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Borchener Fahrradwerkstatt ist Integrationseinrichtung für Bürger und Flüchtlinge

Begegnung beim Schrauben

Borchen (WB/bel). Integration von Flüchtlingen kann klappen, ist die einhellige Meinung in Borchen, und so konnte jetzt die Fahrradwerkstatt in Borchen an der Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet eröffnen. Es ist ein gefördertes Projekt, bei dem es nicht nur um sichere Fahrräder geht, sondern um einen weiteren Ort in der Gemeinde, wo sich Bürger und Flüchtlinge begegnen und kennenlernen können.

Freuen sich in der Container-Werkstatt im Borchener Gewerbegebiet über die neue Begegnungsmöglichkeit zwischen Bürgern und Flüchtlingen in direkter Nachbarschaft (von links): Malteser-Werkstattmitarbeiter Michael Bias, Bürgermeister Reiner Allerdissen, Malteser-Geschäftsführer Holger Freitag und Flübo-Werkstattmitarbeiter Jürgen Gerasch. Foto:

Die neue integrative Fahrradwerkstatt bietet allen Borchenern als Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde, Maltesern und der Borchener Flüchtlingshilfe die Möglichkeit, ihr Fahrrad unter Anleitung von ehrenamtlichen Helfern selbst zu reparieren. Die Betreuung und der laufende Betrieb der Werkstatt werden durch die Borchener Malteser mit der Flüchtlingshilfe Borchen organisiert.

Unternehmen mit 60 Mitarbeitern aus 60 Nationen

Bei der Eröffnung unterstrich angesichts der aktuellen Diskussion auf Bundesebene Bürgermeister Reiner Allerdissen, dass die Flüchtlingswelle und das Thema Asyl die Bundesrepublik verändert hätten. Im Thema stecke auch politischer Sprengstoff, ein funktionierendes Asylrecht bleibe aber fester Bestandteil eines funktionierenden Rechtsstaates. Vor Ort müsse die Integration von geflüchteten Menschen gelingen, dies gelte auch, wenn die Menschen nur für befristete Zeit hier lebten und später vielleicht auch in ihre Heimat zurückkehren sollten. Positiv stimmten jüngste Meldungen, wonach bundesweit inzwischen ein Viertel der Flüchtlinge eine Arbeit gefunden hätte, so der Bürgermeister. Ein Beispiel für die Integration sei in direkter Nachbarschaft der Fahrradwerkstatt im Gewerbegebiet zu finden, wo bei einem Unternehmen mit 60 Mitarbeitern diese aus insgesamt 15 Nationen stammten.

Das Projekt der Fahrradwerkstatt sei ein langer Prozess gewesen, der 2017 von der SPD per Antrag im Rat angestoßen worden sei. 30.000 Euro habe das Vorhaben gekostet, wovon 27.000 Euro aus Fördermitteln finanziert wurden.

258 Flüchtlinge leben aktuell in Borchen

Der Gemeinde sei es jüngst zudem gelungen, eine komplette gebrauchte Fahrradwerkstattausrüstung nebst Werkzeug günstig zu erwerben und so könne die Werkstatt jetzt neben dem jüngst gegründeten Treff in Kirchborchen als weiterer Begegnungsort zwischen Bürger und Flüchtlingen an den Start gehen. Für die Borchener Malteser, die auch das Flüchtlingsheim im Gewerbegebiet betreuen, unterstrich auch der ehrenamtliche Geschäftsführer, Holger Freitag, das dieses Projekt ein Beleg dafür sein könne, dass die Integration von Flüchtlingen klappe. Demnächst werde es hier auch unter dem Stichwort Holzbearbeitung die Möglichkeit der Begegnung und des miteinander Arbeitens geben.

Bereits vor einigen Wochen wurde im Ortskern von Kirchborchen an der Bachstraße 13 das neue Begegnungszentrum eröffnet, das ebenso wie die Fahrradwerkstatt Gelegenheit bieten soll, dass sich Flüchtlinge und Bürger kennenlernen können. Seit vier Jahren engagiert sich die Borchener Flüchtlingshilfe mit ihren 40 aktiven und etwa 200 Unterstützern, die Integration der Flüchtlinge vor Ort zu unterstützen. Neben der direkten Unterstützung beispielsweise bei Vermittlungen von Wohnungen oder Beschäftigungsmöglichkeiten werden vor allem Initiativen ergriffen, bei denen sich Bürger und Flüchtlinge begegnen können. Deshalb wurde auch der Ort für die Fahrradwerkstatt bewusst beim Flüchtlingsheim im Gewerbegebiet gewählt, das von den Maltesern betreut wird. Derzeit leben nach den Jüngsten Zahlen des Kreises Paderborn in Borchen 258 Flüchtlinge. Davon sind 152 bereits anerkannte Flüchtlinge und weitere 19 haben eine hohe Bleibeperspektive.

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