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Seelsorge ist in Corona-Zeiten angesichts der Einschränkungen noch herausfordernder als ohnehin schon

„Wir lassen keinen allein“

Paderborn-Schloß ...

Seelsorgerinnen und Seelsorger sind ansprechbar, präsent und begleiten Menschen auch beim Sterben und Trauern, sie erleben die existenziellen Sorgen von Sterbenden und Trauernden hautnah. Was aber schon in „normalen Zeiten“ herausfordert, belastet noch deutlicher angesichts der Einschränkungen der Corona-Pandemie, die oftmals Sterben und Trauern mit Distanz, Abstand, Einsamkeit bedeuten.

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Die kirchlichen Rituale sowie die religiösen Texte und Gebete geben Hinterbliebenen Halt und erleichtern zumindest etwas das Abschiednehmen, sagt Pfarrer Peter Scheiwe aus Schloß Neuhaus. Foto: Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

Pfarrer Peter Scheiwe aus Schloß Neuhaus und die weiteren Seelsorgerinnen und Seelsorger der Pfarrei Heiliger Martin haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Verstorbene beerdigt, mehr als in Nicht-Corona-Tagen: „Auf Abstand und im kleinen Kreis von Angehörigen“, wie der Seelsorger im Hinblick auf die jeweils geltende Corona-Schutzverordnung seinen Dienst beschreibt. Die kirchlichen Rituale sowie die religiösen Texte und Gebete geben Hinterbliebenen Halt und erleichtern zumindest etwas das Abschiednehmen, stellt der Priester fest. Seine Besuche bei Kranken zu Hause und auch in den Altenheimen sind dem Gemeindepfarrer ein Herzensanliegen, auch wenn er dafür „volle Schutzkleidung“ anziehen und vorher einen Corona-Schnelltest machen muss. „Notfalls spende ich das Sakrament der Krankensalbung mit Handschuhen und Maske und in Schutzkleidung. Wir lassen keinen allein“, bekräftigt der Seelsorger.

Ist in alltäglichen Situationen die Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen für viele schon eine Zeit der Verzweiflung und der Einsamkeit, so bringt die aktuelle Corona-Zeit eine besondere Herausforderung für Trauernde. Können sonst Gespräche und Begegnungen helfen, mit der Belastung umzugehen und den Verlust nach und nach anzunehmen, so machen die geltenden Kontaktbeschränkungen dies sehr schwer. „Haben wir sonst eine monatliche Begegnung für Trauernde angeboten, so stehen jetzt Trauerbegleiterinnen der Pfarrei Heiliger Martin in Schloß Neuhaus für Gespräche am Telefon zur Verfügung“, sagt Trauerbegleiterin Gabriele Merschmann „Alle können anrufen und mit uns sprechen! Glaube, Religion, Konfession sind nicht bedeutsam. In der Trauer braucht jeder Mensch einen anderen Menschen, der zuhört und mitgeht.“

Wichtig ist Trauerbegleiterin Gabriele Merschmann das biblische Bild von Jesus. Foto: Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

Pastor Andreas Kreutzmann aus Borchen ist bei Aus- und Fortbildungskursen im Gespräch mit ehrenamtlichen Frauen und Männern, die der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker zum Beerdigungsdienst in ihren Gemeinden beauftragt. Aufgrund der Pandemie hat Pastor Kreutzmann zuletzt Kurseinheiten digital durchgeführt: Die fünfzehn Teilnehmer übten und reflektierten Kondolenzgespräche und Beerdigungsansprachen. Dabei wurde deutlich, dass auch die Vorbereitung der Beerdigung mit den Hinterbliebenen digital möglich wäre. „Unsere Erfahrungen sind positiv“, urteilt Seelsorger Kreutzmann. „Bei einem Telefonat gibt es in der Regel nur einen Gesprächspartner, bei einem digitalen Video-Treffen können die Angehörigen zusammen sein und wir sehen uns. Bei einem Video-Gespräch können die Menschen von uns besser in den Blick genommen werden, man kann Reaktionen aufnehmen und die Trauer kann geteilt werden.“

Pastor Andreas Kreuzmann regt an, in der Kirche für Verstorbene eine Kerze und einen Gebetstext aufzustellen. Foto: Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

Durch die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie entfallen Sitzungs- und Fahrzeiten. So entstehen für Pastor An­dreas Kreutzmann an anderer Stelle Freiräume. Der Priester nutzt diese „geschenkte Zeit“, um sich bei Hinterbliebenen nach einer gewissen Zeit zu melden und einfach da zu sein, „weil ich mich für die Trauernden interessiere“. Seelsorger Kreutzmann hat sich zudem vorgenommen, auch nach Taufen, Erstkommunionfeiern oder Trauungen die Menschen einfach nochmals anzurufen. Dadurch möchte er als Kirche Präsenz und Ansprechbarkeit zeigen und einer „schleichenden Entfremdung und Trennung“ von der Kirchengemeinschaft entgegenwirken.

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