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Hausarztpraxen wollen Impfkampagne im Kreis Paderborn vorantreiben

„Bis Libori möglichst alle geimpft“

Paderborn

Seit gut fünf Wochen wird in den Hausarztpraxen im Kreis gegen Covid-19 geimpft. 30 bis 40 Dosen Impfstoff pro Praxis waren für die erste Woche nach Ostern angekündigt – bei mehr als 300.000 Einwohnern nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Eine kurzfristige Entscheidung von Landrat und Bürgermeister habe jedoch mehr Tempo gebracht, teilt das Praxisnetz Paderborn mit.

Symbolbild. Foto: Federico Gambarini/dpa

6000 zusätzliche Dosen aus einem Sonderkontingent des Landes sind im Kreis Paderborn nach Ostern in den Praxen verteilt worden. „Die Aktion hatte schon etwas von Nacht und Nebel“, erinnert sich Dr. Michael Scheer, Allgemeinmediziner in Schloß Neuhaus und Mitglied im Praxisnetz Paderborn. „Die Entscheidung fiel kurz vor den Ostertagen. Nach Ostern haben wir dann schnell den Impfstoff mit Kühl­taschen und Einkaufskörben bei der Feuerwehr abgeholt. Und das im Schneetreiben.“

Die Praxen hätten sich vor Anfragen in den ersten Tagen kaum retten können, so gefragt sei das Sonderkontingent Astrazeneca gewesen, das ausschließlich für Menschen über 60 bestimmt war. In kürzester Zeit war das Kontingent den Angaben zufolge verbraucht und mehr als 6000 über 60-jährige Paderbornerinnen und Paderborner waren mit der ersten Dosis geimpft, die meisten von ihnen seien vorerkrankt oder durch andere Faktoren besonders gefährdet gewesen.

Dr. Michael Scheer

„Die Stimmung bei uns in der Praxis hatte etwas von einer Mischung aus Weihnachten, Libori und Schützenfest“, erzählt Dr. Michael Scheer. „Einfach gute Laune. ‚Endlich können sie los­legen’, sagten die Patienten. Die Menschen waren glücklich, dass es endlich vorwärts ging. Licht am Ende des Tunnels wurde sichtbar.“ Die Erfahrung aus den letzten fünf Wochen zeigt: Bis zu 50 Menschen können durchschnittlich in einer Solo-Hausarztpraxis täglich geimpft werden, zusätzlich zum regulären Praxisbetrieb – in Gemeinschaftspraxen, je nach Praxisgröße, entsprechend mehr.

„Insofern können wir es jetzt wirklich schaffen, in wenigen Wochen die meisten Menschen in Paderborn zu impfen, wenn wir genügend Impfstoff bekommen“, sagt der Neuhäuser Arzt. „Mein persönliches Ziel ist es, allerspätestens bis Libori alle meine Patientinnen und Patienten geimpft zu haben.“

Organisation der Impfungen läuft in den Praxen unterschiedlich

Die Organisation der Impfungen läuft in den Praxen den Angaben zufolge unterschiedlich: Einige integrieren die Impfungen in den regulären Praxisbetrieb, manche haben ihre Extra-Dosen auch gebündelt am Wochenende oder an Mittwoch- und Freitagnachmittagen verimpft. Andere richten besondere Impftage ein. Für die Terminvergabe setzen inzwischen viele Praxen auf digitale Hilfsmittel: Online-Terminkalender und Videogespräche sind im Laufe der Pandemie immer beliebter geworden. Immer mehr Praxen bitten darum, nicht anzurufen. Informationen finden Patienten auf den Internetseiten der Praxen; auch E-Mail-Newsletter werden zunehmend angeboten, um Patienten über aktuelle Entwicklungen zu informieren.

Eines sei dem Praxisnetz ganz wichtig: „Unser herz­licher Dank gilt allen Mitarbeitenden in den Praxen, die seit mehr als einem Jahr in vorderster Linie stehen, anfangs sogar ohne Schutzausrüstung, die Überstunden machen, um abends noch PCR-Tests durchzuführen, die eigene Familie warten lassen, auf eigenen Urlaub verzichten, um Urlaubsrückkehrer zu untersuchen und jetzt auch noch mal zusätzliche Arbeit durch das Impfen haben, unzählige Telefonate und Gespräche führen“, sagt Scheer. „Auch wenn wenig darüber berichtet wird: Etwa neunzig Prozent der an Covid-19 erkrankten Menschen werden ja nicht auf der Intensivstation, sondern ambulant durch die Hausarztpraxen behandelt.“

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