäftsführer der Aatalklinik, am Dienstag auf WV-Anfrage auf etwa 20. Sie sei schwankend. 22 der insgesamt rund 200 Mitarbeiter seien inzwischen in Quarantäne gewesen. Etwa zehn Infektionen kämen nach neuesten Testungen unter den Mitarbeitern hinzu. „Angesichts der Entwicklungen in Deutschland hatte ich sogar mit noch mehr gerechnet“, so Küthmann, „wir werden in Deutschland in den nächsten Monaten noch vor großen Herausforderungen stehen.“

Dennoch könne die tägliche Versorgung der Patienten in der Aatalklinik gewährleistet werden. Da um Weihnachten herum mit etwa 100 Patienten deutlich weniger als bei Vollbelegung (220 Betten) in der Klinik behandelt würden, sei der Personalstand ausreichend. Bisher habe kein Patient aufgrund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in ein Krankenhaus verlegt werden müssen. Therapien hätten aufgrund der Pandemie umgestellt werden müssen, so gebe keine Gruppentherapien.

Problematisch ist die Situation von Patienten wie Uwe Mohrmann, deren Therapie eigentlich beendet ist, die nun aber aufgrund einer Coronainfektion isoliert werden mussten und nicht in ein Pflegeheim entlassen werden können. In solchen Fällen sei die Kostenübernahme zu klären, weshalb sich die Patienten oder deren Angehörige an die Leistungsträger (Krankenkasse) wenden müssten, so Küthmann. Man sei zunächst überein gekommen, dass diese Patienten in der Klinik blieben, bis die Infektion überstanden und ein Transport möglich sei. Weitere therapeutische Maßnahmen seien aber aufgrund der Versicherungsfrage problematisch.

Dr. Markus Küthmann hofft, dass über Weihnachten ein angemessenes Programm für die Patienten ermöglicht werden könne. Viele der sonst vorgesehenen Angebote seien wegen der Pandemie nicht möglich. Neuaufnahmen gebe es üblicherweise vor Weihnachten nicht.

Vor etwa 14 Tagen ist das Virus in der Aatalklinik, wo unter anderem Schlaganfallpatienten interdisziplinär behandelt werden, aufgetreten. Zuvor habe es vereinzelt Fälle unter Mitarbeitern gegeben, die aber nicht im Dienst waren. In der Aatalklinik sind auch zwei Arztpraxen untergebracht. Diese seien jedoch über andere Parkplätze und Zugänge erreichbar, sodass die Patienten zu ihren Ärzten gelangten ohne durch die Klinik gehen zu müssen.

Nicht nur in der Aatalklinik ist das Coronavirus nachgewiesen. Nach Informationen der Kreisverwaltung sind im Kreis Paderborn elf Pflege- und Rehaeinrichtungen betroffen. Angesichts des Coronaausbruchs in der Aatalklinik müssten sich die Bad Wünnenberger Bürger nicht mehr Sorgen machen als Bürger anderswo, meint Dr. Markus Küthmann. „Sie sollten das machen, was alle derzeit tun sollten: eine Maske tragen, Abstand halten und auf ihre Gesundheit achten. Wovor ich mich aber am meisten fürchte ist, dass Weihnachten noch einmal wie ein Brandbeschleuniger wirkt. Natürlich hat jeder seine spezielle Familiensituation und möchte vielleicht noch einmal mit der 90-jährigen Oma feiern. Doch es ist nicht die Zeit für Partys“, so Küthmann.

Die Aatalklinik sei erneut, wie schon während der ersten Pandemiewelle, in den Kreis der Notfallkliniken aufgenommen worden. Sollten die Akutkrankenhäuser nicht mehr ausreichend Platz für Patienten haben, könnten diese auch im Aatal behandelt werden.

Olaf Mohrmann hofft indes, dass bei seinem Bruder der nächste Coronatest am ersten Feiertag negativ ausfällt und dieser die Klinik verlassen kann. Seine Kritik hinsichtlich der Versorgung seines Bruders hält er aufrecht. Denn eine Bewilligung der Verlängerung der Rehamaßnahme bis zum 31. Dezember liege in der Aatalklinik bereits vor, sodass sein Bruder weiterhin Anspruch auf Therapiemaßnahmen habe, die derzeit aber ausblieben.

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