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Architekt Sven Hein stellt geplanten Neubau in Bürener Königstraße vor – mit Kommentar

Glasfassade statt Schmuddelecke

Büren

Modern und mit einer Glasfassade: So präsentiert sich das Gebäude, das der Bürener Unternehmer Richard Hesse in der Königstraße errichten lassen möchte. Architekt Sven Hein (Bürener Ingenieurgesellschaft mbH&Co.KG) hat das Vorhaben am Dienstagabend im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtplanung vorgestellt.

Hanne Hagelgans

Die beiden baufälligen Häuser neben dem Kreishaus in der Bürener Königstraße und auch das unter Denkmalschutz stehende Eckhaus sollen abgerissen werden. Entstehen soll ein Büro- und Geschäftshaus, außerdem soll die Kreuzung mehr Platz bekommen, um besser zu funktionieren und sicherer zu werden. Foto: Hanne Hagelgans

Man werde das Projekt „wohlwollend und mit einem gesunden Maß an Kritik beobachten“, sagte Ausschussvorsitzender Peter Salmen im Anschluss an die Präsentation zu.

Wie berichtet, gehören Hesse, der Inhaber des Marktkauf-Supermarktes in Büren ist, zwei Häuser in der Königstraße, die zugunsten des geplanten Büro- und Geschäftshauses abgerissen werden sollen. Der Neubau mit einer verglasten Fassade, einem kleinen Erker zur Königstraße hin und einem markanten hölzernen Bogen in Richtung Kreishaus solle ganz bewusst ein Gegengewicht zum Ensemble der Bürener Barockbauten in unmittelbarer Nachbarschaft setzen. „Wir möchten etwas Modernes schaffen“, erläuterte Architekt Hein im Ausschuss. Schließlich seien die Jesuitenkirche und das Kolleggebäude (heute das Mauritius-Gymnasium), als sie erbaut wurden, für die damalige Zeit auch höchst moderne Gebäude gewesen.

Die Höhe des geplanten Neubaus orientiert sich am höchsten Punkt in etwa am Niveau des benachbarten Kreishauses, fällt aber entsprechend dem Gefälle der Straße zur Kreuzung hin ab; die Sicht auf die dahinter liegende Jesuitenkirche bleibt zum Großteil frei.

Im Erdgeschoss soll unter anderem ein Bäckerei-Café einziehen, das im Sommer auch eine Außengastronomie mit Blick auf die Barockgebäude anbieten soll.

Vorgesehen ist ein von der Bertholdstraße her anzufahrendes Parkdeck. Entstehen sollen dort etwa 20 Parkplätze, die allerdings, so klang es im Ausschuss an, vor allem den Nutzern und Mietern des Neubaus zur Verfügung stehen und nicht öffentlich nutzbar sein sollen. In Absprache mit der Stadt, so Hein, sei es – wenn gewünscht – allerdings auch möglich noch deutlich mehr Stellplätze zu schaffen.

Angesichts der Größe und Beschaffenheit des Gebäudes hatte der Landschaftsverband als Denkmalbehörde im Zuge der Offenlage der Pläne bereits Bedenken angemeldet. Man befürchtet in Münster eine Abwertung des Barockensembles (das WV berichtete). Kritisch wird dort auch der geplante Abriss des benachbarten Eckhauses, Bertholdstraße 3, gesehen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der „Gehörlosenschule“ solle weichen, um die Kreuzung Bertholdstraße/Königstraße zu erweitern und sie so funktionstüchtiger und durch mehr Platz für Fußgänger sicherer zu machen.

Das Vorhaben steht in Zusammenhang mit dem geplanten Bau von zwei Kreisverkehren an den ebenfalls häufig überlasteten Kreuzungen Bahnhofstraße/Eickhoffer Straße und Bahnhofstraße/Lindenstraße. Die Planung, so die Ansicht der Experten, könne nur funktionieren, und den Verkehrsfluss in Bürener Zentrum wesentlich verbessern, wenn an allen drei Punkten eingegriffen werde.

Dazu ein Kommentar von Hanne Hagelgans

Ob es nun schön oder scheußlich ist, moderne Bauten als Kontrast neben historische zu setzen, ist eine Frage, die sich leidenschaftlich diskutieren lässt und die der eine so, der andere anders beantworten mag. Letztlich lässt sich über Geschmack eben nicht streiten.

Über Vorgaben der Denkmalpflege allerdings auch nicht. Wenn Experten durch das Vorhaben eine Abwertung des für Büren so wertvollen Barock-Ensembles sehen, muss die Politik das ernst nehmen.

Grundsätzlich ist es aber eine gute Nachricht, dass Jahre nach dem Fehlschlag „Quartier im Kern“ erneut ein Unternehmer bereit ist, Geld zu investieren und eine Ecke endlich aufzuwerten, die so, wie sie sich im Moment präsentiert, wirklich eine miese Visitenkarte für die Stadt abgibt. Wenn sich im gleichen Atemzug auch noch die Kreuzung, die wohl jeden Bürener Autofahrer schon Zeit und Nerven gekostet hat, entschärfen und sicherer machen lässt – umso besser.

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