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Was die Wewelsburg in Büren mit dem CDU-Skandal in Sachsen-Anhalt zu tun hat

Schwarze Sonne über Magdeburg

Büren/Magdeburg/Berlin (WB/tho/dpa). In dem Fall des CDU-Politikers in Sachsen-Anhalt mit den Neonazi-Kontakten spielt auch eine Tätowierung eine Rolle, die mutmaßlich auf eine Abbildung in der Wewelsburg in Büren im Kreis Paderborn zurückgeht.

Das Sonnenradmotiv im Fußboden des „Obergruppenführersaals“ im Nordturm der Wewelsburg. Foto: Kreismuseum Wewelsburg

Der jetzt aus der CDU ausgetretene Robert Möritz (29) trug Berichten zufolge an seinem Ellenbogen eine sogenannte Schwarze Sonne als Motiv. Seiner Kreis-CDU hatte er gesagt, er kenne dessen Bedeutung in rechtsextremen Kreisen nicht und trage es aus Interesse für keltische Mythologie.

Sehr wahrscheinlich ist jedoch ein Bezug zum Sonnenrad im Nordturm der Wewelsburg, ein Relikt aus der Nazizeit. Reichsführer Heinrich Himmler hatte ab 1933 geplant, in der Burg einen zen­tralen Versammlungsort für die SS einzurichten. Dazu heißt es auf der Homepage des Kreismuseums Wewelsburg: „Das Sonnenradmotiv im Fußboden des ‚Obergruppenführersaals‘ wird seit den 1990er Jahren in rechtsextremen Kreisen auf der ganzen Welt zu einem Erkennungs- und Heilszeichen stilisiert und missbraucht.“

Keine Erfindung der SS

Wie dessen Leiterin Kirsten John-Stucke„Die schwarze Sonne von Tashi Lhunpo“ von Russell McCloud auf, einem sonderbaren Thriller um Geheimbünde und Ritualmorde, in dem die Wewelsburg vorkommt. Die Bezeichnung sei also keine Erfindung der SS, es gebe auch keine Belege darüber, warum diese Bodendekoration gewählt worden sei, erläutert die Museumsleiterin. Sonnenräder wie jenes zwölfspeichige auf dem Saalboden gingen wohl eher auf Motive der Vor- und Frühgeschichte zurück, auch wenn man darin mit Fantasie eine Kombination von SS-Runen sehen könne. Das Symbol zu verwenden sei trotz seiner Szenefunktion als Ersatzhakenkreuz grundsätzlich erlaubt, sagt John-Stucke. Das Betreten des Museumsgeländes in Büren sei damit allerdings verboten, wie mit anderen einschlägigen Abzeichen auch.

Auch der OWL-Bezirkschef der CDU, Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus, musste sich mit Robert Möritz befassen. Dem Sender „Welt“ sagte er: „Wenn jemand wirklich aussteigt – und wir haben ja Aussteigerprogramme –, muss man ihm auch eine zweite Chance geben. Wie das im Einzelfall jetzt in Sachsen-Anhalt zu bewerten war, kann ich nicht sagen. Das muss jetzt auch nicht mehr aufgeklärt werden, wenn Herr Möritz entsprechend ausgetreten ist.“ Wichtig sei nur, sagte Brinkhaus, „es muss allen klar sein, dass man sich ganz klar von politischen Ex­tremisten abgrenzt“.

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