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Einrichtung am Mallinckrodthof in Nordborchen passt Corona-Konzept für den Ernstfall neu an

Senioren bleiben zuversichtlich

Nordborchen (WB). Normalerweise ist das Seniorencentrum Mallinckrodthof ein offenes Haus, in dem Besucher ein- und ausgehen, fast täglich Angebote von Ehrenamtlichen stattfinden und ein reges Miteinander herrscht. Doch seit Corona ist nichts mehr normal. Seit dem ersten Lockdown im März, bei dem die Einrichtung der Caritas komplett für Besucher geschlossen wurde, werden die Schutzvorkehrungen immer wieder angepasst: Strikte Besuchszeiten, Mund-Nase-Schutz im Gebäude, Gesundheitsscreening mit Temperaturmessung und Fragebogen am Eingang und Schutzkittel für das Betreten des Wohnbereichs sind jetzt Alltag. Von kommender Woche an müssen wohl auch Bewohner außerhalb ihrer Zimmer eine Maske tragen und die Besuchszeiten werden weiter verkürzt.

Sonja Möller

Einen ganzen Stapel Postkarten hat Wiltraud Bierwagen mittlerweile schon von ihren Enkelinnen Anne und Nora bekommen. Weil die Studentinnen die 88-Jährige nicht mehr besuchen können, muntern sie ihre Oma mit wöchentlicher Post auf. Foto: Sonja Möller

„Die erste Welle haben wir gut überstanden. Wir hatten keinen positiven Fall im Haus, weder bei den Mitarbeitern noch bei den Bewohnern“, sagt Einrichtungsleiterin Nicole Drake-Wieners und ihr ist die Erleichterung anzumerken. „Jetzt ist die zweite Welle da. Es herrscht eine gewisse Ungewissheit, was jetzt kommt. Die steigenden Zahlen machen uns allen Sorgen“, erzählt die 37-Jährige. Sie sieht sich und ihr Team für den Ernstfall bestens vorbereitet, auch wenn alle hoffen, dass er nie eintritt. „Wir tauschen uns täglich untereinander aus und überlegen, was wir noch bedenken müssen“, erzählt Drake-Wieners.

Pflegedienstleiterin Sabrina Wilkens zeigt einen Schutzkittel, den Besucher im Wohnbereich tragen müssen. Foto: Sonja Möller

Tagtäglich werde überprüft, welche Änderungen der Schutzverordnungen des Landes die Einrichtung umsetzen müsse. Eine sehr zeitintensive Aufgabe, wie Drake-Wieners schildert. Auch die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts habe sie im Blick.

Allerdings gibt die Leiterin offen zu, dass die Einrichtung oft vor vollendete Tatsachen gestellt werde, wenn neue Regeln ad hoc umgesetzt werden müssten. Als beispielsweise die Temperaturmessung am Eingang mit Ausfüllen des Gesundheitsscreenings verpflichtend wurde, stand Nicole Drake-Wieners vor der Frage: „Wo bekomme ich jetzt auf die Schnelle ausreichend viele Stirnthermometer her?“ Bislang sei immer eine Lösung gefunden worden.

Sollten bei einem erneuten Lockdown wieder Kitas und Schulen schließen müssen, sieht Nicole Drake-Wieners noch ein ganz anderes Problem auf viele ihrer Mitarbeiterinnen zukommen: „Viele unserer Pflegekräfte sind Mütter. Sie sind besorgt. Pflege geht nunmal nicht im Homeoffice. Beides unter einen Hut zu bekommen, kann zur existenziellen Bedrohung werden.“

Und wie geht es den 60 Bewohnern der Einrichtung? „Sie tragen die ganze Situation größtenteils mit Geduld und Fassung. Sie sind sehr tapfer. Es gibt die ganze Bandbreite der Gesellschaft. Einige spielen die Pandemie herunter, andere machen sich viele Gedanken“, erzählt Sabrina Wilkens. Die Pflegedienstleiterin nimmt aber überwiegend ein Gefühl von Zuversicht wahr: „Die Bewohner sehen die Maßnahmen, die wir ergreifen, positiv und fühlen sich gut aufgehoben“, erzählt die 32-Jährige.

Was fehlt sind vor allem die Angebote der Ehrenamtlichen: „Normalerweise haben wir fast jeden Nachmittag eine Angebot. Die Ehrenamtlichen fehlen zum Austausch. Auch Besuche der Kitas oder eines Chores gibt es ja nicht mehr“, bedauert Drake-Wieners. Zwar suchten die Bewohner aktiv neue Kommunikationsmöglichkeiten wie Skype oder ein Gespräch durchs geöffnete Fenster. Aber auf längere Sicht fehle der persönliche Kontakt.

Seniorencentrums-Leiterin Nicole Drake-Wieners zeigt das Gesundheitsscreening mit Fragebogen im Eingangsbereich. Foto: Sonja Möller

Die Enkelinnen von Bewohnerin Wiltraud Bierwagen (88) haben sich etwas ganz besonders einfallen lassen, um mit ihrer Oma in Kontakt zu bleiben: „Meine Enkelinnen Nora und Anne studieren beide, die eine in Braunschweig, die andere in Magdeburg“, erzählt die Seniorin. Vor Corona hätten die beiden ihre Oma besucht, doch das gehe jetzt ja nicht, erzählt die 88-Jährige. Und deswegen kamen die Studentinnen auf eine Idee: „Nora und Anne schicken seit Beginn des Lockdowns jede Woche eine Postkarte“, erzählt Wiltraud Bierwagen und zeigt glücklich einen ganzen Stapel mit unterschiedlichen Motiven durch – vom Meerfoto über die Sprüchekarte bis zum Wimmelbild. Den schaut sie immer wieder gerne durch und liest die Karten.

78 Mitarbeiter gibt es im Seniorencentrum, die alle immer eine Maske tragen, wie Wilkens. Der Wunsch, dauerhaft in der Einrichtung einen Mund-Nasenschutz zu tragen, sei sogar von den Mitarbeitern selbst gekommen – noch Wochen vor der offiziellen Anordnung: „Alle sind sich ihrer Verantwortung bewusst und verhalten sich sehr umsichtig, um eine Ansteckung zu vermeiden“, berichtet Sabrina Wilkens.

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