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Rudolf-Steiner-Werkgemeinschaft gestaltet Festwoche

90 Jahre Schloss Hamborn mit Musik, Theater und vielen Gratulanten gefeiert

Borchen-Schloss Hamborn

Die Rudolf-Steiner-Werkgemeinschaft hat den 90. Geburtstag von Schloss Hamborn in Borchen mit einer vielfältigen Festwoche mit Theateraufführungen und Livemusik gefeiert. Hamborner Künstler zeigten dabei ihre musikalische Bandbreite.

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Gratulieren zum Jubiläum (von links): 1. Stellvertretender Landrat Hans-Bernd Janzen, Vorstandsmitglied Gerd Bögeholz, Dr. Erhard Hofmann (Kulturkreis Schloss Hamborn), Bürgermeister Uwe Gockel, den Vorstandsmitgliedern Hartmut Oster, Lothar Dietrich und Rüdiger Schulz sowie Kerstin Betz-Radde (Aufsichtsrat). Foto: Jan P. Havelberg

Ein Höhepunkt war der Festakt zum Jubiläum, den das Hamborner Kammerorchester im Theaterzelt musikalisch begleitete. Vorstandsmitglied Hartmut Oster übernahm die Moderation. Borchens Bürgermeister Uwe Gockel betonte die Verbundenheit der Gemeinde mit Schloss Hamborn. Er zeigte sich beeindruckt von der Aufbauarbeit, die sich in einer einmaligen Vielfalt und Gemeinschaft abbilde: „Das Erreichte konnte nur durch die Gemeinschaft vieler Menschen geschaffen werden.“ Diesen dankte Gockel auch dafür, dass Schloss Hamborn zu einem Aushängeschild für die Gemeinde geworden ist.

Das werde auch dadurch deutlich, dass alle Einrichtungen zusammengenommen seit Jahren der größte Arbeitgeber Borchens seien. „Die besondere Kraft dieser Gemeinschaft mit anthroposophischem Menschenbild wurde gerade in jüngster Zeit durch die sofortige Bereitschaft, rund 100 geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufzunehmen, erlebbar. Schloss Hamborn setzte damit ein deutliches Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls“, sagte Bürgermeister Gockel.

Als fester Bestandteil in die Gesamtgemeinde integriert

Nachdem Schloss Hamborn bis weit über die Gründerzeit hinaus überwiegend als geschlossene Einrichtung wahrgenommen wurde, sei die Werkgemeinschaft mittlerweile gesellschaftlich und kulturell durch die sehr gute Öffentlichkeitsarbeit als fester Bestandteil in die Gesamtgemeinde integriert und auch als touristisches Ziel mit hohem Erholungswert sichtbar geworden.

Der erste stellvertretende Landrat des Kreises Paderborn, Hans-Bernd Janzen, zitierte die Gründungsidee: die Verwirklichung pädagogischer, landwirtschaftlicher, medizinischer und sozialer Bereiche aus dem Impuls der Anthroposophie im Gemeinwesen. Hierauf gründe sich die erlebbare Gemeinschaft und große Vielfalt in Schloss Hamborn. Der einzelne Mensch werde hier gesehen und könne mit seinen Stärken und Schwächen teilhaben und persönliche Fähigkeiten weiter ausbauen. Ihn beeindrucke die Tatkraft, die sich zum Beispiel in der großen Hilfsaktion für Geflüchtete aus der Ukraine zeige.

Das musikalische Programm der Festwoche gestaltete unter anderem die Gruppe Vielsaitigmit. Foto: Jan P. Havelberg

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“. Mit diesem Zitat des griechischen Philosophen Heraklit begann Vorstand Gerd Bögeholz seine Festrede. Er hob die Wandlungsfähigkeit der Werkgemeinschaft in den zurückliegenden 90 Jahren heraus und ging auf das aktuelle Zeitgeschehen ein. Hier nannte er die Klima-Krise, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, die Corona-Pandemie sowie die Reduktion der Artenvielfalt als größte globale Herausforderungen. „Eine besondere Zeit – könnte man meinen. In der Rückschau betrachtet fällt jedoch auf, dass krisenhafte Situationen offenbar stetige Begleiter der Menschen und auch von Schloss Hamborn sind“, sagte Bögeholz. Um dennoch so lange bestehen zu können, bedürfe es mehrerer Dinge. Grundsätzlich gehe es immer um die Beziehung zwischen inneren Impulsen und äußeren gesellschaftlichen Anforderungen.

Nicolaus Stammers erfolgreiches Krisenmanagement

1941 sei Schloss Hamborn von der Gestapo geschlossen worden. Erst nach Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1945/46 war eine Neubelebung möglich. „Hierzu bedurfte es handelnder Personen wie der langjährigen Vorständin Lotte Giffenig, die Bedarfe der Gesellschaft von außen und hierzu passende Entwicklungsimpulse von innen zusammenführte“, erläuterte Bögeholz.

Ein weiteres Beispiel für das gelungene Krisenmanagement sei die Arbeit von Nicolaus Stammer gewesen, der in den 80er Jahren eine Überforderung handelnder Personen bei der Finanzierung verschiedener Großbauprojekte durch sein Zutun abwendete und in einen Erfolg verwandelte. Impulsen von außen wie der Überalterung der Gesellschaft konnte so zum Beispiel durch den Bau des Altenwerks begegnet werden.

„In der Geschichte von Schloss Hamborn gibt es auch in neuerer Zeit weitere zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie auf äußere Veränderungen, die aus der Gesellschaft erwachsen sind, im Inneren mit teils unkonventionellem Ideenreichtum, Mut und Tatkraft begegnet worden ist“, sagte Bögeholz. Schloss Hamborn leiste in vielen Bereichen Pionierarbeit. Innere Impulse und äußere Bedarfe müssten an Fragen des Klimawandels und des Gemeinwesens im gesamtgesellschaftlichen Sinne immer wieder überprüft und neu justiert werden.

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