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Harther Winterfestspiele: Kriminalkomödie feiert gelungene Premiere

»Halbpension mit Leiche«

Büren (WB). War die Generalprobe noch ein wenig holprig, klappte bei der Premiere alles perfekt: Die Harther Winterfestspiele haben am Wochenende einen Einstand nach Maß gefeiert.

Hans Büttner

Oh Schreck! Eine Leiche (Vanessa Jung) in der Lobby! Der Hotelpage (Dirk Früchtenicht) greift beherzt ein und versucht, die Situation noch zu retten. Foto: Hans Büttner

Als Dirk Früchtenicht im Frühjahr vor der Aufgabe stand, ein passendes Bühnenstück für die diesjährigen Harther Winterfestspiele auszuwählen, da hatte der Regisseur ein Problem. Denn es sollte ein Stück sein, das sowohl mit einer Reihe von Nachwuchsschauspielern wie auch mit erfahrenen Schauspielen besetzt werden kann. Zudem sollte das Stück zur Philosophie der Harter Theaterspiele passen: durchaus anspruchsvoll und unterhaltsam, aber auch humorvoll. Fündig wurde Früchtenicht bei der Kriminalkomödie »Halbpension mit Leiche«. Am Samstag kam es in der Harther Festspielhalle nun zu einer glanzvollen Erstaufführung in Nordrhein-Westfalen.

Seine leichte Nervosität versuchte der Regisseur vor seiner 8. Harther Theaterpremiere noch kurz vor dem Beginn mit einer Zigarette einzugrenzen. Grund für das mulmige Gefühl war wohl die leicht verpatzte Generalprobe am Vortag. Ob es schließlich der Zug aus der E-Zigarette oder das aufmunternde Schulterklopfen vom Vorsitzenden Dominik Stattmeister war, ist ungewiss, jedenfalls zeigte sich der Paderborner Theatermacher zum Start ebenso locker, wie seine Schauspieler es ab der ersten Spielminute waren.

Lacher und viel Applaus

Die Schauspieler nahmen die rund 200 Premierenbesucher mit in ein Bühnenhotel, dem Handlungsort des Stückes. Man solle sich nicht wundern, wenn manchmal etwas Kurioses auf der Bühne passiert, hatte Früchtenicht zu Beginn gewarnt. Diese Aktionen, gepaart mit der Würze des Stückes und den hervorragenden Leistungen der Schauspieler, waren es dann auch, die bei den Zuschauern immer wieder für Lacher und viel Applaus sorgten.

Zu den Begeisterten gehörten auch zwei Gäste, die aus Berlin angereist waren. Sandra Lüpkes und Jürgen Kehler gehören zu den acht Autoren, die dieses Stück geschrieben haben. »Die Acht«, so der Namen des acht Mitglieder zählenden Autorenteams, hatte es sich vor einem Jahr zur Aufgabe gemacht, ein Theaterstück innerhalb von acht Tagen zu schreiben. »Jede Figur in dem Stück ist speziell und jede hat ihren eigenen Charakter, und ich bin begeistert, wie es den Darstellen gelungen ist, dieses dem Publikum zu vermitteln, sagte Sandra Lüpkes. Zudem seien die eingebauten Einlagen, wie etwa die Musikstücke, ganz hervorragend«, fügte Jürgen Kehler hinzu.

Ebenso wie das Publikum waren auch die beiden Profiautoren von dem außergewöhnlichen Ende der Aufführung angetan. Mit Bob Dylans 1988 veröffentlichtem »Death is Not the End« verabschiedeten sich die Schauspieler singend von ihrer begeisterten Fangemeinde. Allerdings nicht ganz, denn einige Male mussten sie sich dem Publikum nochmals zeigen.

Tüddelige Tante und pfiffiger Page

Im Stück geht es darum, dass sich aus einer Selbsthilfegruppe für Mörder ein interessantes Projekt entwickelt. Da man sich gut kennt, kann man doch gemeinsam eine Pension betreiben und ganz nebenbei aufeinander aufpassen. Schließlich verdient jeder eine zweite Chance. Angeführt von der Bardame Pretty (Finja Schwarz) stürzen sich der cholerische Horst (Kai Hillebrand), die versponnene Jayashree (Marie Finke), der putzwütige Ingolf (Frederik Schumacher, prima auch seine militante Stimme) und das tüddelige Tantchen (mutig dargestellt von Ludger Eilhard-Chrobak) in ihr großes Abenteuer: die Eröffnung einer Pension. Zwar sind der Speisesaal mickrig und die Buchführung eine Katastrophe, aber dennoch hofft die Chaostruppe auf fünf Sterne vom Hotelverband. Doch dann checkt als erster Gast ausgerechnet die Psychologin der Selbsthilfegruppe (Vanessa Jung) ein. Aber nicht um sich zu erholen, sondern um ihren unbedarften Mann (Sven Hillebrand) loszuwerden. Als dann noch der Hotelprüfer (Thorsten Böhner) auf den Plan tritt, eskaliert die Situation. In der Lobby sitzt die Psychologin – tot! Gut, dass der Hotelpage (Dirk Früchtenicht) einige Male die Situation retten kann.

Aufführungstermine

Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 2. November, 19 Uhr; Sonntag, 3. November, 16 Uhr (Theatercafé ab 14 Uhr); Samstag, 9. November, 19 Uhr; Sonntag, 10. November, 16 Uhr (Theatercafé ab 14 Uhr); Samstag, 16. November, 19 Uhr; Sonntag, 17. November, 16 Uhr (Theatercafé ab 14 Uhr); Freitag, 22. November, 19 Uhr; Samstag, 23. November, 19 Uhr; Sonntag, 24. November, 16 Uhr (Theatercafé ab 14 Uhr).

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