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Acker bei Kirchborchen ist jetzt ein archäologisches Schutzobjekt

Unsichtbares Denkmal

Borchen (WB). Im Boden liegen noch viele archäologische Schätze. Bislang hatte Borchen die Steinkistengräber als Zeugen seiner Ursprungsgeschichte in der Jungsteinzeit. Nun ist ein ungewöhnliches Bodendenkmal hinzugekommen: Ein simpler Acker bei Kirchborchen. Er wurde nun per Beschluss im Bauausschuss in die Bodendenkmalliste der Gemeinde eingetragen.

Bernhard Liedmann

Unsichtbar im Boden schlummert in Kirchborchen am Triftweg ein Bodendenkmal aus der Jungsteinzeit. Unter dem Acker auf dem Kalkmergelplateau ist das neolithische Erdwerk, das jetzt in die Denkmalliste der Gemeinde Borchen eingetragen wurde. Foto: Besim Mazhiqi

Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes »Unsichtbares Denkmal«. Gefunden wurden am Triftweg unter dem Acker bei einer Ausgrabung Reste eines so genannten »Erdwerkes« mit Werkzeugen aus Stein wie Klingen, Pfeilspitzen und auch Keramikfragmenten. Ebenso stieß man auf Knochenreste tierischer und menschlicher Herkunft.

Genauere Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass diese Reste aus der Zeit um 4000 vor Christi stammen. Auf Antrag des LWL erfolgte jetzt mit Zustimmung der Landwirte der Eintrag dieses neuen Bodendenkmals in die Denkmalliste der Gemeinde Borchen. Besucher werden vor Ort allerdings nichts entdecken können: Nach der Untersuchung wurden die Äcker wieder aufgefüllt und können auch weiterhin landwirtschaftlich bearbeitet werden.

Bereits 1994 fiel eine kleine Besonderheit auf

Archäologie ist ein langwieriges Geschäft: 1994 fiel bei einer Befliegung des Areals eine kleine Besonderheit auf: Es zeichneten sich zwei große Rundbögen ab, die allerdings nur in der Zeit der Vorvegetationsphase zu erkennen sind. Sie zeigen einen auffälligen Bewuchs, der nur aus der Luft und zu bestimmten Zeiten zu sehen ist.

Diese Grabenstruktur wurde dann 2002 bei einer Ausgrabung genauer unter die Lupe genommen. Zunächst wurde der Ackerboden abgetragen, darunter stieß man auf den Nachweis, dass diese Rundgräben bis zu 70 Zentimeter in den Fels eingearbeitet waren und einen kastenförmigen Querschnitt mit leicht abgeschrägten Wänden hatten. Geborgen konnten von den Forschern unter anderem ein fast vollständiges Gefäß, ein Tulpenbecher, der typisch für die »Michelsberger Kultur« ist.

Weitere Funde zeugen davon, so der LWL, dass die Utensilien dort gezielt abgelegt wurden und es sich nicht um einen Müllhaufen handelt. Dafür spreche zudem der gute Erhalt des Tulpenbechers, so die Wissenschaftler. Aus welchen Gründen hier offenbar Treffen stattfanden, bleibt offen.

Öffentliches Interesse an dem Erhalt dieses Bodendenkmals

Diese Michelsberger Kultur war eine jungsteinzeitliche Flächenkultur in Mitteleuropa. Nach dem Denkmalschutzgesetz besteht damit ein öffentliches Interesse an dem Erhalt dieses Bodendenkmals. Im Februar gab es deshalb ein Treffen der Archäologen mit den vier Eigentümern der Fläche, die gegen die Unterschutzstellung keine Bedenken erhoben. Die Ackerfläche kann weiterhin wie bisher bewirtschaftet werden. Eingeschränkt wären allenfalls zukünftige Bauvorhaben auf dem Areal. Sie wären zwar nicht verboten, der LWL müsste jedoch ein solches Bauvorhaben prüfen.

Den Schlusspunkt der Forschung setzte jetzt der Bauausschuss der Gemeinde mit dem Eintrag in die Denkmalliste. Die gefundenen Unikate schlummern in den Beständen des LWL, können allerdings in Münster nicht öffentlich besichtigt werden.

Aus der Jungsteinzeit hat Borchen bereits mehrere Bodendenkmäler: So beispielsweise das Ettelner Steinkistengrab mit senkrecht gestellten Kalksteinplatten, die ein Rechteck von 22,5 mal 2,5 Metern bilden, und die beiden Steinkistengräber auf dem Limberg mit ebensolchen Steinplatten in einer Rechteckformation.

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