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Streuobstwiesen wieder aktivieren

Rund 40 Männer und Frauen lassen sich im Paderborner Land zu Obstbaumwarten ausbilden

Borchen

Derzeit werden 40 Frauen und Männer im Südlichen Paderborner Land zu Obstbaumwarten ausgebildet. Sie unterstützen Besitzer von Obstbäumen und Streuobstwiesen bei der Pflege, Erweiterung und Neupflanzung von Beständen. Die Ausbildung bietet die Biologische Station Kreis Paderborn – Senne als Leaderprojekt „Streuobstwiesen aktiv“ an.

Bäume liegen ihnen am Herzen: In der Biologische Station Kreis Paderborn-Senne werden neue Obstbaumwarte ausgebildet. Foto: Biologische Station

Streuobstwiesen liefern nicht nur gesunde Lebensmittel vor der Haustür, informiert Friederike Stelzner-Langner von der Biologischen Station. Sie seien wertvolle Ökosysteme für Pflanzen, Insekten und andere Tiere. „Einst prägten verstreut stehende, hochstämmige Obstbäume unsere Landschaft. Jede Generation pflanzte für die nächste nach. So war der Erhalt dieser wichtigen Lebensmittelquelle gesichert.

Diese Tradition ist in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen“, so die Expertin. Übrig geblieben seien Wiesen mit vereinzelt stehenden Obstbäumen, die zum Teil vertrocknet und müde ihre Äste hängen ließen. Wie wichtig diese Ökosysteme seien, zeige das steigende Interesse von Einzelpersonen und öffentlichen Einrichtungen. Vom liebevoll gepflegten Apfelbaum im Hausgarten bis hin zu geforderten Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte, sei der Wunsch groß, dieses Kulturgut stärker in das Landschaftsbild zurückzuholen. Mit der Pflanzung eines Obstbaumes sei es nicht getan. Wer eine lange und reiche Ernte einfahren möchte, müsse seine Bäume regelmäßig pflegen. Hier unterstützen Obstbaumwarte. Wer selbst Hand anlegen möchte, besuche einen Schnittkursus.

Ferner könnten die Experten für Baumschnitt, Veredelung und Beratung angefragt werden. Den Kontakt zum Team können Interessierte per E-Mail an [email protected] aufnehmen. Die bis April 2023 laufende Ausbildung unterteilt sich in sechs Module. Die Streuobstwiesenexperten erhalten umfangreiches Wissen zur Sortenwahl, richtigen Anpflanzung sowie den Schnitttechniken für den Erziehungsschnitt, den Altbaumschnitt und die Sommerpflegemaßnahmen. Weitere Inhalte seien Veredelung, Ökologie der Streuobstwiesen und Fördermöglichkeiten.

Das erlernte Wissen möchten die Absolventen auf unterschiedlichste Weise für den Schutz dieses ökologisch wertvollen Lebensraumes einsetzen. Annika Kleine­hans etwa setzt sich mit Herzblut im Heimatverein Verl für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Fast jedes Wochenende steht sie auf der Leiter. Ihre Leidenschaft und ihr umfangreiches Wissen möchte sie an viele andere Menschen weitergeben.

Sascha Glaser engagiert sich schon lange ehrenamtlich für Natur und Umwelt sowie den Erhalt der Kulturlandschaft. Neben der Bewahrung des Wissens ist ihm insbesondere der Klimaschutzaspekt sehr wichtig. Als Klimaschutzmanager der Stadt Büren und Vorsitzender der Gruppe „Naturerlebnis Wewelsburger Almetal“ ist es sein Ziel, das Wissen rund um Streuobstwiesen und die weitreichenden Auswirkungen dieser Ökosysteme auf das Klima zu erhalten und weiterzugeben. Die Vernetzung unter den Obstbaumwarten ist für ihn dabei ein wichtiger Multiplikator.

Ludger Potthast pflegt seit zehn Jahren als Gärtner den Grünen Bereich der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Hierzu gehört auch eine Streuobstwiese. Es gibt im südlichen Paderborner Land viele vernachlässigte Streuobstwiesen. Neben dem Obstbaumschnitt berät er Besitzer von Wiesen bei der Erhaltung und Pflanzung.

Olaf Drückhammer lebt seit mehr als 20 Jahren auf Demeterhöfen. Die Tradition der über Generationen gepflegten Streuobstwiesen wird hier noch gelebt. Vor fünf Jahren übernahm er die Pflege 30 neu gepflanzter Apfelbäume auf Schloss Hamborn. Hoch motiviert startete er mit seinem Basiswissen und lernte aus Fehlern.

Ein Baum verzeiht viel und so sammelte er viele praktische Erfahrungen. Mit dem zusätzlichen Wissen der Ausbildung möchte er Menschen für das Thema begeistern. Für alle, die Lust haben, ebenfalls eine Obstbaumwartausbildung zu absolvieren, startet im September ein Kursus „Obstbaumwartausbildung light“. Bewerbungen werden bis zum 15. August entgegengenommen. Infos unter https://www.streuobstwiesen-aktiv.de.

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