Ahnenforschung: Steinhäuser Friedhelm Vollmer macht letzte Ruhestätte seines Onkels ausfindig

Auf den Spuren eines Vergessenen

Büren-Steinhausen

In dieser Woche, am 18. November, hätte Onkel Anton seinen 100. Geburtstag gefeiert. Doch in seiner Familie wussten bis vor wenigen Tagen einige Angehörige gar nicht, dass es Onkel Anton überhaupt gab.

Marion Neesen

Über Onkel Anton sei in der Familie nie gesprochen worden. Friedhelm Vollmer hat ihn wieder in Erinnerung gerufen. Foto: Oliver Schwabe

Das hat der Steinhäuser Friedhelm Vollmer jetzt geändert und ermutigt alle, die noch immer nicht wissen, wo ihre im Krieg gefallenen Angehörigen begraben sind, nachzuforschen.

Am Volkstrauertag wird deutschlandweit der Opfer des Zweiten Weltkrieges sowie von Terror und Gewalt gedacht. In diesem Jahr fielen größere und öffentliche Gedenkfeiern dazu aus. Friedhelm Vollmer hat mit seinen Nachforschungen die Erinnerung an seinen Onkel neu geweckt.

„Über Onkel Anton wurde in unserer Familie nie gesprochen, vielleicht unbewusst, oder auch bewusst, das weiß ich nicht. Aber deshalb lag es mir besonders am Herzen, mehr über ihn herauszufinden“, erzählt Vollmer wie es dazu kam, dass er sich auf die Spuren Anton Spenners gemacht hat, der 1941 in Russland gefallen ist.

Anton Spenner war der Bruder seiner Mutter Maria und ältester Sohn unter insgesamt sechs Geschwistern. Die Familie lebte in Weine. Friedhelm Vollmer hatte zufällig einen Bericht über die Arbeit des DRK gesehen, das auch heute noch, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, den Verbleib vermisster Soldaten ausfindig macht. Zunächst hatte sich Vollmer daraufhin mit dem DRK in Verbindung gesetzt, das ihn aber an das Bundesarchiv in Berlin verwies, weil man dort für die Suche nach Wehrmachtsangehörigen zuständig sei. Auch beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte der Steinhäuser nachgefragt. Aus Berlin kam schließlich die Nachricht, dass die letzte Ruhestätte seines Onkels lokalisiert werden konnte.

Anfang des Jahres 1941 schrieb Anton Spenner aus Osnabrück an seine Schwester. Foto: Oliver Schwabe

„Letzten Kontakt zu seiner Familie hatte mein damals 20-jähriger Onkel vermutlich Ende 1940. Es gibt noch einen Originalbrief aus dem Januar 1941, den er aus Osnabrück an meine Mutter geschickt hatte“, erzählt Vollmer. „Meine Mutter hatte als Zweitälteste eine besonders intensive Verbindung zu ihrem Bruder. Als sie starb, galten ihm noch einmal ihre Gedanken“, berichtet der Steinhäuser weiter. Er zollt der Arbeit des DRK und der Deutschen Kriegsgräberfürsorge großen Respekt. „Davor ziehe ich meinen Hut. Es gibt immer eine Chance, Informationen über gefallene Angehörige zu bekommen“, sagt Vollmer. Allein im vergangenen Jahr seien fast 20.000 Kriegstote geborgen und würdig bestattet worden.

Anton Spenner ist am 12. September als Soldat in der 106. Infanteriedivision bei der Kesselschlacht von Smolensk vermutlich in einem kleinen Dorf namens Schabero gefallen. Ausfindig gemacht wurde seine letzte Ruhestätte im russischen Rshew, wohin seine Gebeine umgebettet wurden und wo etwa 42.000 Gefallene begraben sind.

Im Verlauf seiner Recherche hat Friedhelm Vollmer auch herausgefunden, dass die Stadt Gütersloh eine Partnerschaft zum 2100 Kilometer entfernten Rshew, das etwa 230 Kilometer westlich von Moskau liegt, unterhält. In Gütersloh wurde 1995 das Kuratorium Rshew gegründet, das auch Reisen zum Friedenspark, der Kriegsgräberstätte für deutsche und russische Gefallene ermöglicht. Falls es im nächsten Jahr wieder erlaubt sein sollte, will Vollmer die letzte Ruhestätte seines Onkels besuchen und die Erinnerung an das Familienmitglied weiter aufrecht erhalten.

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