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Heimathistoriker Heinz Lummer hat zum Kriegsende in Hegensdorf geforscht

Zwei Flugzeuge, zwei Schicksale

Hegensdorf (WB). Eine fast in Vergessenheit geratene Geschichte hat jetzt der Hegensdorfer Heimatforscher Heinz Lummer an den Tag gebracht. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945, hat er herausgefunden, landeten kurz hintereinander ein deutsches und ein amerikanische Flugzeug in den Hegensdorfer Feldern. Während das amerikanische Jagdflugzeug vom Typ Mustang P51 in Folge eines Abschusses notlanden musste, war die deutsche JU 52 freiwillig zu Boden gegangen. Pilot dieser Maschine war ein junger Fürstenberger.

Hans Büttner

Heinz Lummer zeigt mit Enkel Simon eine Stelle in der Hegensdorfer Feldflur, wo im letzten Kriegsjahr 1945 ein Flugzeug landete. Während die Mustang „Im Klei“ landete, brachte Heinrich Günther seine JU 52 nahe der Bürener Gemarkung zu Boden. Foto: Hans Büttner

Der begeisterte Heimatforscher Heinz Lummer hat sich in den vergangenen Monaten zur Aufgabe gemacht, diese Geschichte wieder ans Tageslicht zu holen. „In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs ging es auch bei uns hoch her“, erzählt er. Damals war er fünf Jahre alt und erinnert sich daher nur schwach an Details. Aber dass eine Sprengbombe eine Hegensdorfer Scheune zerstörte und dass ein Flugzeug in der Feldflur lag, ist ihm noch heute in guter Erinnerung.

Landung nicht weit entfernt vom Heimatdorf

Es war Ende März, Anfang April 1945. Die alliierten Truppen versuchten, den sogenannten Ruhrkessel zu schließen, als ein Deutsches Flugzeug vom Typ JU 52 zwischen Hegensdorf und Volbrexen landete. Der Pilot, der 19-jährige deutsche Oberfeldwebel Heinrich Günther, brachte das Flugzeug nicht nur sicher zu Boden, er landete auch nicht weit entfernt von seinem Heimatdorf Fürstenberg.

Da es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen über diesen Flug gebe, existierten nur verschiedene Aussagen über den Grund des Flugs von Heinrich Günther, berichtet Heinz Lummer. Nach Aussage von Günthers Tochter Waltraud, mit der er Kontakt aufgenommen hatte, sei der Vater auf der Ostseeinsel Rügen stationiert gewesen. Der Stützpunkt diente der Ausbildung von Flugzeugbesatzungen. Kampfeinsätze seien von dort aus nicht geflogen worden. Wie die Tochter weiter berichtet habe, habe es auf dem Fliegerhorst zum Kriegsende nur noch drei einsatzfähige Maschinen gegeben. Mit zwei Maschinen hätten sich ranghohe Vorgesetzte nach Norwegen abgesetzt. Mit der dritten habe ihr Vater den Flug in die Heimat riskiert. Angeblich habe das Flugzeug ein Rot-Kreuz-Zeichen am Rumpf gehabt.

Im Obstkeller des Schlosses in Haft gesetzt

Nach der Landung in Hegensdorf sei der junge Pilot zu seinem neun Kilometer entfernten Heimatdorf Fürstenberg gelaufen. Dort hab er sich den Amerikanern gestellt, die ihn daraufhin für einige Tage im Obstkeller des Schlosses des Grafen von Westphalen in Haft setzten. Dann wurde er freigelassen. Nach dem Krieg war Heinrich Günther zunächst Chauffeur beim Grafen von Westpalen in Meschede, zog dann später nach Witten, wo er bei der Bundesbahn tätig war. Gestorben ist er im Jahr 1987.

Die JU 52 wurde zunächst von den Amerikanern beschlagnahmt. Die Motoren wurden ausgebaut und der Rest blieb, zur Freude der Kinder, auf dem Feld liegen.

Aus Fallschirmstoffen wurden Gardinen geschneidert

Die Erwachsenen betrachteten den Flieger als Rohstofflieferant und begannen es zu zerlegen. Und so gab es in der folgenden Zeit in Fürstenberg Dacheindeckungen aus Wellblech und Konstruktionen aus Rohren. Aus den Fallschirmstoffen wurden Gardinen geschneidert. Ein findiger Bauer hatte ein Aluminiumrohr sogar als Deichsel für sein Kuhgespann umgebaut, und die Dorfjungen freuten sich über das Schlauchboot, das sich zuvor als Rettungsboot im Flieger befunden hatte.

Nur vier Wochen nach der Junkers 52, so haben Heinz Lummers Forschungen ergeben, ging nahe der Bürener Gemarkungsgrenze ein weiteres Flugzeug in Hegensdorf zu Boden. Ein amerikanisches Jagdflugzeug vom Typ Mustang P51 war nach einem Einsatz manövrierunfähig geworden und musste, unbemerkt von der Bevölkerung, im Flurstück „Im Klei“ notlanden.

Der Bürener Hans-Walter Grundmann hatte sich vor neun Jahren bereits mit diesem Ereignis beschäftigt. Er nahm Kontakt mit dem National Archiv Washington DC auf, wo Berichte über amerikanische Luftwaffeneinsätze aufbewahrt werden. Daraus geht hervor, dass der Pilot Harry Ziegler mit seinem Geschwader am 3. März 1945 an einem Luftkampf bei Magdeburg beteiligt war.

Die Maschine von Oberleutnant Ziegler (er hatte deutsche Vorfahren) wurde dabei beschädigt. Der 23-jährige Pilot vereinbarte mit seinem Kollegen eine so genannte Huckepack-Rettung. Beide Maschinen sollten auf einer Straße landen und Ziegler dann in die Maschine des Freundes umsteigen. So sollte es dann nach England gehen.

Dreieinhalb Monate Gefangenschaft

Doch in Hegensdorf war Schluss. Ziegler musste runter, kam heil zu Boden und setzte seine Maschine mit einer Granate in Brand. Er versteckte sich anschließend im Wald und vergrub seine Fliegerkleidung. Am späten Nachmittag wurde er gefangen genommen und nach Frankfurt gebracht. Schließlich landete er in Kriegsgefangenenlagern in Nürnberg und Moosburg. Am 29. Februar folgte nach dreieinhalb Monaten Gefangenschaft die Befreiung. Gestorben ist Harry Ziegler im Jahr 2004 in US-Bundesstaat Pennsylvania.

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