1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Delbrück
  6. >
  7. Ergreifender Moment in Delbrück

  8. >

Geflüchtete Irynia Filipova greift spontan zum Mikrofon und singt die ukrainische Nationalhymne

Ergreifender Moment in Delbrück

Delbrück

„International und spürbar auch persönlich werden wir uns aus der Wohlfühlzone verabschieden müssen, wenn wir Putin wirklich stoppen wollen. Hier in Delbrück und in ganz Deutschland ist die Hilfsbereitschaft riesig, aber das ist kein Sprint, das wird ein Marathon“, zog der heimische Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer als Moderator ein Fazit des Abends in der Stadthalle Delbrück.

Wollen der Ukraine helfen und standen in der Stadthalle Delbrück Rede und Antwort (von links): Martin Steffens, Johannes Grothoff, Bernhard Hoppe-Biermeyer, Henry Kosche, Iryna Filipova mit ihren beiden Söhnen Yevhen und Ihor, Brigitte Strunz, Elmar Brok und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Wolfgang Böltner.

Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Delbrück hatten Elmar Brok, der die Ukraine wie kein zweiter deutscher Politiker seit Jahrzehnten kennt, Iryna Filipova, die mit ihren beiden Söhnen Yevhen und Ihor aus Kiew geflohen ist und in Westenholz Schutz gefunden hat, Brigitte Strunz, die bei der Stadt Delbrück Ansprechpartnerin für alle Flüchtlingsfragen ist, sowie Feuerwehrchef Johannes Grothoff und Kaufmann Henry Kosche, die gemeinsam mit Martin Steffens die ehrenamtliche Delbrücker Ukraine-Hilfe gegründet haben, aus unterschiedlichen Positionen beschrieben, wie der Ukraine geholfen werden kann.

Irynia Filipova, die mit ihrer Familie in Kiew nah am Fernsehturm wohnt, der mit als erstes beschossen wurde, beschrieb ihre Flucht, die Bomben-Nächte im Keller in der Schule, in der sie tagsüber gearbeitet hatte, die Fahrten in hoffnungslos überfüllten Zügen, die zwischenzeitliche Unterbringung in Lwiw und die große Hilfsbereitschaft, die sie in Deutschland erlebt. Wichtig ist ihr, zu erzählen, dass die Ukraine eine lange von Russland komplett unabhängige Geschichte und Kultur hat. Weil das Erzählte sie so mitnimmt, hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben und liest sie auf Deutsch vor. Sie bittet die Welt um Hilfe, weil zwischen Russland und dem freien Europa nur noch die Ukraine liege.

In der Stadthalle konnte man dabei eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam verfolgten die knapp 100 Besucher den emotionalen Vortrag. Bevor sie von der Bühne geht, fasst sie sich ein Herz, ergreift noch einmal das Mikrofon und singt die ukrainische Nationalhymne – der emotionale Höhepunkt des Abends. Nachher spricht sie noch eine Zeit mit Elmar Brok, der in seinem Vortrag klar macht, dass nur ein Ende der Gas-Importe Putin wirklich beeindrucken würde.

Auf eine Nachfrage antwortet er, dass es für Machthaber wie Putin aus der Erfahrung der Geschichte heraus im Grunde nur zwei Optionen gebe, so weiterzumachen oder als Verbrecher gestürzt zu werden. Die freie Welt müsse jede mögliche Sanktion beschließen - außer einem aktiven Kriegseintritt, beschreibt er den aus seiner Sicht einzig möglichen Weg. Nach seiner Ansicht hätte ein entschlosseneres Vorgehen der freien Welt, noch im Januar diesen sinnlosen Krieg vielleicht sogar verhindern können. Aus heutiger Sicht habe Putin diesen Krieg nicht nur seit Monaten vorbereitet, sondern auch mehr oder weniger offen angekündigt.

Wie in Delbrück konkret geholfen werden kann, beschrieben Brigitte Strunz und die drei Initiatoren der Delbrücker Ukraine-Hilfe.

Bei der anschließenden Sammlung kamen für die Ukraine-Hilfe 1276 Euro zusammen. Wer gezielt noch weiter unterstützen möchte, kann spenden auf das Spendenkonto DE67 4725 1740 0000 0111 14 bei der Stadtsparkasse Delbrück, Kennwort: DRK Ukraine-Hilfe.

Startseite
ANZEIGE