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Borchener Naturschutzgruppe sucht alte Obstbaumwiesen als Standort für Steinkauz-Nistkästen – mit Videos

Kleine Eule lebt auf großem Fuß

Borchen

Der Steinkauz verfügt über ein großes Ruf-Repertoire. Obwohl er gerade mal 20 Zentimeter groß ist, stößt er deutliche Warn- und Balzlaute aus. Nur werden die immer weniger: In Deutschland steht der Eulenvogel laut Nabu mit einem Bestand von etwa 6.000 Paaren auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet.

Sonja Möller

Die Borchener Naturschutzgruppe mit Gerald Klocke, Gudrun Ponta und Silke Deiters (rechts) suchte alte Obstbäume als Standort für Steinkauz-Nistkästen. Foto: Sonja Möller

Das will die Borchener Naturschutzgruppe der GfN ( Gemeinschaft für Naturschutz Bürener Land ) ändern. „Wir suchen Standorte, an denen wir Nistkästen für Steinkäuze aufhängen können“, erzählt Steinkauz-Experte Gerald Klocke. Steinkäuze leben in alten Streuobstwiesen oder Kopfweiden. „Wichtig ist, dass es sich um beweidete Wiesen handelt. Der Steinkauz jagt auch zu Fuß. Er ist ursprünglich ein Steppenbewohner gewesen“, erläutert Gudrun Ponta. Die Feldmaus macht den größten Anteil seiner Nahrung aus.

Doch da liegt das Problem: Die alten Obstbaumwiesen mit verknöcherten Bäumen werden immer weniger, womit auch die natürlichen Nisthöhlen fehlen. „Auch alte Kopfweiden verschwinden zusehends, weil sie ohne regelmäßigen Rückschnitt auseinanderbrechen. Und damit verschwindet Stück für Stück der Lebensraum des Steinkauzes “, erläutert Silke Deiters.

In den vergangenen Jahren haben die Borchener Naturschützer etwa 60 Nistkästen speziell für Steinkäuze gebaut. Etwa 25 hängen bereits an verschiedenen Standorten. Und die einen Meter langen Kästen aus Nadelholz scheinen dem Vogel, der den klangvollen Namen „Athene Noctua“ trägt, zu gefallen. „Im vergangenen Jahr haben wir in Borchen sechs rufende Paare gezählt. Mit Etteln zusammen gab es fünf gesicherte Bruten“, berichtet Gerald Klocke und die Freude ist ihm anzumerken. Denn bis sich ein Steinkauz-Paar für einen Nistkasten entscheidet, dauere es normalerweise länger.

Ein Nistkasten wiegt etwa zehn Kilogramm und besteht aus Nadelholz. Er verfügt über einen doppelwandigen Eingang mit versetzten Löchern. „Dadurch sollen Marder abgehalten werden, die nicht um die Ecke kommen“, erläutert Gerald Klocke. In die Kästen legen die Naturschützer Holzspäne und -schnitze, da Steinkäuze kein Nistmaterial sammeln. „In natürlichen Höhlen ist ja immer irgendetwas drin“, sagt Gudrun Ponta.

Geschützt wird der Kasten durch einen aufklappbaren Deckel. Damit lässt sich einmal im Jahr kontrollieren, ob die Kästen besetzt waren. Gereinigt werden diese selten: „Steinkäuze verwenden alte Gewölle oder Federn in den Folgejahren als Nistmaterial“, weiß Silke Deiters.

Die Nistkästen werden mit Draht auf waagerechten Ästen befestigt. „Junge Käuze verlassen schon mal den Nistkasten und plumpsen auf den Boden. Dann klettern sie am Stamm wieder nach oben und können leichter in den Kasten gelangen, wenn dieser auf dem Ast liegt und nicht darunter hängt“, erläutert Klocke.

Deutschlands kleinste Eule lebt übrigens „auf großem Fuß“, wie Gerald Klocke lachend erzählt: Wenn sich ein Pärchen für einen Brutplatz entschieden hat, reicht ihm nicht eine einzelne Höhle. „Sie brauchen immer zwei bis drei Plätze“, erläutert der Steinkauz-Experte. In einer ziehen sie die Jungen auf, in der zweiten lagern sie beispielsweise Nahrungsvorräte und eine dritte dient als Rückzugsort.

Die Borchener Gruppe hofft jetzt, dass sich weitere Nistkasten-Standorte in und um Borchen auftun: „Es wäre toll, wenn sich Landwirte und Besitzer von Wiesen mit Baumbestand melden“, sagt Silke Deiters. Dies ist möglich per E-Mail an borchen@gfnev.de. Ansprechpartner sind Gerald Klocke, Silke Deiters und Gudrun Ponta. Die Borchener GfN-Gruppe sucht zudem neue Mitstreiter. Wer Interesse hat, findet hier Informationen .

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