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Wasserverband Obere Lippe feiert Jubiläum – Aufgaben haben sich gewandelt – Sitz in Büren

50 Jahre für Menschen und Natur

Büren

Der Wasserverband Obere Lippe (kurz WOL) mit Sitz in Büren feiert sein 50-jähriges Bestehen. Seine Aufgaben sind heute noch so aktuell wie zur Zeit seiner Gründung.

wn

Am Hochwasserrückhaltebecken Sudheim stellt der Wasserverband die erste von 14 Info-Tafel auf: (von links) Christian Hesse (kaufmännischer stellvertretener Geschäftsführer), Landrat Christoph Rüther, Geschäftsführer Volker Karthaus und Martin Lehmann (Betriebsleiter und technischer stellvertretender Geschäftsführer).

Manchmal erreichen den Verband Anfragen von Bürgern, was der „alte, ungenutzte“ Damm am Fluss soll. „Das zeigt doch, dass wir unsere Aufgabe gut machen“, lacht Geschäftsführer Volker Karthaus. Denn die 14 Hochwasserrückhaltebecken sind keineswegs ungenutzt, sondern schützen vor Hochwasser durch die ständige Betriebsbereitschaft.

Früher waren zahlreiche Ortslagen durch Hochwässer bedroht, die hohe Sach- und manchmal auch Personenschäden verursachten. Heute wird der Hochwasserabfluss durch Rückhaltebecken so deutlich gedämpft, dass die Bevölkerung die Bedrohung durch ein solches Naturereignis fast vergessen hat.

Trauiger Anlass

Der Wasserverband, der jetzt seinen runden Geburtstag feiern kann, entstand aus einem traurigen Anlass: Am 16. und 17. Juli 1965 fielen im oberen Lippegebiet, wie in ganz Ostwestfalen, Nordhessen und Südniedersachsen, bis dahin nicht gemessene Niederschlagsmengen und verursachten ein Katastrophenhochwasser, wie es nur alle 500 Jahre vorkommt. Es schüttete wie aus Kübeln, selbst aus kleinen Bächen wurden reißende Ströme, Ortschaften versanken in den trüben Fluten. Allein am 17. Juli 1965 gingen 130 Milliliter Niederschlag im Bereich Paderborn nieder.

Neben den verheerenden Schäden an privaten und öffentlichen Anlagen, die 1965 zu 71 Millionen Deutsche Mark festgestellt wurden, waren elf Tote zu beklagen. Nach der sogenannten Heinrichsflut wurde 1971 auf Initiative der Bezirksregierung Detmold der Wasserverband Obere Lippe gegründet, dem heute die Kreise Paderborn und Soest angehören.

Über Grenzen hinweg

„Der Grundgedanke des Wasserverbandes war damals etwas ganz Neues. Die Gründer orientierten sich nicht an Kreis- und Gemeindegrenzen, sondern an den Läufen der Flüsse“, erklärt Landrat Christoph Rüther. „Wollen wir Mensch und Eigentum wirksam schützen, können wir das nur gemeinsam erreichen. Dies galt damals genauso wie heute“, betont Rüther.

Rückhaltebecken

Die erste Aufgabe, die der WOL anging, war der Bau von 14 Hochwasserrückhaltebecken (HRB). Im Jubiläumsjahr 2021 werden an allen verbandseigenen Becken Info-Tafel zur Funktionsweisen aufgestellt. Alle Becken sind mit technischen Pegelmessern ausgestattet, die im Falle eines Hochwassers Daten an die Zentrale des WOL in Büren liefern.

Hier laufen nicht nur die Daten der 14 verbandseigenen Hochwasserrückhaltebecken ein, sondern von insgesamt 27 Becken und weiteren 46 Messstationen zusammen.

Diese haben ein Rückhaltevolumen von etwa 20 Millionen Kubikmetern und werden im Verbund gesteuert. Dadurch haben die Becken eine überregionale Wirkung, die sich bis auf die Wasserstände an der Lippe in Lippstadt positiv auswirkt. „Im Falle eines Hochwassers leisten die 14 Mitarbeiter hochkonzentrierte Arbeit. Jede Anpassung des Wasserpegels in dem einen Becken hat später am unteren Lauf des Flusses Auswirkungen. Sie müssen den Zeitverzug und die örtlich unterschiedlichen Regenfälle in die Berechnung einbeziehen“, erklärt Betriebsleiter Martin Lehmann. Jeder Mitarbeiter sei sich dann bewusst, dass von seinen Entscheidungen Menschenleben abhängen können, ergänzt Karthaus.

Renaturierung

Nach und nach wandelten sich die Aufgaben des WOL. „Seit Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie vor mehr als 20 Jahren betreiben wir nicht nur Hochwasserschutz, sondern auch Renaturierungsprojekte“, erläutert Volker Karthaus.

So werden die Bach- und Flussauen wieder häufiger überschwemmt und Wasser in der Fläche zurückgehalten. Hier sind die Überschwemmungen gewünscht, denn so bleibt das Wasser in der Landschaft und bietet Tieren und Pflanzen neue Lebensräume.

„Bei den Projekten legen wir zum Beispiel auch durch Rohre kanalisierte Quellen und Drainagen wieder offen und vernässen dadurch unsere Flächen. So können wir das Austrocknen der Gebiete durch ausbleibende Regenfälle deutlich verlangsamen“, erläutert Karthaus.

Gewässer-Unterhaltung

Als dritte Aufgabe ist der WOL für die Unterhaltung von 60 Bächen und Flüssen mit einer Gesamtlänge von rund 500 Kilometer zuständig. Das umfasst die Kontrolle und Unterhaltungsarbeiten der Gewässer. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gewährleistung des Hochwasserabflusses in den Orten. Darüber hinaus muss auch die naturnahe Entwicklung gefördert werden

„Die Natur lässt sich nichts vorschreiben. Hochwasser werden, wie zuletzt im Mai 2019, auch bei uns auftreten. Wir sind heute jedoch deutlich besser darauf vorbereitet als vor 50 Jahren. Alle Aufgaben des WOL dienen dem Schutz der Menschen und unserer Natur“, betont der Landrat.

Exkursionen und Feier

Zur Feier des Jubiläums hatte der WOL ein umfangreiches Programm mit Exkursionen für alle interessierten Bürger geplant. „Sobald die Corona-Lage es zulässt, werden das nachholen“, verspricht Karthaus. Für September ist eine Jubiläumsfeier mit geladenen Gästen geplant.

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