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Thomas Stolz aus Paderborn war viele Jahre Militärgeistlicher in Afghanistan

Bundeswehr hat "eine ganze Menge gebracht"

Paderborn (kna/WB)

Nach Auffassung des katholischen Paderborner Priesters und früheren Militärgeistlichen Thomas Stolz ist der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nicht umsonst gewesen.

Das Foto aus dem Jahr 2017 zeigt Pfarrer Thomas Stolz (rechts) mit dem Paderborner Weihbischof Weihbischof Matthias König. Foto: Isabella Wünnerke

"Das Geschwätz der Politiker, dass man dort völlig versagt habe, ist Unfug", erklärte er am Montag. Der Einsatz der Bundeswehr habe "eine ganze Menge gebracht", was in diesen krisenhaften Tagen vielleicht nicht gesehen werde. Die Bundeswehr und ihre Partner seien 20 Jahre dort gewesen, sagte Stolz, der von 2002 bis 2006 als Militärgeistlicher mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) mehrfach in Afghanistan war.

"Damit hat eine ganze Generation von Afghanen die Erfahrung machen können, dass das Leben nicht nur Knechtschaft ist. Dass es Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie gibt und dass das nicht irgendwelche wilden Träume sind." Afghanistan habe eine vergleichsweise junge Bevölkerung, so Stolz. Er glaube daher nicht, dass die jungen Menschen eine lange Zeit der Unterdrückung erleben werden.

Stolz hält eine Revolution für möglich; der Grundstein dafür sei durch den Nato-Einsatz gelegt worden. Er habe in Afghanistan "Messen gehalten, getauft, Soldaten seelsorgerisch begleitet, Sterbesakramente gespendet und toten Soldaten die Augen geschlossen", so der Geistliche. Und so wie sein Dienst als Priester für die Soldaten etwas bewirkt habe, hätten auch die Soldaten etwas für die Menschen im Land bewirkt.

Seine Einsätze mit dem KSK in Afghanistan und anderen Krisengebieten der Welt hätten bei ihm „großen Eindruck“ hinterlassen, sagt Stolz laut einer Pressemitteilung des Erzbistums Paderborn weiter. Sie hätten ihm vor Augen geführt, was es bedeute, „in diesem demokratischen, wohlbehüteten, vermögenden Deutschland leben zu dürfen.“

Gepanzertes Bundeswehr-Fahrzeug vom Typ Eagle IV in Afghanistan Foto: Bundeswehr

„Soldaten sind eine schwierige Berufsgruppe, da muss man versuchen sich reinzudenken und reinzufühlen“, sagt Stolz. Er, der bis dato nicht gedient hatte, machte die Einzelkämpferausbildung, lernte schießen und Fallschirmspringen. „Wenn man aus 6000 Metern Höhe aus einem Flugzeug springt oder nachts allein im Wald in Eis und Schnee liegt, fragt man sich: Warum tust du dir das an?“ Er habe jedoch stets ein Ziel vor Augen gehabt: Nur indem man gewisse Wege mitgehe, könne man erfahren, „warum die so ticken wie sie ticken“, weshalb ein Soldat in einer Situation auf eine bestimmte Weise reagiert, Angst hat oder auch Fehler macht. „Sonst geht das nicht.“

Heute leitet Pfarrer Stolz den Pastoralverbund Paderborn Nord-Ost-West. Er könne das Priester-Sein gut mit dem Organisator-Sein verbinden, sagt er. „Ich traue, ich taufe, ich bringe die Krankenkommunion. Ich sitze am Schreibtisch und schreibe Artikel und bereite die nächste Kirchenvorstandssitzung vor. Dann hab ich wieder ein Taufgespräch und anschließend noch eine Sitzung.“ Er versuche für die Menschen da zu sein, wenn sie ihn brauchten, sagt Stolz. „Mehr kann ich nicht. Aber ich mach’s gerne.“

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