1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Delbrueck
  6. >
  7. Aprilwetter im März

  8. >

Sturmtief „Luis“ sorgt am Samstag landesweit für Unfälle - zum Wochenstart wechselhaft und weniger Wind

Aprilwetter im März

Bielefeld/Delbrüc...

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometer ist Sturmtief „Luis“ am Wochenende über Ostwestfalen-Lippe hinweggezogen: Am Samstag entluden sich in der Region immer wieder Gewitter mit Regen, Hagel und Sturm. Auf den Straßen kam es zu mehreren Unfällen, in Delbrück stürzte ein Baugerüst um. Die Aussichten: Es bleibt wechselhaft, aber weniger windig.

wn

In Delbrück brachte der Sturm dieses Gerüst an einem Hallenneubau zum Einsturz. Verletzt wurde niemand. Foto: Axel Langer

Allein am Samstagmittag ereigneten sich auf den Autobahnen 2, 33 und 44 insgesamt zwölf Verkehrsunfälle durch starken Regen und Hagelschauer, teilte die Polizei mit. Bei einem Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen auf der A 2 zwischen den Anschlussstellen Herzebrock-Clarholz und Oelde in Fahrtrichtung Dortmund verletzte sich eine Person bei einem Auffahrunfall leicht. Eine Mutter mit ihrem Kleinkind blieben unverletzt, wurden aber vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Staus auf der A 33

Auf der A 33 ereigneten sich zwei weitere Verkehrsunfälle mit jeweils einer leicht verletzten Person. Davon einer in Richtung Brilon zwischen dem Autobahnkreuz Bielefeld und der Anschlussstelle Schloß-Holte sowie einer in Richtung Osnabrück zwischen den Anschlussstellen Stukenbrock-Senne und Schloß-Holte. Die verletzten Unfallbeteiligten wurden alle in umliegende Krankenhäuser verbracht. Zwischenzeitlich staute sich der Verkehr auf der A 33 in beiden Richtungen aufgrund der Unfallaufnahme und Bergungsarbeiten auf einer Länge von 5 bis 6 Kilometern.

Die neun weiteren Unfälle verliefen glimpflicher, es entstand lediglich Sachschaden. Auf der A 44 ragte der Ast eines umgestürzten Baumes auf die Fahrbahn. Ein vorbeifahrender PKW streifte diesen leicht. Sowohl hier als auch auf der A 2 kam es zu keinen nennenswerten Verkehrsbehinderungen. Die Polizei schätzt die Gesamthöhe aller Schäden auf etwa 90.000 Euro.

A1: Unfall mit 13 Fahrzeugen

Plötzlichen Hagelschauer haben auch auf der Autobahn 1 im Münsterland zu Unfällen mit insgesamt 13 Fahrzeugen geführt. Zwei Personen wurden schwer, drei leicht verletzt. Die Richtungsfahrbahn Dortmund wurde für etwa zwei Stunden voll gesperrt. Insgesamt kam es in Richtung Dortmund zu sechs unabhängigen Unfällen, in Richtung Bremen zu einem. Neun Abschlepper entfernten die Fahrzeuge von der Autobahn. Für den Transport von unfallbeteiligten Personen wurde ein Bus eingesetzt.

Gegen Baum gefahren

In Delbrück (Kreis Paderborn) musste die Feuerwehr gleich mehrere Bäume von den Straßen räumen. Glück hatte ein Mann aus Ostenland, der auf der Hövelhofer Straße gegen einen umgestürzten Baum prallte. „Der Baum kippte dem Mann unmittelbar vor das Auto, so dass der Fahrer nicht mehr ausweichen konnte. Das Auto prallte so heftig gegen den Baum, dass die Airbags auslösten“, berichtete der stellvertretende Wehrführer Johannes Appelbaum. Der Fahrer blieb unverletzt.

Gerüst umgestürzt

Die Gewitterfront brachte auch ein Gerüst an einem Hallenneubau im Gewerbegebiet Ost in Delbrück zum Einsturz. Die Feuerwehr brauchte nicht einzugreifen, da der Firmeninhaber das Gerüst mit eigenen Mitarbeitern beseitigte.

In Bad Driburg kam am Samstagvormittag ein Notarztwagen beim Überholen eines Autos auf dem Weg zu einem Einsatz aufgrund von Nässe und Graupelschauer von der Straße ab, prallte gegen eine Böschung und überschlug sich. In Lichtenau erfasste eine Sturmböe ein Auto mit Anhänger. Zwei Männer wurden leicht verletzt.

Ein kurioser Unfall ereignete sich in Thüringen im Landkreis Gotha: Auf einer Bundesstraße stieß der Wagen einer 27 Jahre alten Autofahrerin mit einem Trampolin zusammen. Es war am Freitag aus einer Wohnsiedlung vom Wind auf Straße geweht worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Frau blieb unverletzt, der Besitzer des Trampolins konnte ausfindig gemacht werden, hieß es.

Auch in Hessen ging ein schwerer Unfall glimpflich aus. Auf der Autobahn 5 verlor der Fahrer eines Autos wegen einer Windböe die Kontrolle über seinen Wagen, wie die Polizei in Darmstadt mitteilte. Daraufhin sei das Fahrzeug quer über die Autobahn ins Feld geschleudert worden. Weder der Fahrer noch andere Verkehrsteilnehmer wurden dabei demnach verletzt.

Erbsengroße Hagelkörner prasselten im Laufe des Samstags häufiger zu Boden. Foto: Dunja Delker

Die schwersten Sturmböen bis zum Nachmittag verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit einer Geschwindigkeit von 99 Stundenkilometern in Xanten (Kreis Wesel), was Windstärke zehn entspricht. An zweiter Stelle habe Aachen mit schweren Sturmböen von 93 Kilometern pro Stunde gelegen, sagte eine Meteorologin in Essen. Geschwindigkeiten ab 103 Stundenkilometern entsprechen Windstärke elf und damit orkanartigen Böen. „Ich würde nicht unbedingt auf einen Berg klettern oder in den Wald gehen“, sagte auch eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der stürmische Wind soll am Abend im Westen abflachen, in Ostwestfalen und im Münsterland erst in der Nacht.

Trübe Aussichten

In der kommenden Woche lässt der Sturm nach Angaben des Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach nach, es bleibt aber windig. Dazu kommen viele Wolken, wenig Sonne, Regen- oder Schneeregen und vereinzelt auch Gewitter mit Graupel. Die Höchstwerte liegen demnach zwischen 2 und 9 Grad, was sich durch den Wind allerdings frischer anfühle. „Aprilwetter im März“, wie der DWD zusammenfasste.

In den Alpen kehre gar der Winter zurück. Oberhalb von 600 Metern kämen 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee zusammen, in den höheren Lagen sei bis zur Wochenmitte bis zu ein Meter Neuschnee möglich. Im Schwarzwald seien in den kommenden Tagen 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee denkbar

In der Nacht zum Dienstag lassen die Regenschauer den Angaben zufolge im Norden und Westen nach, sonst gibt es einzelne, am Nordrand der Mittelgebirge häufigere Schauer. An den Alpen schneit es. Die Tiefstwerte sollen in der Nacht bei +3 bis -2 Grad liegen. Vielerorts besteht laut DWD Glättegefahr durch Schnee, Matsch oder Eis.

Bereits am Donnerstag war ein Sturmtief über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt, Bäume waren umgeknickt und Äste abgerissen. An mehreren Stellen waren orkanartige Böen gemessen worden. Der Kreis Paderborn blieb weitestgehend verschont.

Die schönen Seiten des Aprilwetters: ein Regenbogen in Gütersloh-Spexard. Foto: Dunja Delker
Startseite