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Innovationskünstler werden bei Entwicklung von Delbrücker Feuerwehr unterstützt

Drohnen können Leben retten

Delbrück

Bereits 2017 entwickelte eine Gruppe von Innovationskünstlern, zu denen auch der Delbrücker Andreas Pöhler gehört, ein Drohnenprojekt, bei dem Rehkitze auf Feldern gefunden und so vor den scharfen Schneidwerkzeugen des Mähdreschers geschützt werden können. „Die Technik hat sich seitdem weiterentwickelt“, sagt er.

Axel Langer

Mit der Suche nach Rehkitzen auf Wiesenflächen fing es 2017 an, inzwischen hat Andreas Pöhler die Technik deutlich ausgebaut. Bei einem Test auf dem Gelände der Delbrücker Feuerwehr übertrugen fünf Drohnen ihre Aufnahmen an den Kommandostand. Foto: Axel Langer

„Die Technik hat sich seitdem weiterentwickelt. Kam vor drei Jahren eine Drohne mit einer Wärmebildkamera zum Einsatz, können inzwischen mehrere Drohnen parallel eingesetzt werden. Eine Drohne kann sogar die Steuerung übernehmen“, erläutert Pöhler ein Projekt, bei dem der Innovationskünstler mit der Delbrücker Feuerwehr zusammenarbeitet.

Ansatz war seinerzeit, die Suche nach Rehkitzen zu beschleunigen, indem mehrere Drohnen bei der Suche eingesetzt wurden. Doch die Vorarbeiten sowie die eingesetzte Technik waren kaum für den Alltagseinsatz zu finanzieren. Mit dem Corona-Lockdown hatten nun viele der Innovationskünstler wieder zeitliche Kapazitäten, um sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. „Vielen von uns war das Tagesgeschäft weggebrochen, so dass wir das Projekt noch einmal neu aufgerollt haben“, sagt Pöhler. Schnell entstanden neue Ideen für mögliche Einsatzbereiche eines Drohnenschwarms. Beispielsweise ist die Entwicklung von 3-D-Modellen ein zentraler Punkt.

Beim Projekt Drohnenschwarm unterstützt die Delbrücker Feuerwehr nicht nur mit Know-how sondern auch mit Technik in Form einer eigenen Drohne. Die Feuerwehr verfügt schon länger über Drohnen und somit auch über viel Erfahrung. Allerdings werden mit den Drohnenflügen in aller Regel Übersichtsaufnahmen einer Einsatzstelle gefertigt oder vermisste Personen mittels einer Wärmebildkamera gesucht. In einem Testlauf am Feuerwehrgerätehaus in Delbrück wurden nun sogenannte „Setpoint-Drohnen“ getestet. Bei dem Test stiegen vier Drohnen und eine Leitdrohne in einem Schwarm auf. Über ein Tablet wurden die Drohnen vorprogrammiert und parallel über einen Knopfdruck gestartet. Verändert die Leitdrohne ihre Position, folgen auch die anderen Drohnen. Ein Pilot stand nur noch ersatzweise bereit, falls die Technik versagen sollte und steuerte die Leitdrohne.

Jede Drohne nahm bei diesem Versuch eigenständig seine Position ein. Von einem Steuerstand am Einsatzleitwagen konnten alle Kameras um 360 Grad in alle Richtungen gesteuert werden. Über einen Monitor können die Bilder in der Gesamtansicht, aber auch einzeln betrachtet werden. Einzelne Bilder können auch auf das Smartphone des Einsatzleiters übertragen werden und so wichtige Hinweise für die Einsatzführung geben. Hat man sich einen Überblick aus den verschiedensten Blickwinkeln verschafft, kehren die Drohnen per Knopfdruck auf ihren Startpunkt zurück.

Jede Drohne kann auch einzeln eingesetzt werden und Luftaufnahmen von einer – hier simulierten – Einsatzstelle fertigen. Foto: Axel Langer

Durch die fünf Kameras in der Luft ist in Realzeit eine dreidimensionale Rekonstruktion der Einsatzstelle möglich. Bei Flächenbränden ist so die Ausbreitungsgeschwindigkeit und -richtung auch über größere Distanzen messbar. Potenzielle Gefahrenbereiche können sehr schnell erkannt und gegebenenfalls Personen gerettet werden. Außerdem können Einsatzkräfte schnell an entscheidende Gefahrenbereiche beordert oder benötigte Technik nachalarmiert werden.

„Die Rüstzeit beträgt nur wenige Minuten, so dass der Drohnenschwarm schon in einer ersten Erkundungsphase eingesetzt werden kann“, sagt Andreas Pöhler. Selbst eine Liveübertragung der Bilder von den Drohnen in den Einsatzleitwagen sind möglich oder die Zusammenstellung der Bilder zu einem dreidimensionalen Modell, so dass auch Landschaftsbesonderheiten wie Hügel oder Mulden in die Berechnungen einfließen lassen. Dies kann auch bei der Suche nach Personen eine große Hilfe sein.

Netzwerk „Innovationskünstler“

Dem Netzwerk „Innovationskünstler“ haben sich rund 50 ehemalige Mitarbeiter der unterschiedlichsten Technikbranchen zusammengeschlossen. Diese stammen vornehmlich aus der Forschung und Entwicklung. Etwa zwei Drittel der Mitglieder stammen aus Deutschland. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, Ideen zu entwickeln und in ersten Schritten umzusetzen sowie in Schutzrechte umzuwandeln. Diese Problemlösungen werden dann kleinen Unternehmen zur Verfügung gestellt, die daraus marktreife Produkte und Lösungen erstellen. Dabei setzen die Innovationskünstler auf Praxisnähe und kostengünstige Umsetzung. Eine Refinanzierung erfolgt dabei über Nutzungsrechte.

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