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Evangelische Stephanus-Gemeinde Borchen nimmt 19 Weihnachtsbeiträge für 70 Gemeindemitglieder auf

Eine CD gegen die Einsamkeit

Borchen

Nachdem die evangelische Kirche von Westfalen zum Verzicht der Weihnachtsgottesdienste geraten hatte, reagierte die Borchener Stephanusgemeinde: Sie nahm eine CD mit weihnachtlichen Texten, Liedern, Gebeten, Musik und Gesang auf, die sie an Gemeindemitglieder verteilen wollen, die alleine sind und keinen Zugang zum Internet haben.

Sonja Möller

Vikar Jan Zymelka zeigt die CD mit 19 weihnachtlichen Beiträgen, die die evangelische Stephanusgemeinde an Gemeindemitglieder verteilt, die Weihnachten alleine sind. Foto: Sonja Möller

Die evangelische Stephanusgemeinde Borchen hat bereits beim ersten Lockdown bewiesen, wie sie schnell auf die neue Situation reagieren kann: Vikar Jan Zymelka und Pfarrerin Sabine Sarpe hatten kurzerhand einen Podcast mit geistlichen Impulsen aus dem Boden gestampft.

Verantwortlich für die Aufnahmen zeichnet Jan Zymelka: „Die Idee war, eine Weihnachts-CD zu machen und verschiedene Leute zu fragen, ob sie etwas beitragen möchten“, erläutert er. Die Idee kam bei den Borchenern sehr gut an. Ganz verschiedene Leute aus der Gemeinde haben mitgemacht. Es wurde gesungen, Harfe, Querflöte und Orgel gespielt und die Frauenhilfe hat Geschichten vorgelesen. „Wir haben auch eine Weihnachtsgeschichte auf Persisch und das Vaterunser von unserer Kinderkirche“, erzählt Sabine Sarpe. Alle Aufnahmen sind coronakonform entstanden, betont sie. Hygienevorschriften und Abstandsregeln seien stets eingehalten worden.

Am Ende hatten der Vikar und die Pfarrerin so viele Beiträge zusammen, dass sie sogar auswählen mussten. 19 unterschiedliche Aufnahmen haben es auf die 70-minütige CD geschafft. Diese wird zum Heiligen Abend an etwa 70 Gemeindemitglieder verteilt. Anhören kann sich die weihnachtlichen Impulse dann vom 24. Dezember an jeder: „Wir laden natürlich auch alle Beiträge im Podcast hoch“, verspricht Jan Zymelka. Ein Blick auf die Internetseite der Stephanusgemeinde lohnt sich an den Feiertagen doppelt. Denn es wird auch einen Weihnachtsgottesdienst als Video geben. Sarpe: „Den zeichnen wir vorab auf, damit wir Musik und andere Bilder einblenden können.“

Ursprünglich hatte die Pfarrerin mit dem Presbyterium die Idee, mit dem Gottesdienst einfach zu den Menschen zu fahren, wenn sie schon nicht aufgrund steigender Infektionszahlen in die Kirche kommen können. „Wir wollten die Krippenszene auf einem Trecker-Anhänger aufbauen und damit verschiedene Plätze in allen Ortsteilen ansteuern und dort kurze Freiluftgottesdienste geben“, erzählt Sarpe.

Das Krippenbild haben Stefanie und Markus Becker (rechts) gebaut und mit Marie Lücking bemalt. Es ist vor der evangelischen Kirche aufgebaut. Das freut Pfarrerin Sabine Sarpe (links). Foto: Sonja Möller

Stefanie Becker und ihr Mann Markus setzten die Idee kreativ um. „Ich habe die Figuren freihand auf große Holzplatten gezeichnet und Markus hat sie ausgesägt“, erzählt Stefanie Becker. So entstanden Maria, Josef, das Christuskind, zwei Schafe und der Stall. Zum Anmalen bekamen die Beckers Verstärkung von der Konfi-Familie Lücking mit Max, Marie und Papa Stefan. „Wir haben eine Garage, in der man Durchzug machen und viel Abstand halten kann“, berichtet Stefanie Becker. Die Figuren wurden abgeschliffen und grundiert, bevor Stefan Lücking als Tischler Ständer baute.

Insgesamt vier Tage hat es gedauert, bevor die Beckers die Szene zur Kirche am Mühlenweg bringen konnten. Geplant waren ursprünglich Stationen am Rathaus in Kirchborchen, in Alfen, Wewer und am Mallinckrodthof in Nordborchen. Als klar war, dass keine Gottesdienste an den Feiertagen stattfinden sollten und „aus Verantwortung vor den Menschen“, wie Sabine Sarpe betont, plante die Kirchengemeinde um: „Spontan können wir“, sagt Sarpe lachend.

Kurzerhand wurde die wetterfeste Krippe statt auf dem Anhänger neben der Kirche aufgebaut und lässt sich jetzt hinter dem ehemaligen Brunnen coronakonform anschauen. Daneben steht der Weihnachtsbaum mit Lichterkette, der normalerweise in der Kirche steht.

„Auch Menschen, die gar nichts mit Kirche am Hut haben, bleiben stehen und schauen sich die Szene an“, hat Markus Becker beobachtet. Dazu gehören auch viele Kinder, wie Sabine Sarpe beobachtet hat: „Im Stephanushaus ist im Fenster eine weitere Krippe aufgebaut, die von außen zu sehen ist. Hier bleiben auch immer wieder Menschen stehen.“

„Viele hatten sich gewünscht, dass wir die Kirche offen lassen, aber das machen wir nicht. Dort würden dann mehrere Menschen aus verschiedenen Haushalten aufeinander treffen. Das soll ja gerade vermieden werden“, erläutert die Pfarrerin. Und wer sich fragt, wo eigentlich das Christuskind ist, der muss sich noch etwas gedulden: „Das legen wir erst an Heiligabend in die Krippe.“

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