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Verdeckte Aktion der Polizei – fünf Tatverdächtige – Gelegenheitsjobs bei Berliner Firma

Bande von Sperrmüll-Betrügern in Paderborn festgenommen

Paderborn/Berlin/Bielefeld

Auch im Raum Paderborn ist eine mutmaßliche Sperrmüll-Bande aus Berlin aktiv. Mehrere Strafanzeigen liegen der hiesigen Kripo laut Polizei bereits vor. Vergangenen Woche schlugen Paderborner Polizisten zu und machten fünf Tatverdächtige in einer verdeckten Aktion dingfest.

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Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Vor betrügerischen Sperrmüll-Abholern, die ihre Dienste im Internet anbieten, wird bereits seit einigen Wochen von Polizei und örtlichen Entsorgungsunternehmen gewarnt. „Sie sind dreist und sie sind wucherhaft teuer“, sagte Paderborns Polizeisprecher Michael Biermann am Mittwoch in einer Mitteilung.

Anlass für die Polizeiaktion war die Strafanzeige eines Paderborners, der Ende Januar Opfer der Sperrmüll-Bande geworden war. Im Internet hatte der 24-Jährige nach dem städtischen Entsorgungsbetrieb gesucht und war auf eine Seite gestoßen, von der er glaubte, es handele sich tatsächlich um den Paderborner Abfallentsorgungsbetrieb. Die Polizei schildert den Vorfall wie folgt: Er rief unter der Paderborner Nummer an und machte einen Termin mit einer freundlichen Frau aus. Erst eine Stunde nach dem vereinbarten Abholtermin kamen vier Männer in entsprechender Arbeitskleidung mit einem Transportfahrzeug, das ebenfalls authentisch wie ein Müllwagen aussah. Einer der Männer schaute sich den Sperrmüll an und verlangte 700 Euro für die Abfuhr des „Sondermülls“. Das hielt der Auftraggeber für völlig überteuert und lehnte die Abholung ab. Der Müllmann verlangte eine Fahrtkosten-Erstattung und gab an, man würde das Ordnungsamt wegen des Sondermülls informieren, dann wäre eine Strafe von mehreren tausend Euro fällig. Völlig überrumpelt sagte der 24-Jährige dem „Müllmann“ jetzt zu und gab ihm 500 Euro als Anzahlung. Dann verschwand der Betrüger mit seinen Komplizen und ließ den Sperrmüll zurück. Auf Anrufe reagierte die Firma nicht mehr. Das Betrugsopfer erstattete Anzeige.

Wie sich bei den Ermittlungen herausstellte, handelte es sich bei dem beauftragten Entsorger nicht um den Paderborner Betrieb, sondern um eine Internet-Firma aus Berlin. Diese stehe seit längerem in der Kritik, sagte Biermann. Das Geschäftsmodell läuft über Internetseiten, die bis auf den Namen der Stadt identisch aufgebaut sind und in den gängigen Suchmaschinen parallel zu örtlichen Entsorgungsunternehmen angezeigt werden. Die Seiten sind so generiert, dass sie die jeweils gesuchte Stadt anzeigen und auch die Telefonnummern mit der Vorwahl der Stadt beginnen. Anrufer landen jedoch im Berliner Callcenter.

Kripo fingiert Sperrmüll-Auftrag

Die Paderborner Kripo entschloss sich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft einen Sperrmüll-Auftrag zu fingieren, um der mutmaßlichen Tatverdächtigen habhaft zu werden. Für Donnerstag vergangener Woche wurde der Termin an einer Adresse in der Kernstadt vereinbart. Etwa eine Stunde nach dem vereinbarten Termin tauchte das mit fünf Männern besetzte Entsorgungsfahrzeug an der Adresse auf. Ein Mann stieg aus und wollte sich vom wartenden „Auftraggeber“ den Sperrmüll zeigen lassen. Jetzt griffen verdeckt postierte Polizisten zu und nahm das gesamte Quintett vorläufig fest. Der Lkw und das von den Männern mitgeführte Bargeld wurden beschlagnahmt.

Die Tatverdächtigen hatten eine Liste von einem Dutzend Adressen im Kreis Paderborn und Bielefeld dabei, wo sie Sperrmüll abholen sollten oder bereits tätig waren. In Bad Lippspringe hatten sie einen Kunden abgefertigt, der unmittelbar danach eine Anzeige wegen Wuchers erstattete. 500 Euro hatte das Opfer für eine geringe Menge Sperrmüll bezahlt. Auch in anderen Städten außerhalb des Kreises Paderborn nahm die Polizei an dem Donnerstag Anzeigen von weiteren Geschädigten auf. Teilweise sollen die Täter die hohen Summen mit aggressiven Nachdruck verlangt haben, sodass in einem Fall eine Anzeige wegen des Verdachts der Erpressung aufgenommen wurde. Andere Kunden handelten die verlangten Kosten deutlich herunter, zahlten aber immer noch ein Vielfaches der Gebühren echter städtischer Abfallentsorger. Zu den Terminen erscheinen die Müllentsorger regelmäßig zu spät. Das soll den Druck auf die „Kunden“ erhöhen.

In ihren Vernehmungen machten nur ein Teil der vorläufig Festgenommen Angaben. Demnach waren sie über eine Internetanzeige an den Gelegenheitsjob bei der Berliner Firma gelangt, für sechs Euro die Stunde. Um 4 Uhr morgens war die Mülltour in Berlin gestartet. Der mutmaßliche „Teamleiter“ schwieg und lässt sich von einem Rechtsanwalt vertreten. Haftgründe lagen gegen alle fünf Männer nicht vor. Die Ermittlungen der Paderborner Kripo dauern weiter an.

Das rät die Polizei rät

"Achten Sie bei Bestellungen über das Internet genau darauf, ob es sich wirklich um die Seite der Entsorgungsbetriebe handelt. Folgen Sie sicherheitshalber auf der Webseite Ihrer Stadt oder Gemeinde dem Link zu den Entsorgungsbetrieben. Zahlungen sollten niemals in bar vereinbart werden. Bei städtischen Betrieben werden die Rechnungen regelmäßig unbar abgewickelt."

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