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Polizei ergreift Sicherheitsmaßnahmen an Bürener Almeschule – konkrete Gefahr für Schüler besteht derzeit nicht

Drohbriefe gegen Lehrer 

Büren (WB/acl/sen/seb). In der Almeschule in Büren gehen seit Ende April anonyme Drohbriefe ein. Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen den Vorfall so ernst, dass sie jetzt wegen Bedrohungen gegen Lehrer ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet haben.

Die Almeschule an der Bahnhofstraße. Foto:

 An der städtischen Förderschule sind Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Eine konkrete Gefahr für die Schüler besteht nach Angaben der Paderborner Polizei bisher jedoch nicht.

 Der oder die Unbekannte hat mehrere anonyme Drohbriefe an Schule und Schulträger adressiert. Ende April ging der erste per Post versandte Brief in der Almeschule ein. »Wir dachten zunächst, dass es sich um einen Scherz handelt«, sagt Konrektor Andreas Brücke, der seit neun Jahren an der Schule unterrichtet und diese seit anderthalb Jahren kommissarisch leitet. Dennoch informierte er noch am selben Tag die Polizei.

 In dem Schreiben waren Drohungen gegen drei Lehrer ausgesprochen worden, von denen zwei schon seit Jahren nicht mehr an der Almeschule unterrichten. Sie sind an anderen Schulen tätig. Eine Woche später brachte die Post einen zweiten Brief. Ein drittes Schreiben mit Drohungen gegen das Lehrpersonal der Almeschule kam Mitte Mai beim Schulträger an. In diesen beiden Briefen werden nur noch die zwei Lehrer benannt, die nicht mehr an der Almeschule arbeiten. »Und dann kam irgendwann der Moment, in dem man auch die Eltern informieren musste«, sagt Brücke im Gespräch mit dem WV.

 Für den vergangenen Montag wurde ein Elternabend einberufen. »Wir wollten die Eltern aus erster Hand informieren, damit sie ein Gefühl für die Situation bekommen und keine Gerüchte geschürt werden«, sagt Bürens Bürgermeister Burkhard Schwuchow. Die Stadt als Schulträger werde alles tun, damit die Sicherheit für alle gewährleistet sei, der Schulbetrieb ordnungsgemäß weitergeführt werden könne und die Ermittlungen der Polizei zum Erfolg führten. Schwuchow betonte, dass jegliche Maßnahmen intensiv mit der Polizei abgesprochen werden, die derzeit Herr des Verfahrens sei. Im ersten Moment habe er auch eine Schließung der Schule für eine gewisse Zeit in Erwägung gezogen, um sich nicht den Vorwurf machen zu müssen, falsch reagiert zu haben. »Ich habe mich aber von der Polizei und deren Erfahrung überzeugen lassen, dass derzeit keine Bedrohung besteht und der Schulbetrieb weiterlaufen kann«, so Schwuchow. »Wir als Schulträger wollen auch deutlich machen, dass wir da sind: für die Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch für die Polizei«, sagt der Bürgermeister.

 Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln mit Hochdruck. Mehrere Verdächtige seien bereits überprüft worden. Ein Verdacht gegen einen der Überprüften habe sich aber nicht bestätigt. Die Ermittler haben zudem mehrere Wohnungen durchsucht. »Alle befinden sich außerhalb des Kreises Paderborn«, sagt Polizeisprecher Michael Biermann auf WV-Anfrage. Der Schulbetrieb laufe so normal wie möglich weiter. Den Eltern sei aber frei gestellt worden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht. Einige wenige Eltern hätten sich daraufhin gegen einen Schulbesuch ihrer Kinder entschieden.

 Die Drohbriefe werden kriminaltechnisch untersucht. Die Polizei zeigt Präsenz an der Schule mit offenen und verdeckten Aktionen. Beamte des Kommissariats Kriminalprävention/Opferschutz haben zusätzliche Beratungen angeboten und sind Ansprechpartner für Eltern und Lehrer. Die regionale Schulberatungsstelle des Kreises Paderborn sowie das Schuldezernat der Bezirksregierung Detmold unterstützen das Lehrerkollegium der Almeschule und bieten weitere Betreuung auch für die Eltern an.

 Nach Einschätzung der Ermittler sind die Briefe von einem ehemaligen Schüler oder einer ehemaligen Schülerin verfasst worden, dessen oder deren Schulentlassung innerhalb der vergangenen zehn Jahre liegen dürfte. Die ausgedrückten Aggressionen richten sich nur gegen die Lehrer.

 Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung. Möglicherweise habe der Verfasser der Drohbriefe seine »Wut« auf die Almeschule anderen gegenüber erwähnt. Die Polizei bittet, solche oder ähnliche Verdachtsmomente zu melden. Hinweise nimmt sie unterv05251/3060 entgegen.

 »Manchmal verlaufen sich solche Dinge im Sande, wenn der erste Frust erst mal von der Seele geschrieben ist«, sagt Bürens Bürgermeister. Ihm sei eine Aufklärung aber lieber, damit wieder Ruhe an der Schule einkehre.

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