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Drei Grundschulen im Kreis Paderborn ziehen Zwischenbilanz

Schulassistenz ist ein Erfolg

Dörenhagen (WB). »Das ist perfekt und so unauffällig«, sagte eine Mutter der Leiterin der Grundschule Haaren-Helmern, Reinhild Harst. Die Mutter schwärmte vom Modellprojekt »Schulassistenz« im Kreis Paderborn.

Dietmar Kemper

Felix benötigt in der Montessori-Grundschule Unterstützung. Die bekommt er von der Schulassistentin Andrea Kreye. Gestern Morgen nahm sich auch Landrat Manfred Müller ein paar Minuten Zeit für den neunjährigen Jungen. Foto: Besim Mazhiqi

Bei diesem Projekt kommen Kinder mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung aus ihrer ungeliebten Sonderrolle heraus. Anstatt dass sich ein Inte­grationshelfer um ein Kind kümmert, betreuen die Schulassistenten alle Jungen und Mädchen der Schule mit Förderbedarf. »Problemkinder« werden besser inte­griert, fallen also nicht mehr auf.

21 Schulassistentinnen und drei Schulassistenten arbeiten an drei Grundschulen eng mit den Lehrern in multiprofessionellen Teams zusammen. Die Lehrerzimmer heißen dort jetzt Teamzimmer.

Testphase begann im Sommer 2017

Im Sommer 2017 begann der Kreis eine erste Testphase an zwei Grundschulen, seit Anfang des Schuljahres 2018/2019 ist daraus ein dreijähriges Modellprojekt an drei Grundschulen geworden. Das sind neben der Katholischen Grundschule Haaren-Helmern die Montessori-Grundschule Dörenhagen und die Katholische Grundschule Westerloh. Im nächsten Schuljahr schließt sich die Kilian-Grundschule in Lichtenau an.

Die Beteiligten haben an dem Konzept der Schulassistenz Gefallen gefunden. »Es ist in jeder Hinsicht ein Erfolg«, sagte Heike Rebbert (Grundschule Westerloh) gestern im Bürgerhaus Dörenhagen. Das multiprofessionelle Klassenteam sei der »größte Gewinn«. Die Lehrerinnen und Lehrer könnten sich besser auf den Unterricht konzentrieren, in den Klassen sei es viel ruhiger geworden, Kinder mit Behinderungen würden stärker integriert als früher und sogar der Aufwand für Papierkram habe abgenommen.

Es gibt 1000 Dinge zu tun

Die Schulassistentinnen arbeiteten früher zum Beispiel als Erzieherinnen, Logopädinnen, Heilpädagoginnen oder in der Kinderpflege. Sie helfen in der Schule denen, die etwas nicht so schnell verstehen wie andere oder ganz simpel Unterstützung beim Anziehen benötigen. Sie managen die »1000 Dinge vor dem Unterricht, während des Unterrichts und nach dem Unterricht«, wie es Reinhild Harst ausdrückte.

Andrea Kreye ist Schulassistentin der Montessori-Grundschule. Sie fühlt sich und ihre Arbeit von den Lehrern wertgeschätzt. Das ermögliche es ihr, sich nicht nur mit einem Kind, sondern mit einer ganzen Schule zu identifizieren. Für die kreisweit 250 Integrationshelfer gab die Verwaltung nach Angaben von Kreisdirektor Ulrich Conradi bislang vier Millionen Euro im Jahr aus. Für die Schulassistenten sind im Haushalt 475.000 Euro eingeplant.

32 Schulen des gemeinsamen Lernens

Letztere hält Conradi langfristig für erfolgversprechend – für das Prinzip der Inklusion genauso wie für die Selbständigkeit der Schulen, die Qualität des Unterrichts und die Kosten. Hier rechnet Landrat Manfred Müller langfristig mit deutlichen Einsparungen. Er hält das Modell für einen »ganz besonderen Meilenstein für das gemeinsame Lernen«. Müller deutete an, dass es ausgeweitet werden könne. Im Kreis gibt es 32 Schulen des gemeinsamen Lernens.

Auch die Träger wie die Fachdienstleitung Familien unterstützender Dienst Königstraße (FuD) in Paderborn sind zufrieden. Claudia Hefer sagte: »Die Rückmeldung ist so, dass es gut läuft. Die Assistentinnen und Assistenten werden als Teammitglieder wahrgenommen und sind in das System Schule eingebunden.«

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