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Ersatzaktion des Delbrücker Karnevalvereins stößt auf riesige Resonanz – Jubilarehrung fällt aus

105 Videofilmchen zeigen Rosenmontag im Kleinformat

Delbrück

Karneval fällt aus – aber doch nicht so ganz. Eine vom Delbrücker Karnevalverein geplante Ersatzaktion ist auf riesige Resonanz gestoßen. Der Verein hatte um Videoschnipsel gebeten, Jecken sollten zu Hause Miniaturumzüge nachstellen und filmen. 105 Karnevalisten haben mitgemacht.

Jürgen Spies

Prösterchen! Mit einem Glas Sekt stießen vor 60 Jahren Kranzkönig Hermann Sprock und Kranzkönigin Bernhardine »Dini« Westerhorstmann auf ihre Regentschaft an. Später wurde aus dem feschen Königspaar das Ehepaar Sprock. Foto:

Da spiegelt sich mal wieder die Karnevalsbegeisterung im Delbrücker Land wider: Mehr als 100 selbstgestaltete, kurze Videofilme haben Jecken zwischen Lippe und Ems in den vergangenen Tagen dem Karnevalverein Eintracht von 1832 zugeschickt, um aus den ausgefallenen Umzügen zumindest einen filmischen Schrumpfzug zu machen.

Der Aufruf, mit Videoschnipseln einen Miniaturumzug auf die Beine zu stellen, ist auf derart große Resonanz gestoßen, dass Ideengeber und Eintracht-Vorstandsmitglied Johannes Westerhorstmann schier begeistert ist: „Mit 20 Videos habe ich vorher gerechnet. Letztlich sind aber 105 Filme eingereicht worden“, berichtet der Zugkoordinator in einem Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

„Schickt zum Beispiel eine Kapelle aus Playmobilfiguren, stellt Fußgruppen aus Legosteinen zusammen, lasst eine Barbie-Prinzengarde tanzen, spannt Karnevalswagen hinter Spielzeug-Zugmaschinen, lasst eurer Kreativität freien Lauf. Der Karnevalverein schneidet dann die kurzen Beiträge zu einem Film zusammen und veröffentlicht ihn am Karnevalssamstag auf der Youtube-Seite des Vereins“, lautete die Parole.

Doch angesichts der Flut an Filmen, zumeist aufgenommen in den Wohnzimmern der Jecken, musste Westerhorstmann noch einmal etwas umdisponieren: „Es sind viele tolle Beiträge reingekommen, so dass ich das Material jetzt auf zwei Filme, jeweils 11 Minuten lang, verteilt habe – einen Kinderzugfilm und einen Rosenmontagszugfilm.“

Nach „Bauchgefühl“ hat der Umzugskoordinator entschieden, welches Video in welchem der beiden Filme zu sehen sein wird. „Man kann natürlich schon bei der ersten Durchsicht der geschickten Kurzvideos erkennen, ob Erwachsene oder ob Kinder ihn aufgenommen haben. Besonders schöne Videosequenzen habe ich in beide Filme übernommen“, erläutert Johannes Westerhorstmann.

Damit im Zusammenschnitt nicht alle paar Sekunden ein anderes Lied zu hören ist, hat er die Tonspuren mancher Schnipsel bearbeitet und in jedem Fall immer noch ein Delbrück-typisches „He Geck Geck“ daruntergelegt.

Wie sonst üblich, wird es auch diesmal eine Prämierung geben. Und die lässt sich der KV Eintracht richtig was kosten: Das Preisgeld wird verdoppelt, Kinderzug und Rosenmontagszug werden getrennt bewertet. Ausgeschüttet werden jeweils entweder 100, 75 oder 50 Euro – ein dickes Dankeschön für das Mitmachen.

Jubilarehrungen

Durch die coronabedingte Absage des Karnevals entfallen in diesem Jahr auch die geplanten Jubilarehrungen des KV Eintracht. Peter Josephs, Vorsitzender des Karnevalvereins „Eintracht Delbrück von 1832“, wollte eigentlich mit einem weiteren Vorstandsmitglied am Rosenmontagmorgen „auf Abstand“ den Kranzkönigspaarjubilaren des KV Eintracht Ehrenurkunden und Blumen übergeben. „Mehr können wir in dieser schwierigen Zeiten leider nicht tun“, bedauerte Josephs unlängst in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Mit größter Wahrscheinlichkeit fallen aber auch diese Treffen aus.

Besuch bekommen soll(te) auch das „dienstälteste“ Jubelpaar: Vor 60 Jahren waren Hermann Sprock und seine damalige Freundin Bernhardine Westerhorstmann das Kranzkönigspaar, deren Königsgeschichte hier stellvertretend noch einmal ganz kurz erzählt wird: Ältere Jecken in Delbrück können sich sehr wahrscheinlich noch an das Kranzreiten 1961 erinnern: Hermann Sprock, damals 23 Jahre alt, nutzte damals eine kurze Unaufmerksamkeit von Ehrendoktor Wilhelm Tröster, der den Buchsbaumkranz, befestigt an einer Leine am Galgen, rauf und runter zog. Tröster passte aber einen Moment nicht auf und – schwupps! – riss der dynamische Hermann Sprock zur Überraschung der Zuschauer und Eintrachtler den Kranz runter. Ein Husarenritt!

Weitere Kranzkönigspaarjubilare sind in der 189. Session: Josef Fraune und Anneliese Schachten (50 Jahre; 1971), August Klösener und Renate Wiedenstridt (40 Jahre; 1981) sowie Christian und Martina Greitens (25 Jahre; 1996). Jubelprinzen sind in diesem Jahr: Theo Beiwinkel (40 Jahre; 1981) und Meinolf Päsch (25 Jahre; 1996). Jubelprinz Karl-Heinz „Charly“ Jakobi (50 Jahre; 1971) ist vor wenigen Wochen gestorben.

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