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Ruhrpott-Comedy vom Feinsten

Atze zeigt echte Gefühle

Delbrück (WB). Wenn falsche Locken auf „echte Gefühle“ treffen, dann hat Atze Schröder sein gleichnamiges Gagfeuerwerk gestartet. Die Ruhrpottlegende hat in Delbrück Teile eines neuen Programms vorgestellt, mit dem der Star im neuen Jahr auf Tournee gehen wird. Ganz nach dem Motto: „Klappt es in Delbrück, klappt es überall“ testete Atze neue Sketche – durchaus mit großem Erfolg.

Ingo Schmitz

Ja nee, ist klar: Atze Schröder hat das Delbrücker Publikum sehr schnell in sein Herz geschlossen. Und das wiederum belohnte den Ruhrpott-Comedian für einen unterhaltsamen Abend mit reichlich Applaus. Foto: Ingo Schmitz

Braune Lockenpracht, bläulich getönte Pilotenbrille, knallenges T-Shirt und den Porsche vor der Hallentür geparkt: Atze Schröder bleibt sich seit 25 Jahren selbst treu. Und das nicht nur äußerlich. Auch seine Sprüche haben nicht an Biss verloren. Und den braucht er auch, um sich durch den Alltag zu kämpfen, der voll sei mit Werbelügen und immer schlechter werdenden TV-Formaten, wie die Proll-Ikone treffend feststellte.

Lobhudelei vom Feinsten

Und Atze wäre nicht Atze, wenn er nicht sein Publikum bestens kennen würde. Nach einer ausgiebigen Lobhudelei für die Zuschauer in der ausverkauften Stadthalle hatte er seine Fans auf Betriebstemperatur gebracht. In Delbrück, dem Monaco Europas, habe man nicht nur Geld, sondern man sei hier auch schlauer und schöner und auch besser gekleidet als in anderen Städten Deutschlands. „Man kriegt hier Frühlingsgefühle – und das kurz vor Weihnachten“, stellte er mit Blick ins Publikum fest.

Echte Gefühle? Die gebe es doch kaum noch, meinte Atze und rechnete alsbald mit der Werbebranche ab. „Überall lauert der Beschiss“, stellte er fest und brachte diverse Beispiele: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single bei Parship – wenn das wirklich so wäre: Wieso dauert das Mindestabo drei Monate?“ Selbst seinen Werbevertrag mit der Wiesenhof-Bruzzler-Bratwurst nahm er auf die Schippe: „Wie oft hat man mich schon gefragt, wie so ein Bruzzler schmeckt. Dabei ess ich so etwas nicht. Was soll ich denn mit so einem Phosphat-Stäbchen? Hinterher leuchte ich im Dunkeln.“ Sollte nun der Werbevertrag weg sein – auch egal, merkte der Comedy-Star launig an. Hauptsache das Publikum lacht!

Ausflug zu den Helikopter-Eltern

Das lacht auch noch, als er über Helikopter-Eltern herzieht. „Die Kinder lernen doch heute nichts mehr. Feuer machen, 800 Gramm-T-Bone-Steak auf dem Toaster – das können die alle nicht. Stattdessen fragen die Muttis in der Klassenkonferenz, ob es die Schnellhefter auch mit Reflektoren gibt.“ Seine Bilanz: „Das Land geht den Bach runter und die Kids studieren Geschichte und ethnische Völkerkunde. Was sollen wir denn mit noch mehr promovierten Wolkenschiebern? Dieses Land braucht Dachdecker, Bäckermeister, Geldeintreiber und DJs, die eine lange Single auch mal ausspielen.“ Beifall! Bleibt abzuwarten, wieviele Eltern diese Botschaft mit nach Hause genommen haben.

Ganz frisch vom Zettel abgelesen war eine Nummer, die Atze zum ersten Mal vor Publikum ausprobierte. Hauptfigur: Sein alter Kumpel Berni, der mit Gürtelrose im Krankenhaus liegt. Zwischen Atze und der „AOK-Leiche“ entwickelte sich ein aberwitziger Dialog, der beim Publikum bestens ankam. Atze wirkte sichtlich zufrieden mit der Resonanz. Ob der Sketch aber tatsächlich im Programm bleibt, wird sich im kommenden Jahr bei der Tournee zeigen.

Schon mal gehört

Bei der Vorpremiere von „Echte Gefühle“ wurde man das Gefühl nicht los, manches davon schon mal gehört zu haben – was aber wohl in der Natur der Sache liegt: Eine Preview ist halt eine Mischung aus alten und neuen Programmteilen. Unterm Strich wurde Ruhrpott-Comedy vom Feinsten geboten. Dem Beifall des Publikums nach zu urteilen, dürfte auch die Haupttournee im nächsten Jahr ein voller Erfolg werden.

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