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Für das „schwierige Corona-Jahr 2020“ zieht die Kreditgenossenschaft ein insgesamt positives Fazit

Auf dem Weg zum Milliardeninstitut

Delbrück/Hövelhof

Die Volksbank Delbrück-Hövelhof sieht sich als wichtiges Rad im Getriebe der heimischen Wirtschaft. „Der hohen Verantwortung, die damit verbunden ist, sind wir auch im Corona-Jahr 2020 nachgekommen“, sagt Vorstandsvorsitzender Jörg Horstkötter rückblickend über eines der schwierigsten Geschäftsjahre in der bald 140-jährigen Geschichte der Kreditgenossenschaft.

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Vorstände Jörg Horstkötter und Rudolf Hagenbrock stellen erhöhten Liquiditätszufluss im Geschäftsjahr 2020 fest. Foto: VB Delbrück-Hövelhof

Die Bank selbst, so Horstkötter, habe sich im immer härteren Wettbewerb unter den Finanzdienstleistern erfolgreich behauptet, ihre Marktstellung gefestigt und in Teilbereichen weiter ausgebaut. Als mittelständisches Institut habe man fest an der Seite des heimischen Mittelstands gestanden und Freiberuflern sowie schwer gebeutelten Betrieben aus Einzelhandel, Gastronomie und Eventbereich die Treue gehalten. Zum Beweis für seine Aussage nannte Horstkötter Corona-Kredite, die in einem Umfang von 9,5 Mio. Euro als Liquiditätshilfe an Not leidende Gewerbekunden geflossen seien.

Bilanztechnisch ist die Volksbank Delbrück-Hövelhof auf ihrem Weg zum Milliardeninstitut im vergangenen Jahr „einen Riesenschritt vorangekommen“. Die Bilanzsumme erhöhte sich erheblich um 9,7 Prozent auf einen neuen Höchststand von 860 Millionen Euro. Jörg Horstkötter: „Noch zwei solcher Jahre, und wir haben die Milliardengrenze erreicht.“ Das Kundengeschäftsvolumen – es beinhaltet auch die Aktivitäten der Bank außerhalb der eigenen Bilanz – liegt nach einem Zuwachs von 9,0 Prozent bereits bei 1,8 Milliarden Euro.

Sparquote der Deutschen steigt von 10,9 auf 17 Prozent

Der im Wesentlichen auf den enormen Zuwachs bei den Kundeneinlagen zurückzuführende Bilanzsummensprung hat für die Bank indessen auch eine deutliche Kehrseite. Jörg Horstkötter: „Mit dem zweistelligen Wachstum der Einlagen um 10,4 Prozent auf 635,4 Millionen Euro stellt sich für uns auch die Frage der Anlage.“ Zwar sei die Kreditnachfrage (plus 9,1 Prozent auf 497,6 Millionen Euro) „außerordentlich erfreulich“ gewesen. Dennoch habe es kräftige Einlagenüberschüsse gegeben. Diese habe man kostenpflichtig bei der genossenschaftlichen Zentralbank DZ parken müssen. Jörg Horstkötter: „Weil die Menschen im Moment wenig Gelegenheiten zum Geldausgeben haben, hält der ungebremste Zufluss von Liquidität weiter an. Die Sparquote der Deutschen ist auch coronabedingt von 10,9 Prozent auf rund 17 Prozent gestiegen und damit geradezu explodiert.“

Da die gesamte Finanzbranche von der Situation betroffen ist, sieht Horstkötter so genannte Verwahrgelder auf dem Vormarsch. Der Vorstandsvorsitzende: „Wir werden feststellen, dass dieses Thema im Jahr 2021 deutlich Fahrt aufnehmen wird.“ Für den Euroraum sagt Horstkötter voraus: „Risikolose Anlage von Liquidität wird Bankkunden dauerhaft nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt werden können.“ Auch die Volksbank Delbrück-Hövelhof werde sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen diesem Thema künftig nicht verschließen können.

Die Strategie der Bank geht allerdings primär in die Richtung, ihren Mitgliedern und Kunden alternative, renditebringende Formen der Geldanlage anzubieten. Bei dem Bemühen, Kunden für den Wertpapierbereich zu gewinnen, hat das Institut im Jahr 2020 beachtliche Erfolge erzielt. Mehr als 600 Kunden (plus 33 Prozent) haben sich erstmalig für eine Anlage ihrer Ersparnisse auf dem Wertpapiersektor entschieden. Der Bestand auf Kundendepots und Anlagekonten der genossenschaftlichen Union Investment erhöhte sich dadurch um rund 11 Prozent auf 322 Millionen Euro.

Gute Nachfrage im Versicherungsgeschäft

Eine ähnlich große Nachfrage verzeichnet die Volksbank im Versicherungsgeschäft. Vorstandsmitglied Rudolf Hagenbrock: „Die Kapitallebensversicherung – oft totgesagt – ist wieder gefragt. Gegenüber dem Vorjahr haben wir die Versicherungssumme neu abgeschlossener Verträge um mehr als 40 Prozent erhöht.“

Zufrieden äußert sich das Vorstandsduo Horstkötter/Hagenbrock zur Ertragslage der Bank. Jörg Horstkötter: „Bei leicht gesunkenem Zinsüberschuss und verbessertem Provisionsüberschuss ist es uns dank eines straffen Kostenmanagements gelungen, das Betriebsergebnis absolut stabil zu halten.“ Ausgewiesen wird ein Jahresüberschuss in Höhe von 2,058 Mio. Euro. Dieser soll zur Vorsorge für Ausfälle im Kreditgeschäft und für eine weitere Stärkung der Rücklagen genutzt werden. Außerdem will die Bank ihre 17.101 Mitglieder (plus 183) durch die Ausschüttung einer lohnenden Dividende beteiligen. Die Entscheidung darüber fällt die Vertreterversammlung, voraussichtlich im Juni.

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