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Bluttat in der Bürener Asylunterkunft an der Schumannstraße: Notoperation rettet 20-jährige Pakistani

Messerstecherei: Gericht sucht Auslöser

Büren/Paderborn (WB/upf). Die Frage, was einen so handfesten Streit unter Asylbewerbern in Büren ausgelöst hat, muss das Landgericht Paderborn seit Mittwoch klären. Zwei von ihnen wurden dabei durch Messerstiche schwer verletzt. Die Aussagen von Angeklagten und direkten Tatzeugen weichen teils deutlich voneinander ab.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Abgespielt hatte sich das Geschehen am 22. März in der Asylunterkunft in der Schumannstraße . Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft waren ein 27-jähriger Libanese und ein 31-jähriger Syrer in das verschlossene Zimmer eines anderen Asylbewerbers eingedrungen, der am Vortag von der Polizei wegen Drogenhandels festgenommen worden war.

Dort sollen sie Kleidung und diverse Gegenstände an sich genommen haben. Auf dem Weg nach draußen, so wirft Staatsanwältin Sabrina Klein den beiden Männern vor, sollen sie von zwei Pakistanis aufgehalten worden sein. Im Handgemenge soll der Libanese mit einem Messer einen 20-Jährigen durch Stiche in die Nierengegend lebensgefährlich verletzt haben, ein 30-Jähriger kam mit Schnittverletzungen am Kopf davon.

Angeklagter verschläft Prozessbeginn

Der Prozessauftakt erwies sich als denkbar zäh. Der verletzte 30-Jährige tauchte als Zeuge gar nicht auf. Der angeklagte 31-jährige Asylbewerber aus Syrien musste von der Polizei gebracht werden. Er hatte den Prozessbeginn verschlafen.

Der Libanese, der sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, wartete mit einer kruden Geschichte auf, um sein gewalttätiges Verhalten zu erklären: Der 20-jährige Pakistani habe ihn unflätig beleidigt, zudem habe er diesem verbieten wollen, in der Unterkunft mit Drogen zu handeln.

Diese Version stützte der Syrer in seiner Aussage, der sich vom Vorwurf des Diebstahls reinwaschen wollte, indem er behauptete, überall in dem zum größte Teil geräumten Gebäude hätten Kleidung und Gegenstände »bergeweise« herumgelegen, und sie hätten sich davon lediglich etwas genommen.

Sozialarbeiter habe Handgemenge beobachtet

Eine andere Sichtweise bot der 20-Jährige, dessen Leben nur durch eine Notoperation hatte gerettet werden können. Er habe die beiden Männer in dem verschlossenen Zimmer gesehen und den Hausmeister per Handy benachrichtigt. Das wiederum habe der Libanese zum Anlass genommen, ihn zu beschimpfen. Dem seien eine Ohrfeige und gleich ein Messerstich gefolgt.

Ein Sozialarbeiter wiederum will ein Handgemenge zwischen den Männern beobachtet haben, dessen Intensität sich bis hin zur Messerattacke steigerte. »Die kamen aus dem Haus und waren heftig am Streiten«, sagte der 57-Jährige. Sein Eindruck sei gewesen, der Libanese habe den Pakistani aufgesucht, »um was zu klären« – denn der habe sich am Vortag einem Besuch des Libanesen verweigert.

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