1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Borchen
  6. >
  7. „Wir machen Brot noch von Hand“

  8. >

Ettelnerin Isa Zacharias findet im Handwerk ihren Traumberuf und ist mit 21 Jahren schon Bäckermeisterin

„Wir machen Brot noch von Hand“

Borchen/Lichtenau

Wenn Willi und Isa Zacharias frühmorgens in ihrer Backstube in Henglarn stehen, dann sitzt jeder Handgriff. Während die 21-Jährige den Teig aus der Teigmaschine holt und 1200 Gramm für ein Brot abwiegt, wirkt ihr Vater die Teigstücke lang, so dass sie die spätere Form haben und walzt sie in Körnern. So vorbereitet werden die Vier-Korn-Brote in Gärförmchen gelegt und in den Gärschrank geschoben.

Sonja Möller

In der Backstube in Henglarn arbeiten Tochter Isa und Vater Willi Zacharias Hand in Hand. Hier bereiten sie gerade Vierkorn-Brote vor. Foto: Sonja Möller

„Wir machen Brot noch von Hand. Das ist keine Fertigmischung, keine maschinelle Verarbeitung, sondern jeder Schritt wird von uns ausgeführt. Den Sauerteig für unsere Brote stellen wir zum Beispiel selbst her“, erzählt Isa Zacharias.

Und genau dieses handwerkliche Arbeiten gefällt der 21-Jährigen so gut. „Während meiner Schulzeit habe ich mal Praktika im Büro gemacht, aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist.“ Deswegen hat sie sich für den Weg ins Handwerk entschieden und sogar schon ihren Meister gemacht.

Isa Zacharias ist in einer Bäckerfamilie aufgewachsen. Ihre Mutter Helga ist Bäckermeisterin ebenso wie ihr Vater Willi, der den Betrieb von seinem Schwiegervater Helmut Lücking übernommen hat. Helmut Lücking war ebenfalls Bäcker- und Konditormeister. „Während der Schulzeit habe ich samstags immer in der Backstube ausgeholfen und mir so etwas Geld dazuverdient“, erzählt die 21-Jährige. „Und dann habe ich mir irgendwann die Frage gestellt: Wieso gehst Du nicht ins Handwerk?“

Isa Zacharias holt den Teig aus der Knetmaschine. Foto: Sonja Möller

Als sie ihren Eltern von ihrem Ausbildungswunsch erzählte, „waren wir erstmal total geschockt und haben gesagt, sie soll noch mal eine Nacht drüber schlafen“, erzählt Willi Zacharias lachend. Doch Tochter Isa blieb dabei und absolvierte nach ihrem Fachabitur am Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Paderborn eine auf zweieinhalb Jahre verkürzte Ausbildung zur Bäckerin in der elterlichen Backstube in Henglarn.

Sie lernte alle Handgriffe und alles Fachwissen, das sie als Bäckerin braucht. Doch das reichte ihr nicht. Nach einem halben Gesellenjahr stellte Isa Zacharias die Weichen für die Zukunft: Sie begann die Bäckermeisterausbildung in Olpe, die sie mittlerweile erfolgreich beendet hat – mit gerade mal 21 Jahren.

Die Meisterprüfung in Olpe ist in vier Teile gegliedert. Neben dem Bäckerteil, der Praxis und dem Kaufmännischen gehört auch der Ausbilderschein dazu. „Ab 21 Jahren darf man damit auch ausbilden“, berichtet die Ettelnerin.

Und für sie geht es noch weiter. Derzeit lässt sich Isa Zacharias zur Konditormeisterin ausbilden. Feine Pralinen, filigrane Figuren aus Zucker für Torten und Ornamente stehen jetzt auf dem Lehrplan. In dreieinhalb Monaten will sie alles lernen, was sie als Konditormeisterin braucht.

In Körnern gewalzt ist das Brot jetzt fertig für den Gärschrank. Foto: Sonja Möller

Danach zieht es die Ettelnerin nicht in die große weite Welt: „Das Stadtleben ist nicht meins. Ich mag das Dorf. Irgendwann werde ich die Bäckerei übernehmen“, sagt sie selbstbewusst und bekommt einen stolzen Blick von ihrem Vater: „Wenn sie den Betrieb will, kann sie ihn haben“, freut der sich über die Nachfolgerin.

Denn der 50-Jährige liebt sein Handwerk. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen im Dorf das wertschätzen und uns unterstützen. Dadurch haben wir eine Zukunft. Es gibt nicht viele Dörfer mit eigenen Bäckereien.“ Das Dorfleben weiß auch Isa Zacharias zu schätzen: „Der Bäckerladen im Dorf ist der Dreh- und Angelpunkt eines Ortes..“

Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel um vier Uhr am Morgen. Nur samstags fängt sie um 0 Uhr an. Das frühe Aufstehen ist kein Problem für die junge Frau: „Ich gehe lieber arbeiten als feiern. Bäckerin zu sein, ist mein Traumberuf“, sagt sie lachend.

Und was sagt der Papa dazu? „Es ist ein schönes Gefühl, jetzt Hilfe zu haben. Isa hat neue Sachen von der Meisterschule mitgebracht und versucht, einiges zu optimieren“, freut sich Willi Zacharias. So hat sie zum Beispiel das Poolish eingeführt, mit dem das Weißbrot saftiger wird.

Startseite
ANZEIGE