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Borchener Bürger gehen gegen Baugenehmigung vor

Theater um einen Taubenschlag

Borchen (WB). Ein geplanter und bereits genehmigter Taubenschlag beschäftigt Borchener Bürger. Sie sind in Aufruhr, das wurde bei einer Bürgerversammlung deutlich, zu der mehr als 70 Anwohner kamen. „Die Sitzung ist sehr gut verlaufen. Wir hatten nicht erwartet, dass so viele kommen. Die Beunruhigung ist groß“, berichtet der Initiatorenkreis um Johannes Lippegaus, Bernd Kersting, Conrad Schäfers und Matthias Droll.

Matthias Wippermann

Auf dem Grundstück rechts neben dem Zaun soll der Taubenschlag gebaut werden. Im Hintergrund sind Kräne des neuen Wohnbaugebietes Unterm Hessenberg zu sehen. Ganz rechts steht der Hangar von Landwirt Johannes Lippegaus. Foto: Matthias Wippermann

Das Taubenhaus für angeblich bis zu 700 Tauben ist auf einer Weide am Dahlbergweg geplant, in unmittelbarer Nähe zum neuen Kindergarten und Baugebiet Unterm Hessenberg mit mehr als 50 Häusern. Besonderer Dorn im Auge ist den Bürgern eine Wettkampfveranstaltung für Tauben, die hier durchgeführt werden soll.

Die 2400 Quadratmeter große Wiese hat Landwirt Johannes Lippegaus seit Jahrzehnten gepachtet. Ihm ist mittlerweile aber durch die Tochter der Verpächterin zum 31. Oktober 2022 gekündigt worden. Am 2. Januar sind bereits Vorbereitungen für das Bauvorhaben des Taubenhauses gestartet. Unter anderem seien Bodeneinschlaghülsen eingesetzt worden. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Baugenehmigung vorlag, mussten die Arbeiten aber gestoppt und wieder rückgängig gemacht werden. Am 16. Januar sei dem Bauvorhaben die Genehmigung erteilt worden. Zwei Tage später hatte Landwirt Lippegaus die Kündigung auf dem Tisch. Zudem sei ihm ein Aufhebungsvertrag gegen eine Zahlung von 2000 Euro vorgelegt worden. Der beinhaltete, dass er bei Zahlung der Summe auf das Grundstück verzichte und es bis zum 1. Februar 2020 räume. Dieses Angebot habe er aber nicht angenommen.

„Wir haben jetzt unseren Anwalt beauftragt, Widerspruch gegen die Baugenehmigung zu erheben und Akteneinsicht zu erhalten. Außerdem soll die Kündigungsfrist überprüft werden, da sie unserer Meinung nicht von der Eigentümerin erteilt wurde, sondern von der Tochter. Von ihr liegt kein Eigentumsnachweis vor“, erklären die Initiatoren der Bürgerversammlung.

Wettflug mit 64.000 Euro Preisgeld

Das Taubenhaus solle unter anderem für das 1. German Classic „One Loft Race“ am Samstag, 5. September, gebaut werden, behauptet der Borchener Initiatorenkreis. Dieses Rennen wird von der German Classic GBR im Internet mit folgendem Text beworben: „Im Jahr 2020 starten wir in Paderborn ein neues exklusives ‚One Loft Race‘ auf internationalem Niveau. Unser sportliches Angebot zum Rennen wird Freunde und Insider dieser Tribünenflüge in vielen Details sowie unter anderem das Preisgeld-Angebot positiv überraschen! So werden wir zum Beispiel bei einem Bestand von 600 bezahlten Tauben ein Preisgeld von über 50 Prozent auszahlen! Eine Quote, die es wohl kaum in einem anderen Rennen gibt! Die 3 Top platzierten Tauben erringen: 1. Preis 20.000 Euro, 2. Preis 10.000 Euro, 3. Preis 6000 Euro.“

Die Initiatoren der Bürgerversammlung meinen dazu: „Das ist keine Hobbyveranstaltung mehr. Bei diesem Wettspektakel sind Gewinnpreise von mehr als 64.000 Euro ausgelobt. Außerdem will die German Classic GbR durch die Versteigerung der Siegertauben zusätzliche Gewinne einfahren. Dieses Geschäft ist keine landwirtschaftliche Tätigkeit, sondern ein gewerbliches Wett- und Versteigerungsgeschäft.“ Sie sind der Auffassung, dass die Anwohner auf jeden Fall von einer fühlbaren Verschlechterung der Wohnqualität und Beeinträchtigung des Naherholungswertes ausgehen müssten.

German Classic GBR äußert sich nicht

Einige Fragen gelte es aus Sicht der Initiatoren der Bürgerversammlung zu beantworten: Beispielsweise, wie sich die Verkehrssituation auf dem Dahlbergweg durch die Anlieferung und den Abtransport von Tauben ändere, oder wie die Parksituation geregelt werde. „Wo sollen die Taubenliebhaber denn bitteschön parken?“, fragen sie und befürchten ein wildes Parken entlang des „Wirtschaftsweges“. Außerdem wüssten sie gerne, welche Immissionen durch die Entsorgung des Taubenmistes, die Durchführung der Trainingsflüge und die Ausrichtung von Meisterschaften entstünden.

„Wie groß sind die Beeinträchtigungen durch 700 Tauben für die rund 100 Meter entfernte neue Kita und die Kinder, die dort betreut werden? Wie groß ist die Belastung und die Belästigung durch die sich niederlassenden Tauben in Gärten, Terrassen und auf den Dächern der Umgebungsbebauung?“, lauten weitere Fragen. „Es ergeben sich genug baurechtliche Ansätze, die man vorab hätte klären müssen, bevor eine Baugenehmigung erteilt wird. Sei es der Lärm- und Naturschutz oder die Park- und Verkehrssituation. Für uns stellt sich daher die Frage: War die Baugenehmigung überhaupt zulässig und genehmigungsfähig?“.

Die German Classic GBR war auf Anfrage nicht zu einer Stellungnahme bereit.

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