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Andreas Werner absolviert Bestatterausbildung als Bundesbester

Traumberuf mit vielen Facetten

Büren (WB/han). Mit einem glänzenden Einser-Abitur in der Tasche hat Andreas Werner vor drei Jahren entgegen aller Erwartungen kein Studium begonnen. Statt dessen entschied er sich für eine Lehre als Bestatter.

Die Trauerhalle im Bürener Bestattungshaus Sauerbier ist einer der vielen unterschiedlichen Schauplätze im Berufsleben von Andreas Werner. Der Einser-Abiturient hat seine Bestatterausbildung jetzt als Bundesbester abgeschlossen. Foto: Oliver Schwabe

Eine nur auf den ersten Blick seltsame Entscheidung – die offenbar goldrichtig war. Denn jetzt hat der 22-Jährige seine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft als bundesweit bester Absolvent abgeschlossen und seinen Traumberuf gefunden.

Mit seinem tollen Abi am Bürener Mauritius-Gymnasium und den Leistungskursen Mathe und Informatik hätten Andreas Werner alle Studien- und späteren akademischen Karrieremöglichkeiten weit offen gestanden. Doch er wählte einen anderen Weg.

Auf den brachte den jungen Mann aus Alme, dessen Paten­onkel Bestatter in Baden-Württemberg ist, auch ein Praktikum im Bürener Bestattungshaus Sauerbier. Dort lernte er die Vielfalt des Berufsbildes kennen, die er nach Abschluss seiner Lehre nach wie vor als einen der ganz großen Pluspunkte betrachtet. Der technisch-logistische Aspekt gehöre ebenso dazu wie das Gespräch mit den Hinterbliebenen – und noch vieles, vieles mehr. Die Ausbildung sei sehr breit gefächert. Wenn es beispielsweise nötig sein sollte, eine Bestattung nach jüdischem Ritus oder den Vorgaben der Freimaurer zu organisieren, hat Andreas Werner gelernt, was dabei zu beachten ist.

Viele Talente seien gefragt und ganz unterschiedliche Spezialisierungen möglich, weiß auch sein Chef Dieter Sauerbier. Wer zum Beispiel ein gutes Händchen für Dekorationen hat, macht vielleicht die Ausstattung der Trauerfeiern zu seinem Spezialgebiet. Wer sich für den mehr medizinischen Aspekt interessiert, kann eine Zusatzqualifikation der Thanatopraxie, der Technik der Einbalsamierung, erwerben. Grundlagen der Psychologie, um einfühlsam mit den Angehörigen umgehen zu können, gehören ohnehin zur Ausbildung, und auch hier sind weitere Zusatzqualifikationen möglich.

Das Gespräch und den Umgang mit den Hinterbliebenen betrachtet Dieter Sauerbier ohnehin als den Dreh- und Angelpunkt der Ausbildung und der späteren Tätigkeit als Bestatter. Allerdings bekämen nur wenige Auszubildende während ihrer Lehrzeit überhaupt die Möglichkeit genau das zu üben, weiß der Bürener, der sich auch als Prüfer im Berufsverband engagiert.

In seinem Betrieb mit Standorten in Büren, Paderborn und Brakel handhabt er es anders: Andreas Werner hat gelernt, Angehörigen einfühlsam und souverän gegenüber zu sitzen und abseits der sachlichen Informationen zu spüren, welche Themen anliegen. Detail-Entscheidungen etwa können und mögen Hinterbliebene in ihrer Ausnahmesituation bei einem ersten Gespräch vielleicht noch gar nicht treffen. Manchmal gibt es unterschwellige Spannungen innerhalb der Familie.

Es sei unbedingt notwendig, Empathie aufzubringen, weiß Andreas Werner: „Es ist schließlich ein riesiger Vertrauensbeweis und eine große Verantwortung, wenn uns Menschen ihre verstorbenen Liebsten anvertrauen.“ Auf der anderen Seite müsse es ihm aber auch gelingen, die oft traurigen Schicksale bei allem Mitgefühl nicht zu nah an sich heran zu lassen und darüber nicht die eigene Lebensfreude zu verlieren. Er glaube, dass ihm das gut gelinge, meint Andreas Werner.

Diese wichtige Balance könne nicht jeder halten, sagt Dieter Sauerbier: „Ich habe natürlich eine Verantwortung, wenn ich so junge Menschen möglicherweise belastenden Situationen aussetze. Die müssen selbstverständlich begleitet werden.“

Neben dem psychologischen Aspekt gefällt es Andreas Werner besonders, dass er auch ganz praktisch arbeiten und unterwegs sein kann. Große Motivation habe er während der Ausbildung durch die Reaktionen von Hinterbliebenen bekommen. „Wenn sich da nach einer Trauerfeier jemand bedankt und man wirklich spürt, dass man hilfreich sein konnte, dann ist das schon ein tolles Gefühl“, erzählt er.

Für ihn steht darum fest, dass er auch nach Abschluss seiner Ausbildung als Bester der bundesweiten Prüfungen beim Bestattungshaus Sauerbier bleiben und sich weiterqualifizieren möchte. Die Meisterprüfung soll der nächste Schritt sein.

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