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Knapp 3500 Adressen in dünn besiedelten Bereichen des Kreises bekommen Glasfaser

71,6 Millionen Euro fürs Turbo-Netz

Delbrück (WB). Symbolischer hätte der Ort kaum sein können, um den flächendeckenden Glasfaserausbau im Kreis Paderborn auch in dünner besiedelten Bereichen zu starten: Ausgerechnet am Randweg setzten Vertreter des Bundes, des Landes, des Kreises und der Kommunen am Montag den ersten Spatenstich. In den kommenden drei Jahren werden im Kreis Paderborn 71,6 Millionen Euro in schnellere Datenautobahnen investiert.

Meike Oblau

Rund 3500 Adressen in dünn besiedelten Bereichen des Kreises Paderborn werden mit schnellem Internet versorgt. Dafür werden 71,6 Millionen Euro investiert. In Westenholz vollzogen (vorne von links) Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann, Landrat Manfred Müller, Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz und Dezernent Daniel Nölkensmeier (Bezirksregierung) gemeinsam mit den Bürgermeistern der weiteren Kommunen und anderen Projektbeteiligten stellvertretend den ersten Spatenstich. Foto: Meike Oblau

Ort des Spatenstichs war die Firma Metall- und Maschinenbau Sandmeier in Westenholz. Alexander Sandmeier erläuterte, warum das schnelle Internet in seinem Betrieb so sehnsüchtig erwartet wird: „Wir arbeiten mit sehr großen Datenmengen und aktuell dauert es oft sehr lange, bis Mails verschickt sind. Manchmal brechen auch Telefonate ab. Vom Glasfaserausbau versprechen wir uns eine störungsfreie Kommunikation mit unseren Kunden. Zudem eröffnet es auch unseren Mitarbeitern ganz neue Möglichkeiten, zum Beispiel, in cloudbasierten Systemen zu arbeiten.“

50 Prozent der Kosten zahlt der Bund

Um für alle kreisangehörigen Kommunen zwei vorläufige Förderanträge sowohl beim Bund als auch beim Land stellen zu können, wurde der Kreis Paderborn in zwei Bereiche eingeteilt. Das so genannte „Cluster West“ umfasst Hövelhof, Delbrück, Salzkotten und Büren, das „Cluster Ost“ Bad Lippspringe, Altenbeken, Paderborn, Borchen, Lichtenau und Bad Wünnenberg. Den Zuschlag für den Ausbau erhielt die Deutsche Glasfaser, die Teile des Kreisgebiets, zum Beispiel in Delbrück und Hövelhof, auch bereits eigenwirtschaftlich ausbaut. Ziel der Glasfaserstrategie des Kreises Paderborn ist es, dort, wo Telekommunikationsunternehmen nicht eigenwirtschaftlich ausbauen, mit Hilfe von Fördergeldern eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Etwa 3500 unterversorgte Adressen, an denen aktuell nur Internetgeschwindigkeiten von unter 30 Mbit/s möglich sind, werden in den kommenden Jahren an das Glasfasernetz angeschlossen. Die Investitionssumme von 71,6 Millionen Euro teilen sich der Bund (50 Prozent), das Land (40 Prozent) und die jeweiligen Kommunen (10 Prozent).

Landrat Müller spricht von „historischem Augenblick“

Landrat Manfred Müller sprach beim Spatenstich dann auch von einem „historischen Augenblick beim Ausbau unserer Infrastruktur“. Er sei stolz, dass der Kreis Paderborn in Kürze eine Glasfaserquote von über 50 Prozent erreichen werde: „Diese Zahl muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, denn der Bundesdurchschnitt liegt bei gerade einmal 11,8 Prozent“, sagte Müller. Das sei ein zukunftsweisendes Signal und ein starkes Argument für den Wirtschafts- und Wohnstandort Kreis Paderborn.

Stellvertretend für seine Amtskollegen aus den anderen Kommunen sprach Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz von einer „Erfolgsgeschichte für zehn Kommunen.“ Nachdem die Deutsche Glasfaser alle zehn Delbrücker Stadtteile erschlossen habe, sei es wichtig gewesen, am Thema dranzubleiben, um auch die Menschen in den Außenbereichen nicht zu vergessen.

Linnemann: „Corona hat die Schwächen knallhart aufgezeigt“

CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann sparte im Rückblick auch nicht mit Kritik: „Eine durchschnittliche Glasfaserquote von bundesweit 11,8 Prozent ist viel zu wenig. Gerade Corona hat uns knallhart Schwächen in der Digitalisierung unseres Landes aufgezeigt. Ich denke, wir haben das Thema zu lange unterschätzt. Aber jetzt hat die Politik es verstanden“, versprach Linnemann. Der Kreis Paderborn sei da durchaus führend, auch, weil die Bürgermeister vor Ort das Thema zur Chefsache erklärt und dafür geworben hätten: „Chapeau“, lobte Linnemann und betonte: „So wie die Fische das Wasser brauchen, brauchen Menschen inzwischen schnelles Internet.“

Masterplan für den Kreis Paderborn

2014 wurde ein Glasfaser-Masterplan für den Kreis Paderborn entwickelt. Um auch die ländlichen Bereiche des Kreises zu versorgen, starteten Bund und Land Förderprojekte im Breitbandausbau. Für die Antragstellung für das Bundesförderprogramm „Weiße Flecken“ wurde ein Markterkundungsverfahren durchgeführt. Dabei melden die Telekommunikationsunternehmen, welche Adressen im Kreisgebiet versorgt sind bzw. wo sie planen, auszubauen. Im Anschluss wurden gesammelt für alle Kommunen des Kreises Paderborn zwei vorläufige Förderanträge beim Bund und beim Land gestellt. Der Ausbau erfolgt im so genannten Wirtschaftlichkeitslückenmodell: Im Rahmen des Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sollte jenes Telekommunikationsunternehmen den Zuschlag erhalten, das unter anderem den geringsten Förderbedarf ermittelt. Den Zuschlag erhielt die Deutsche Glasfaser.

Ziel ist es, die „weißen Flecken“, das sind Adressen mit einer Versorgung von unter 30 Mbit/s, in den kommenden drei Jahren zu schließen. Davon profizierten 3359 private Adressen, 45 Schulen, 55 Unternehmen und acht Krankenhäuser.

Auch der Mobilfunk kann perspektivisch von dieser In­frastruktur profitieren. Die fünfte Generation soll in Deutschland zum Standard werden. Dazu braucht es 5G-Funkmasten, die wiederum auf Glasfaserleitungen angewiesen sind.

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