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Michael Patrick Kelly erzählt über seine Krise und  Gott als Stütze

Berührender Appell: Paderborn betet für den Weltfrieden

Paderborn

Bischof Bohdan Dzyurakh warnte für die Ukraine vor „zweifelhaften Kompromissen mit dem Aggressor“, die Friedensaktivistin Nabila Espanioly beklagte, im Heiligen Land sei man „immer noch weit vom Frieden entfernt“, und Popsänger Michael Patrick Kelly erzählte, wie er schon als Kind Streit in der Band  zu schlichten versuchte. Das  Friedensgebet  am Mittwoch  im Dom wurde zu einem berührenden Appell an Gewaltlosigkeit und Versöhnung.

Von Dietmar Kemper

Am internationalen Friedensgebet nahmen auch drei Studenten muslimischen, jüdischen und christlichen Glaubens (rechts) teil. Unterstützt von Dompropst Joachim Göbel und Monsignore Georg Austen standen Nabila Espanioly, Bohdan Dzyurakh und Michael Patrick Kelly (von links) im Mittelpunkt.  Foto: Julia Carola Pohle

Mehrere hundert Menschen verfolgten im und vor dem Dom die Gebete, Aussagen und teilweise sehr intimen Bekenntnisse unter dem Leitwort „#PeaceOnEarth“.

Und sie hörten den Klang der Friedensglocke von Michael Patrick Kelly, die für die Veranstaltung mit Vertretern aller Religionen aus der Gaukirche in den Dom gebracht worden war. Die „PeaceBell“ aus Kriegsschrott und einem G3-Gewehr als Klöppel stellt das symbolische Herzstück der Friedenskampagne des Sängers und Musikers dar. Beim internationalen Friedensgebet betonte er: „Frieden wollte ich immer: in meinem Inneren, in der Familie, und später kam die Sehnsucht hinzu, auch nach außen zum Frieden beizutragen. “ Er erzählte die Geschichte, wie sich hinter der Bühne zwei Brüder kurz vor einem Konzert der Kelly Family einen Boxkampf lieferten und er als Elfjähriger dazwischenging.

In New York verhaftet

Notfalls lässt sich Michael Patrick Kelly für seine Überzeugungen auch verhaften – so wie 2003, als er in New York zusammen mit der irischen Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan-Maguire vor den Vereinten Nationen gegen den Irak-Krieg protestierte. Innerer Friede sei die Voraussetzung für äußeren Frieden, betonte Kelly und schilderte seine intensive Beziehung zu Gott, den er seinen „unsichtbaren Regisseur“ nannte.

Beten eröffne und beende seinen Tag, erzählte der 44-Jährige. Er berichtete von einer Lebenskrise Anfang des Jahrtausends, in der er mit 20 „den Stecker ziehen“ wollte, wie er sich ausdrückte. Obwohl er in einem Schloss gelebt und Stadien gefüllt habe, sei er unglücklich gewesen. Eine eineinhalbjährige Psychotherapie und der mehrjährige Aufenthalt in einem Kloster in Frankreich („Im Kloster habe ich ein Reset bekommen“)  führten ihn aus dem Tal heraus.

 Kelly geht es um Erlösung

„Seinen inneren Menschen zu entdecken, ist wie Seelentauchen – man findet schöne, aber auch tote Korallen“,  beschrieb Kelly den Prozess der Selbstfindung.  Gott sei seine Quelle, aber diese Quelle nähmen die Menschen zu wenig in Anspruch. Kelly deutete an, dass  die unausweichliche Konsequenz des Sterbens ihn nicht schrecke: „Mein Thema ist sehr einfach: Erlösung. Die größte Lähmung in dieser Welt ist die Angst vor dem Tod. “ Die Gewissheit, dass es ein Leben bei Gott gebe, könne Menschen eine „Wahnsinnsfreiheit“ vermitteln.

Auf Erlösung vom russischen Joch hoffen die Menschen in der Ukraine. Das Land werde vor den Augen der Welt gekreuzigt, beklagte Bischof Bohdan Dzyurakh, Apostolischer Exarch für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien. Die ukrainischen Soldaten verteidigten nicht nur ihr Territorium, sondern auch „den Raum der Freiheit und der Würde, die als Fundament für die ganze europäische Zivilisation gelten“.

Die mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnete Aktivistin Nabila Espanioly aus Nazareth ist über die Situation in Israel und Palästina betrübt. Seit 50 Jahren setze sie sich für ein gewaltfreies Miteinander ein, aber das Ziel sei noch immer nicht erreicht. Immerhin habe sie es geschafft, sagte Espanioly im Dom, dass tausende Mädchen vor Heirat und Armut bewahrt werden konnten und Arbeit fanden. Frieden definierte sie als „Abschaffung von Unterdrückung, Armut, Besetzung, Zerstörung, Ausbeutung und Gewalt“.

Beim internationalen Friedensgebet wurde nicht nur gesprochen. Für eine beeindruckende musikalische Gestaltung sorgten die Schola der Paderborner Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning, der Domorganist Tobias  Aehlig und der Saxophonist Uli Lettermann. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, zeigte sich überzeugt davon, „dass von diesem Liborifest ein deutliches Zeichen für den Frieden und handelnde Solidarität ausgehen kann“. Trotz der Unterschiede hätten sich Muslime, Juden und Christen  gemeinsamen  für den Frieden engagiert. 

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