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Landgericht Paderborn: Im Prozess um den Mord an einer Witwe aus Borchen rückt das Urteil näher

Verteidiger wollen weiteren Beweisantrag

Borchen/Paderborn

Der monatelange Prozess um den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen nähert sich seinem Ende. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Paderborn sieht die Beweisaufnahme nach dem zwölften Verhandlungstag aus ihrer Sicht für beendet an. Die beiden Verteidiger Mario Prigge und Christian Kemperdick kündigten aber einen weiteren Beweisantrag an.

Jan Haselhorst

Das Gericht in Paderborn. Foto: dpa

Sollte diesem stattgegeben werden, dann könnten sich die Plädoyers am 12. und die für den 17. Februar geplante Urteilsverkündung abermals verschieben.

Nach der Zeugenaussage einer Mitarbeiterin des Kreisveterinäramts Paderborn sehen die Verteidiger weiteren Handlungsbedarf, das Gericht hingegen nicht. Die Frau wurde auf vorherigen Antrag der Rechtsanwälte geladen und sollte der Kammer schildern, wie die Bestellung und Entnahme von Overalls abläuft. Laut der Angeklagten soll ihr damaliger Ehemann, ein Tierarzt, einen Overall getragen und die 76-Jährige mit einer Nachttischlampe erschlagen haben.

Vor Gericht wurde deutlich, dass die Nachverfolgung von entnommenen Overalls kein leichtes Unterfangen ist. Die Schutzanzüge werden in einem Materialkeller gelagert, zu dem zahlreiche Mitarbeiter Zugang haben – mit einem „Zauberschlüssel“, wie ihn die Mitarbeiterin nannte. „Eigentlich soll die entnommene Ware auf einer Liste vermerkt werden. Doch das macht nicht jeder und wird von uns auch nicht streng kontrolliert“, sagte die Mitarbeiterin und verwies darauf, dass die Overalls Massenware sind, die jeder Tierarzt in diversen Ausführungen mit sich trägt. „Wir können nicht lückenlos nachweisen, wer wie viele Overalls besitzt“, sagte die 30-jährige Angestellte. Sie ist für die Bestellung der Anzüge verantwortlich und prüft regelmäßig die Bestände. Dabei gehe es aber nicht vorrangig darum, wer die Overalls entnommen habe, sondern um die verbleibende Anzahl der Schutzanzüge. „Für die Tierärzte sind das Alltagsgegenstände“, hieß es vor Gericht. 100 Exemplare kosten rund 135 Euro.

Die Zeugin geht auf Nachfrage seitens der Verteidigung davon aus, dass der anfangs verdächtigte Ex-Mann auch einen solchen „Zauberschlüssel“ für die Materialkammer besitzt. Für das Gericht ist das keine Überraschung, ist der einstige Lebenspartner der Angeklagten doch als Tierarzt beim Kreis angestellt. Eine Bestellung der Overalls könne außerdem auch von Privatpersonen aufgegeben werden, ohne über das Kreisveterinäramt zu laufen. Nach Ansicht der Schwurgerichtskammer gebe es keinen Anlass, die Beweisaufnahme weiter fortzuführen. Zwei Anträge der Verteidigung von Anfang Januar lehnte das Gericht aufgrund fehlender Relevanz oder Rechtsgrundlage ab.

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