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Förderverein der Montessorischule in Dörenhagen kritisiert Ratsentscheidung

Selbstversorgerküche vor dem Aus

Borchen (WB). Seit 20 Jahren wird an der Montessorischule Am Sonnenberg Dörenhagen vor Ort gekocht. Die Lebensmittel werden im Dorfladen gekauft, teilt der Förderverein der Grundschule mit. Das wird sich demnächst ändern: Für den Erweiterungsbau plant die Verwaltung mit einer Ausgabeküche in der Variante Cook-and-Chill (Kochen und kühlen). Hierbei wird das Essen von einem Caterer vorgekocht und heruntergekühlt, damit es in der Schule nur noch aufgewärmt werden muss.

Sonja Möller

Ortsvorsteher Heinrich Rebbe und Fördervereinsvorsitzender Stephan Droste stehen vor dem ehemaligen Sportplatz der DJK Dörenhagen, auf dem der neue Schulerweiterungsbau der Grundschule Dörenhagen gebaut werden soll. Foto: Sonja Möller

Der Rat der Gemeinde Borchen hatte sich im Dezember 2019 mit den Stimmen von SPD und Grünen gegen eine Selbstversorger- und für eine Ausgabeküche entschieden. Die Ratsmitglieder folgten damit mehrheitlich der Empfehlung der Verwaltung, die die Mehrkosten einer Selbstversorgerküche allein für Bau und Ausstattung mit 610.000 Euro veranschlagte. Hinzu kämen geschätzte Unterhaltungskosten von bis zu 12.000 Euro pro Jahr, teilte die Verwaltung mit. Fazit: Eine Selbstversorgerküche erzeugt 16,5 Prozent mehr Kosten, der Betrieb ist mit 190 Essen pro Tag nicht wirtschaftliche und die Mehrkosten müssen auf die Eltern oder den kommunalen Haushalt umgelegt werden.

„Wir verstehen nicht, wie diese Mehrkosten zustande kommen“

Das sieht der Förderverein der Grundschule völlig anders: „Wir verstehen nicht, wie diese Mehrkosten zustande kommen“, sagt der Vorsitzende Stephan Droste. Gemeinsamt mit Küchenplanern und Firmen, von denen Angebote eingeholt wurden, sei der Verein zu ganz anderen Zahlen gekommen: Gerade mal 15 Quadratmeter mehr Fläche benötige eine Selbstversorgerküche im Vergleich zu einer Ausgabeküche. Die Mehrkosten lägen nach Angaben des Vereins bei 60.000 Euro.

Dörenhagens Ortsvorsteher Heinrich Rebbe betont, dass viele Dörenhagener die Selbstversorgerküche befürworten: „Seit 20 Jahren wird an der Grundschule frisch gekocht. Und es gab noch nie Probleme.“ Betrieben wird die Frischeküche der OGS vom Förderverein der Grundschule. „Es gibt zwei Köchinnen, die die Vorlieben der Kinder, aber zum Beispiel auch Allergien kennen. Die Lebensmittel werden im Dorfladen vor Ort gekauft“, erläutert Stephan Droste.

Entscheidung könnte Dörenhagener Dorfladen gefährden

Auch den von drei Geschäftsführerinnen ehrenamtlich geführten Dorfladen sieht Rebbe durch die Entscheidung des Rates gefährdet: „Die Grundschule wendet pro Monat etwa 1500 Euro für Lebensmittel auf. Dieser Umsatz würde dem Dorfladen fehlen. Hinzu kämen etwa 1000 Euro Einnahmen durch den Kindergarten, der ebenfalls im Dorfladen einkauft“, rechnet der Ortsvorsteher vor.

Der Dorfladen sei aber viel mehr als eine Einkaufsmöglichkeit: „Es ist ein wichtiger sozialer Treffpunkt des Ortes. Er ist Arbeitgeber und gibt Älteren die Möglichkeit, ihre Einkäufe zu erledigen“, erläutert Ortsvorsteher Heinrich Rebbe.

Der Förderverein der Grundschule informierte vor der Ratssitzung alle Beteiligten bei einer Infoveranstaltung. Hier wurden Vor- und Nachteile einer Ausgabeküche mit Warmanlieferung, einer Cook-and-Chill-Küche und einer Selbstversorgerküche vorgestellt. „Unterfüttert haben wir alle Varianten mit konkreten Plänen und Angeboten von Firmen“, sagt Droste im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Es gibt standardisierte Vorgaben, die wir einhalten müssen“

Der Dörenhagener kann nicht nachvollziehen, warum eine Selbstversorgerküche so viel mehr kosten solle: „Selbst zu kochen ist eher günstiger, weil das Essen nicht angeliefert werden muss. Seit wir die Küche betreiben, arbeiten wir kostendeckend“, erläutert Droste. Außerdem falle dadurch deutlich weniger Müll an, da bei einer externen Anlieferung durch einen Caterer alles in Plastiktüten verpackt werde, die anschließend im Müll landen.

Bürgermeister Reiner Allerdissen teilt auf Anfrage mit, wie die Differenz der Kosten zustande komme: „Bei der Berechnung des Fördervereins sind viele Dinge nicht enthalten. Zum Beispiel fehlen die Baukosten für die Küche. Außerdem gibt es standardisierte Vorgaben, die wir zwingend übernehmen müssen. Da gibt es keinen Spielraum.“

Die 600.000 Euro Mehrkosten seien keine gewürfelte Zahl, betont Allerdissen: „Wir betreiben kein Abwehrpreispolitik.“ Er selbst sei ein großer Anhänger des Dörenhagener Dorfladens: „Aber wir können doch nicht ein Einzelhandelsgeschäft zur Grundlage von politischen Entscheidungen machen. Damit würden wir ja einen Präzedenzfall schaffen.“

„Zwei Standorte werden aus der Warmküche von Schloß Hamborn beliefert“

Zudem merkte Allerdissen an, dass die Qualität des Essens sogar bei einer Warmanlieferung herausragend sei: „Zwei unserer Standorte werden aus der Warmküche von Schloß Hamborn beliefert. Die Qualität ist hervorragend und nach den Vorgaben des Demeter-Verbandes zertifiziert. Und die Eltern sind super-zufrieden.“

Der Förderverein hofft, dass die Planer zumindest eine Möglichkeit innerhalb der Ausgabeküche schaffen, in der mit den Kindern selbst gekocht werden kann.

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