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Im HoT Borchen soll 2022 laut Evaluation des Kreises eine Stelle gestrichen werden

„Das wäre für uns eine Katastrophe“

Borchen (WB). Schon seit 1976 gibt es in Borchen eine Offene Kinder- und Jugendarbeit, das Haus der offenen Tür (HoT) der Stephanus-Kirchengemeinde. Etliche Generationen haben das Freizeit-, Begegnungs- und Bildungszentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 27 Jahren durchlaufen. Doch nun sind die pädagogischen Fachkräfte und Pfarrerin Sabine Sarpe in großer Sorge.

Matthias Wippermann

Leiter Till Bäcker, die Sozialpädagoginnen Martina Hayn und Julia Frielingsdorf sowie Pfarrerin Sabine Sarpe (von links) machen sich Sorgen um die Zukunft des HoT. Foto: Matthias Wippermann

Laut Beschluss des Jugendhilfeausschusses des Kreises Paderborn vom 11. September 2017 wird es zum Januar 2022 eine Umverteilung der Landes- und Kreismittel für die zehn Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kreis Paderborn geben. Diese Umverteilung würde für das HoT im Stephanus-Haus Borchen einen Wegfall von jährlichen Kreis- und Landeszuschüssen in Höhe von circa 35.000 Euro bedeuten – oder anders ausgedrückt: den Wegfall von einer Stelle.

Momentan vier pädagogischen Fachkräfte

Momentan besteht das Team des HoT Borchen aus vier pädagogischen Fachkräften, verteilt auf drei Fachkraftstellen. Nach einer Evaluation der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kreis Paderborn soll es ab 2022 nur noch zwei Fachkraftstellen für Borchen geben. Daher lud das HoT-Team um Leiter Till Bäcker gemeinsam mit Pfarrerin Sabine Sarpe die Borchener Politik zu einem Gesprächsabend ein.

„Für uns wäre es eine Katastrophe, wenn eine der drei Stellen wegfallen würde“, machte Pfarrerin Sabine Sarpe deutlich. Till Bäcker fragte in die Runde: „Wie können wir die fehlende Fachkraftpauschale von 35.000 Euro pro Jahr auffangen, um unsere gute Jugendarbeit fortzusetzen?“

„Haus voller Leben“

Eines wurde schnell deutlich, der gesamte Borchener Rat steht hinter der Arbeit des HoT Borchen. Parteiübergreifend war von allen Seiten zu hören, welch beeindruckende Arbeit das junge Team leisten würde. Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD) bezeichnete beispielsweise das HoT als „wichtigste Säule der Jugendarbeit in Borchen“ und Hansjörg Frewer (CDU) als „Haus voller Leben“. Mariana Menne-Koch (FWB) sagte: „Als Mutter profitiere ich persönlich von dem Angebot des HoT. So geht es vielen Müttern, die Karriere und Kinder unter einen Hut bringen müssen. Diese Einrichtung ist sehr wichtig, vor allem im Bereich der Prävention. Kinder, die zuhause keine Unterstützung und keine Gesprächspartner haben, finden dies hier.“

Nähe zu Paderborn ist Nachteil

Stein des Anstoßes waren für alle die Kriterien, mit denen die Evaluation durchgeführt wurde, deren Ziel es gewesen sein soll, die Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch das Jugendamt den Bedarfen anzupassen. Guido Reitmeyer (Bündnis 90/Die Grünen) meinte: „Unter anderem spielte da ja die Infrastruktur eine Rolle. Und da wird die Nähe zum Oberzentrum Paderborn zum Nachteil für Borchen. Man muss sich ohnehin die Frage stellen, ob die Kriterien passen.“ Viele Faktoren, die die Jugendarbeit ausmachten, könnten gar nicht in einer Evaluation erfasst werden, lautete die einhellige Meinung. Der parteilose Bürgermeisterkandidat Uwe Gockel machte darauf aufmerksam, dass in der Verwaltungsvorlage stünde, dass sich gegenüber der bisherigen Beschlusslage lediglich kleinere Änderungen ergäben. „Für Borchen sind es aber gravierende Änderungen“, sagte er.

„Es darf keine Verlierer geben“

Doch wie soll es weitergehen? Reiner Allerdissen stellte klar: „Die Gemeinde hat nicht das System und die Mittel zur Verfügung, um das aufzufangen. Es ist nicht so einfach, die Stelle auf die Gemeinde umzuswitchen. Daher sollten wir noch mal das Gespräch mit dem Kreis suchen.“ Gockel wusste, dass 2021 eine weitere Evaluation geplant sei, was Bäcker bestätigte. „Wir versuchen zu erreichen, dass wir als HoT-AG aller Einrichtungen auf den Kriterienkatalog schauen können“, sagte der Leiter des HoT Borchen. Hans-Jörg Nordmeyer (SPD) ergänzte: „Die Arbeit, die jetzt seitens der Borchener Politik gemacht werden muss, ist, Druck auf den Kreis zu machen. Es kann ja gerne das Niveau in einigen Kommunen gehoben werden, es darf aber nicht woanders gesenkt werden.“ Sapine Sarpe nahm den Aspekt auf und sagte: „Es gibt Gewinner, das sei ihnen ja auch gegönnt. Aber, egal wie ein Ergebnis ausfällt: Es darf keine Verlierer geben.“

Neben Borchen gehören auch Bad Lippspringe und Hövelhof zu den „Verlierern“. Dort sollen jeweils die drei Stellen auf 2,5 gekürzt werden. „Gewinner“ wären Bad Wünnenberg und Salzkotten (jeweils von zwei auf 2,5), Delbrück (von 2,5 auf 2,75) und Lichtenau (von 0,75 auf 1,5). Keine Veränderungen gäbe es in Altenbeken (1,5 Stellen) und Büren (3).

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