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Archäologen finden in Bad Wünnenberg mehr als 2000 Jahre alte Höfe

Sensation auf den zweiten Blick

Bad Wünnenberg (WB/han). Was für Laien auf den ersten Blick unspektakuläre runde Löcher im Boden sind, bedeutet für Fachleute eine kleine Sensation. Im Baugebiet Isernkuhle am südlichen Ortsrand Bad Wünnenbergs hat ein Grabungsteam im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) jetzt mehr als 2000 Jahre alte Hofstellen entdeckt.

Holzkohlepartikel und Steinscherben, wie sie Dr. Wolfgang Messerschmidt zeigt, helfen bei der Altersbestimmung der archäologischen Funde in Bad Wünnenberg. Foto: Oliver Schwabe

Im Neubaugebiet Isernkuhle sollen rund 100 neue Wohnhäuser, darunter zwölf Mehrfamilienhäuser, entstehen. Im Zuge des Planverfahrens hat die Stadt auch die Archäologen des Landschaftsverbandes mit ins Boot geholt. Die machten Anfang des Jahres einige Probeschnitte und stellten schnell fest: Hier lohnt es sich, genauer hinzusehen.

In einem Abstand von etwa 150 Meter stieß das Team um Grabungsleiter Dr. Wolfgang Messerschmidt auf zwei Hofstellen, bestehend aus jeweils einem etwa 25 Quadratmeter großen Wohnhaus und Nebengebäuden wie Speichern und einer Grube, die vermutlich als kühles Lager für Lebensmittel gedient hat. Die freigelegten runden Löcher zeigen an, wo Pfosten gestanden haben.

Beide Hofstellen, die nicht unbedingt gleichzeitig existiert haben müssen, sind etwa 50 mal 30 Meter groß. Nach Einschätzung von Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie, wurden sie von einer einzelnen Familie bewohnt, der etwa sieben bis zehn Kinder und Erwachsene angehörten.

Das Besondere an dem Fund beschreibt Spiong so: „Es ist die bisher älteste Siedlung, die wir südlich der Hellwegzone gefunden haben.“ Sie erlaubt den Archäologen Rückschlüsse darauf, wie die Menschen in der hiesigen Region um die Zeit kurz vor Christi Geburt gelebt haben.

Sie hätten wohl vorwiegend von der Viehwirtschaft gelebt, erläutert Spiong, und hätten höchstens einen kleinen Gemüsegarten unterhalten. Denn Ackerbau in größerem Stil sei auf der Anhöhe über dem Aftetal nur sehr begrenzt möglich gewesen.

So dienten denn die gefundenen Speichergebäude wohl auch der Lagerung von Heu, um die Tiere im Winter versorgen zu können. Gebaut wurde damals noch nicht mit Stein, sondern mit Holz, das es in den nahen Wäldern reichlich gab.

Dass Menschen schon mindestens seit 1500 vor Christus mit ihren Viehherden durch das Aftetal zogen, wissen die Archäologen unter anderem durch Überreste von Grabhügeln. Höfe und feste Siedlungen dieser älteren Epoche sind in der Region bisher aber unbekannt.

Wie alt die Funde in Bad Wünnenberg genau sind, muss nun eine C14-Analyse von gefundenen Holzkohlepartikeln ergeben. Bis aufs Jahrhundert genau könne man damit das Alter datieren, ist Sven Spiong schon gespannt auf die Ergebnisse, die allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.

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