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Naturfreunde haben in Nordborchen Quartier für Fledermäuse gebaut

Überwintern im dunklen Felsenkeller

Borchen (WB/som). Die hölzerne Eingangstür zum Felsenkeller im Mallinckrodtpark sieht von außen idyllisch aus. Dahinter befindet sich ein 38 Meter langer, dunkler Tunnel mit Betonsteinen an den Wänden, hoher Luftfeuchtigkeit und Sand auf dem Boden – hier können ab sofort Fledermäuse überwintern.

Im Gewölbekeller des Mallinckrodt-Parks ist es eigentlich stockdunkel. Mit einer Handytaschenlampe leuchtet Gerald Klocke die eigens für die geschützten Tiere angebrachten hohlen Steine an, die ihnen als Winterquartier dienen. Foto: Oliver Schwabe

Die Idee zur neuen Nutzung des Felsenkellers hatte Nordborchens Ortsvorsteher Gerald Klocke schon länger. »Wir brauchten allerdings Daten darüber, ob hier Fledermäuse leben.

Deswegen haben wir im Oktober 2018 einen Bat-Detektor aufgehängt«, erzählt der 56-Jährige. Das Gerät wurde drei Tage in einer Esche vor dem Eingang platziert.

Mit Erfolg: Der Bat-Detektor registrierte in drei Nächten 660 Fledermaus-Rufe. Zwar lässt sich dadurch nicht erkennen, um wie viele einzelne Tiere es sich handelt. Dafür konnten anhand der Auswertung aber drei Arten nachgewiesen werden: Wasser-, Zwerg- und Rauhautfledermaus.

Wohlfühloase für Fledermäuse

»Wir gehen davon aus, dass es hier noch mehr Arten gibt. Im Oktober sind aber schon viele auf dem Weg in ihre Winterquartiere«, erläutert Gerald Klocke, der Mitglied in der Gemeinschaft für Naturschutz im Bürener Land ist (GfN). Fledermäuse ziehen teilweise bis nach Südeuropa, um zu überwintern. Die GfN hat das Fledermaus-Projekt finanziert.

Der unterirdische Gewölbekeller hat damit nun eine neue Bestimmung erhalten: Um 1810 wurde er zuerst als Apfellager gebaut und diente im Zweiten Weltkrieg 200 Menschen als Luftschutzkeller. Sogar ein Baby wurde hier geboren, heißt es auf einer Infotafel neben dem Eingang.

Jetzt ist der Felsenkeller eine Wohlfühloase für Fledermäuse: Dafür musste der Verein bauliche Veränderungen vornehmen. Hinter der Eingangstür sind zwei Wände eingezogen werden, die eine Art Lichtschleuse bilden, damit es im hinteren Teil stockdunkel ist. So bleibt auch das Klima in dem 38 Meter langen und 5,60 Meter breiten Tunnel gleich.

Eingebaute Berieselungsanlage

Eine eigens eingebaute Berieselungsanlage, die von drei 1000-Liter-Kanistern gespeist wird, sorgt im Winter für die nötige Luftfeuchtigkeit. »Fledermäuse brauchen mindestens 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, weil sie sonst eintrocknen«, erläutert Gerald Klocke.

Normalerweise tropft von der Decke des Gewölbekellers das Regenwasser herunter. Durch den trockenen Sommer sei der Boden dafür aber zu trocken – und ebenso der Keller. Abhilfe schafft die Berieselungsanlage.

An der Decke und an der hinteren Wand sind 35 Betonsteine mit rostfreien Edelstahlschrauben angebracht, die nach unten hin verschieden große Löcher haben. »Die Steine haben wir mit Schülern der Sekundarschule ausgehöhlt«, erzählt Gerald Klocke.

Hier können sich die Fledermäuse verstecken. Von oben wurden die Steine mit Schaumstein zugeklebt, damit es später im Innern nicht zieht. »Fledermäuse haben unterschiedliche Ansprüche und ziehen innerhalb eines Winters auch schon mal um, wenn die Bedingungen für sie nicht mehr optimal sind«, weiß Klocke.

Einflugloch

Das Einflugloch befindet sich übrigens oben in der hölzernen Eingangstür. Es ist 20 mal 40 Zentimeter groß und wird durch eine Querlatte geteilt. »Das haben wir gemacht, damit keine Eulen hineinfliegen«, sagt Klocke.

Wann die ersten Fledermäuse hier einziehen, kann der Naturfreund nicht sagen: »Jetzt heißt es abwarten. Es kann Jahre dauern, bis sie das Quartier annehmen. Bis die erste Generation das Einflugloch gefunden hat, kann es schon etwas dauern.«

Normalerweise suchen Fledermäuse von August bis Oktober ihr Winterquartier.

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