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Markantes Renaissanceschloss im Kreis Paderborn wird digital vermessen

Virtueller Rundflug über die Wewelsburg

Büren

Die Wewelsburg bei Büren soll mit Hilfe von Fotodrohnen, 360-Grad-Panoramakameras und 3D-Laserscannern innen und außen vermessen werden. Dadurch sollen das Gebäudemanagement verbessert und Besuchern des Kreismuseums virtuelle Rundgänge und Rundflüge ermöglicht werden.

Dietmar Kemper

Die Wewelsburg ist verwinkelt und spiegelt vier Bauphasen wider. Das komplexe Gebäude erschwerte bislang eine exakte Vermessung. Die soll jetzt digital erfolgen. Foto: MVW Medien

„Die Idee ist, dass wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagte die Museumsleiterin Kirsten John-Stucke am Mittwoch dieser Zeitung. „Digitale Wewelsburg“ heißt das Projekt, das in diesem Jahr und 2022 voraussichtlich insgesamt 582.000 Euro kosten wird.

John-Stucke hofft, dass das Land in Gestalt des Heimatministeriums 80 Prozent (465.600 Euro) übernimmt. Der Antrag ist gestellt. Neben dem Ministerium müsste auch der Kreistag dem Projekt zustimmen. Auf den Kreis würden jährliche Kosten von 58.200 Euro zukommen.

Die Daten aus der digitalen Vermessung des verwinkelten, über 400 Jahre alten Renaissanceschlosses dienen als Grundlage für ein 3D-Modell, das vom Gebäudemanagement für die Erstellung des BIM (Building Information Modeling) und die Berechnung von Gebäudeflächen und -umfängen genutzt werden kann. Dadurch könnten die Flächen für Malerarbeiten oder das Ausmaß von Reparaturarbeiten auf dem Dach schneller ermittelt werden, nannte Kirsten John-Stucke positive Effekte.

Als Leiterin des Kreismuseums hat sie vor allem die Vorteile für die museumspädagogische Arbeit im Blick: „Wir können die Räume der Burg in einen digitalen Rundgang integrieren, auch die Kellerräume und -gänge und die Gruft, die für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist.“ Die Wewelsburg werde dadurch auf moderne Art erlebbar, für junge Besucher attraktiver, und Rollstuhlfahrer bekämen dadurch mehr Einblicke.

Geplant sind laut der Projektbeschreibung 3D-Flüge durch und über das Museum mit dem Maskottchen Falko, fünf Medienstationen mit VR-Brillen, ein virtueller Ausstellungsraum für Kunst im Norbertusloch und eine App, mit deren Hilfe vier Epochen des markanten Gebäudes kennengelernt werden können. „Manche Objekte können wir bislang nur von einer Seite zeigen“, sagte Kirsten John-Stucke und kündigte neue Ein- und Ansichten durch die 3D- und 360-Grad-Darstellung an.

Mit dem Projekt schlüpfen die Wewelsburg und der Kreis Paderborn in eine Vorreiterrolle. Die Leiterin des Kreismuseums, das im vergangenen Jahr 95 Jahre alt wurde, aber den Geburtstag wegen der Corona-Pandemie nicht gebührend feiern konnte, betont: „Dass ein historisches Gebäude digital vermessen wird und die Daten zweifach genutzt werden, ist neu.“

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr beklagt die Leiterin das coronabedingte Fehlen von Gruppen: „Wir sind dankbar, dass wir mit einem sehr guten Hygienekonzept die Ausstellungen für Gäste auch öffnen und sogar noch ein paar Veranstaltungen durchführen konnten. Jedoch fehlten uns als außerschulischer Lernort vor allem die Gruppen, da erst ab Sommer bis zum zweiten Lockdown nur mit maximal neun Personen Programme stattfinden durften, darunter so gut wie keine Schülergruppen mehr und unsere beliebten Kindergeburtstage konnten gar nicht durchgeführt werden.“

Die Geschichte der Burg und des Paderborner Landes, die das Historische Museum des Hochstifts Paderborn erzählt, erlebten im vergangenen Jahr 23.923 Besucher (2019: 37.635). In der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 – 1945 mit der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ informierten sich 25.748 Gäste (2019: 50.749) über Hitlers „Schutzstaffel“ SS und das benachbarte Konzentrationslager Niederhagen.

In diesem Jahr wird sich das Kreismuseum Wewelsburg an dem bundesweiten Themenjahr „321 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ beteiligen. Vorgesehen sind buchbare Workshops und Seminare unter dem Thema „Jüdische Lebenswelten entdecken – Antisemitismus verstehen und überwinden“ sowie Themenrundgänge. Im Terminplan verankert sind ein wissenschaftliches Symposium am 13. März, das jüdisches Leben im Paderborner Land beschreibt, und am 13. Juni eine Exkursion zum Thema „Jüdische Friedhöfe in Paderborn und Umgebung“. Am 1. Oktober werden die Comedian Harmonists Today mit dem Programm „Ein neuer Frühling“ im Burgsaal der Wewelsburg auftreten. Am 7. Oktober werden bei einer szenischen Lesung mit Musik jüdische Schriftstellerinnen im Mittelpunkt stehen.

Gearbeitet wird an einer Sonderausstellung über Wilhelm Petersen. Der war seit 1940 als SS-Kriegszeichner für die Propaganda der Nazis mitverantwortlich und wurde nach 1945 als ein Zeichner der Mecki-Comics für die „Hörzu“ bekannt.

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