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Gymnasiastin begegnet auch vielen Missverständnissen

Bürenerin verbringt zehn Monate als Juniorbotschafterin in den USA

Büren

Die Bürener Schülerin Merle Müntefering hat sich einen persönlichen Traum erfüllt. Als Juniorbotschafterin lebte sie zehn Monate in den USA. Mit einem Koffer voller Erfahrungen kehrte sie in ihre Heimat zurück.

Die Bürener Juniorbotschafterin Merle Müntefering mit dem Paderborner Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann.

Die Schülerin des Bürener Liebfrauengymnasiums Merle Müntefering erhielt vom Deutschen Bundestag eines der begehrten PPP-Stipendien für ein Austauschjahr in den USA. Das Parlamentarische-Patenschaft-Programm ist ein gemeinsames Projekt des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses und steht unter der Schirmherrschaft der Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.

Jeder Bundestagswahlkreis kann einen Juniorbotschafter entsenden. Über einen Flyer auf die Förderung aufmerksam geworden, bewarb sich die Bürenerin bereits mehr als ein Jahr vor ihrer Abreise. Vorab wurde sie in Einzel- und Gruppengesprächen auf ihr englisches Sprachniveau sowie auf ihre Kenntnisse über deutsche und amerikanische Geschichte geprüft. In Diskussionsrunden setzten sich die Jugendlichen kritisch mit politischen Themen auseinander. „Der Auswahlprozess war schon recht anstrengend, zumal coronabedingt alle Treffen digital stattfanden. Letztendlich hat sich der Aufwand aber gelohnt“, so die 16-jährige Schülerin.

Linnemann gratuliert persönlich

Nach langer Wartezeit klingelte eines Tages dann das Telefon. Der für den Wahlkreis 137 Paderborn zuständige Bundestagsabgeordnete, Dr. Carsten Linnemann, meldete sich persönlich bei Merle, um ihr zum Stipendium zu gratulieren. „Herr Linnemann hat sich sehr viel Zeit für mich genommen und auch in weiteren persönlichen Gesprächen immer wieder Interesse für mein Vorhaben gezeigt.“ 

Ein gutes halbes Jahr sollte es dauern, bis die Austauschorganisation YFU (Youth For Understanding), die im Auftrag des Deutschen Bundestages die Reisen organisiert, eine passende Familie gefunden hatte. Dann ging alles ganz schnell. Zwei Wochen blieben der Schülerin, um ihren Koffer zu packen und in Richtung Michigan, 6000  Kilometer von der Heimat entfernt, aufzubrechen. Eine sechsköpfige Familie sollte nun der Lebensmittelpunkt für die Bürenerin werden.

Nach vielen gemeinsamen Aktivitäten lernte die damals 15-jährige ihre Marcellus Highschool kennen, die von 350 Schülern, darunter acht Austauschschüler aus unterschiedlichen Ländern, besucht wurde. „Besonders habe ich mich auf das Fach Yearbook gefreut, weil ich gerne fotografiere und wir alle besonderen Ereignisse an der Schule dokumentieren durften“, so Merle.

Sport steht ganz hoch im Kurs

Nicht nur die Fächer, sondern auch der Stellenwert des Sports sind in den USA anders als in Deutschland. Merle Müntefering, die in ihrer Heimat beim TV 13 Büren Volleyball spielt und früher beim SV 21 Büren Leichtathletik betrieb, belegte in den Nachmittagsstunden möglichst viele Sportkurse. Neben Volleyball, Langlauf und Crosslauf, lernte sie auch Powerlifting, eine Art Krafttraining kennen. Durch ihr sportliches Talent integrierten die Trainer Merle schnell in ihre Teams. Mit dem Cross-Country-Team gewann sie nicht nur regionale Meisterschaften, sondern durfte sich auch bei den Michigan-Meisterschaften mit den besten Läuferinnen aus dem Bundesstaat messen.

„Interessant fand ich, was meine amerikanischen Mitschüler über uns Deutsche denken. Sie glauben, wir feiern schon Anfang Dezember Weihnachten. Zudem haftet uns der Zweite Weltkrieg noch extrem an“, so die Bürenerin, „als Juniorbotschafterin ist es aber gerade meine Aufgabe, Missverständnissen entgegenzuwirken und Interesse an anderen Kulturen zu schaffen. In Vorträgen stellte ich mein Land vor. Da durfte Schützenfest natürlich nicht fehlen.“

Coronabedingt musste die Organisation ein Seminar samt Besuch des Kongresses in Washington, sonst Bestandteil des Stipendiums, streichen. Dafür wurde Merle aber zusammen mit weiteren Austauschschülerinnen ihrer Highschool für zwei Tage von YFU nach Chicago eingeladen. New York, Philadelphia sowie Washington besuchte sie auf eigene Kosten mit einer weiteren Reisegruppe Austauschschülern.

Auf die Frage, was sie hier in Deutschland vergleichend am meisten schätze, antwortete die Schülerin: „die Sicherheit.“ So hatte sie an ihrer Highschool aufgrund von Waffenbedrohungen zweimal einen sogenannten „Lockdown“, ein automatisches Abschließen der Schulgebäude, miterleben müssen. Außer einem großen Schrecken sei glücklicherweise nichts passiert.

Studium in den USA ist Merles Ziel

In Zukunft soll für Merle Müntefering in Sachen Auslandserfahrung lange noch nicht Schluss sein. „Am liebsten würde ich in den USA studieren. Bis dahin werde ich mich aber ehrenamtlich bei der gemeinnützigen Austauschorganisation einbringen“, so die Bürenerin. Auch an ihrer Schule möchte sie sich aus Dank vielfältig engagieren. „Die Oberstufenkoordinatoren haben mir meine ehemalige Lehrerin vermittelt, die mich ehrenamtlich auf meine Latein-Prüfung vorbereitet hat. So konnte ich nach meinem Aufenthalt direkt die Q1 besuchen.“ Deshalb hilft Merle bei der Hausaufgabenbetreuung und möchte auch zukünftig Informationsveranstaltungen für Auslandsaufenthalte am Liebfrauengymnasium mitgestalten.

Möglichen Interessenten für ein Stipendium empfiehlt die Bürenerin, sich rechtzeitig zu informieren. Ab Mai 2023 beginnt das nächste Auswahlverfahren für das Auslandsjahr 2024. Die Bewerbungsfrist für 2023 ist bereits abgelaufen.

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